Berlin (dpa) - Hekla (4) tapst durchs Atelier und rollt sich auf der braunen Ledercouch zusammen. Der freundliche braune Jagdhund, ein Deutsch Kurzhaar, ist noch müde an diesem grauen Novembermorgen in Berlin.

Hekla schläft sonst bis 10 Uhr, erzählt Besitzerin Ida Bencke (30). Sie will ein Porträt der Hündin zu Weihnachten verschenken. "Ein gutes Geschenk für den Mann, der alles hat." Mit ein bisschen Geduld bringt sie Hekla dazu, fürs Foto zu posieren: "Fräulein, sitz!"

Aus den Fotos wird später ein Porträt. Die Illustratorin und Art-Direktorin Hannah Heffernan (30) hat sich auf Bilder von Haustieren spezialisiert. Sie wirbt mit Zetteln im Supermarkt für "Pet Portraits". Vor zwei Monaten ist sie mit ihrem Mann von Neuseeland nach Berlin gezogen, aus Abenteuerlust. "Wo sonst auf der Welt könnte ich es mit Tierporträts versuchen?", sagt sie. Zusammen mit Kreativen aus Dänemark teilt sie sich ein Büro in Berlin-Neukölln, einer Gegend mit hippen Cafés, Trödelläden und Rotlichtbars.

Ihren ersten Auftrag als Tierzeichnerin bekam sie 2010. Die Modelle waren ein Dackel und ein Terrier, es wurde ein Hochzeitsgeschenk. Hannah Heffernan malt gerne mit Wasserfarben und Bleistift auf Holzfaserplatten - als Beispiel holt sie ein Bild von Hündin Farrah hervor.

Die Bilder sehen anders aus als die kitschigen Ölbilder auf Flohmärkten. Sie wirken eher wie Porträts von Adeligen, was bei Haustieren eine gewisse Ironie hat. "Ich mag den Stil von viktorianischen Büsten", sagt Heffernan, die eine große Tierfreundin ist. Ihr Geschäft läuft gerade an, davon leben kann sie noch nicht. 120 Euro kostet ein Bild, für das die Künstlerin mit acht Arbeitsstunden rechnet.

Einen Markt für Tierzeichnungen gibt es offensichtlich schon länger: Im Internet wimmelt es vor Angeboten. Das Tier in der Kunst hat Tradition. Der Verband für das Deutsche Hundewesen (Dortmund) erklärt das so: "Die Darstellung von Haustieren, und hier insbesondere von Hunden, in der bildenden Kunst geht auf die Anfänge des Menschen zurück - denken Sie an die Höhlenzeichnungen." Aus Preußen-Zeiten kennt man den Alten Fritz mit seinen Windspielen.

Heute gebe es zahlreiche Künstler, die sich auf die Auftragskunst spezialisiert hätten, sagt Verbandssprecher Udo Kopernik. Bei den vielen Formen der Tierliebe hat er keine Bedenken: "Wenn dabei die Bedürfnisse des Hundes nicht unter die Räder geraten, habe ich dagegen nichts einzuwenden."

Jagdhündin Hekla hat sich mit dem Atelier angefreundet. Sie wedelt, als sich das Smartphone der Künstlerin nähert. Hannah Heffernan wird später Skizzen machen, zum Beispiel von den frechen Augen. In Berlin hat sie schnell gemerkt, wie hundeverrückt die Leute sind - obwohl die Menschen in Wohnungen leben, nicht in Häusern mit Garten wie in Neuseeland. "Überall sind Hunde." Das Besondere an den Porträts ist für sie der Gedanke dahinter: Das Haustier wird zur Familie gezählt. Den deutschen Spruch "Das letzte Kind hat Fell" kannte sie noch nicht. Aber sie findet, dass er gut auf ihre neue Heimat passt.© dpa