New York (dpa) - Tommy Hilfiger trägt - keine Überraschung - fast immer Tommy Hilfiger. "Wahrscheinlich etwa 99 Prozent der Zeit ziehe ich meine eigenen Entwürfe an", sagte der Designer jüngst dem "Wall Street Journal".

"Ich bin Perfektionist und will sicherstellen, dass es auch wirklich gut passt und sich gut wäscht. Ich bin definitiv mein schärfster Kritiker". Der Modemacher, der am Donnerstag (24. März) 65 Jahre alt wird, hat sich aus kleinen Verhältnissen zum Multimillionär und Design-Star hochgearbeitet und ist inzwischen der König des All-American-Style - immer adrett, fast immer blau, weiß, rot und "nicht arm", wie Hilfiger einmal in einem Interview ergänzte.

Seine nach ihm benannte Firma hat Hilfiger längst an Finanzinvestoren verkauft, aber das letzte Wort für alle Kollektionen behält weiter er. Außerdem berät er andere Modefirmen und setzt sich im Kampf gegen Krankheiten und Armut ein. Für den Herbst hat Hilfiger seine Memoiren angekündigt - und hat auch sonst viele Pläne. "Einer meiner Träume ist zum Beispiel, ein Hotel zu eröffnen, ich weiß aber noch nicht, wann und wo. Wie meine Kleidung wäre es vom Stil her klassisch amerikanisch."

Der Modedesigner Tommy Hilfiger (l) begutachtet in New York während der Tommy Hilfiger Men's Preview eine Jacke.

Geboren wurde der Designer als Thomas Jacob Hilfiger am 24. März 1951 in dem kleinen Städtchen Elmira. "Das mag zwar im Bundesstaat New York liegen, aber es fühlt sich an wie ein Kaff mitten in den USA, umgeben von Äckern und mit altmodischen Werten und einem entspannten Lebensstil", erklärte Hilfiger einmal in einem Interview. Seine Mutter war Krankenschwester, der Vater Uhrmacher und Tommy das zweite von neun Kindern. "Da lernt man schnell, zusammenzuarbeiten und als Team zu funktionieren. Aber man lernt auch, eine große Bandbreite von Stilen und Ansichten zu respektieren, was mir später beim Start meiner Firma sehr geholfen hat, weil es so viele Kunden mit so unterschiedlichem Geschmack gibt."

In der Schule glänzte Hilfiger nicht. "Ich hatte kein Selbstvertrauen. Ich war kein guter Schüler und dachte wirklich, dass ich ziemlich dumm bin. Algebra sah für mich aus wie Chinesisch, und in das Lesen von Shakespeare bin ich auch nie so richtig reingekommen." Also schlug er den Wunsch der Eltern nach einer College-Ausbildung aus und konzentrierte sich auf "Musik und Mädchen und Autos", wie er dem "Guardian" erzählte. "Ich habe mir Jim Morrison und David Bowie und Mick Jagger angeschaut und dachte: "Ah! Ich will so aussehen wie die!""

Mit Freunden eröffnete er daraufhin in seinem Heimatstädtchen den Laden "People's Place". "Es gab Räucherstäbchen und Rock-'n'-Roll-Poster, und wir haben Schallplatten und Zigarettenblättchen verkauft. Die Leute konnten einfach bei uns abhängen, es war eine coole Stimmung." Er sei aber immer schon nur ein "Pseudo-Hippie" gewesen, gesteht Hilfiger heute ein. "Ich mochte schon immer das Unternehmerische und wollte auch nie im Zelt schlafen." Eine Zeit lang brummt "People's Place", doch dann gehen Hilfiger und seine Freunde damit bankrott, da ist er gerade einmal 25 Jahre alt.

Hilfiger rappelt sich wieder auf, geht nach New York, schlägt lukrative Jobangebote unter anderem bei Designer Calvin Klein aus und gründet dann seine eigene nach ihm benannte Firma. "Ich dachte, wenn ich mein eigenes Unternehmen aufmache, dann kann ich auch mein eigenes Schicksal kontrollieren." Und es läuft glänzend, vor allem weil Hilfiger als einer der ersten Designer erkennt, wie wertvoll Prominente als Werbeträger sind.

Heute besitzt der Designer, der in zweiter Ehe mit dem Model Dee Ocleppo verheiratet ist und insgesamt fünf Kinder hat, Anwesen in Connecticut, New York und der Karibik und ein schickes Büro in Midtown Manhattan - dekoriert ganz im Stil seiner Marke. "Die einzige Möglichkeit, den Raum noch idealisierter amerikanisch zu machen, wäre, indem Frank Sinatra in der Ecke mit den Fingern schnippen und Martha Stewart einen Apfelkuchen backen würde", beschrieb es der britische "Guardian".

Aber Hilfiger sieht genau das als sein Lebenswerk an. "Dieser amerikanische Stil hat einen Coolness-Faktor, der Kulturen auf der ganzen Welt anspricht. Und ich denke von mir gerne, dass ich dazu beigetragen habe, ihn auf der ganzen Welt zu verbreiten."© dpa