Berlin (dpa/tmn) - Sie entscheiden maßgeblich darüber, ob man gepflegt oder ungepflegt wirkt: Die Augenbrauen. Sie sollten stets gut gezupft sein. Doch seit einiger Zeit schon geht der Trend zum vermeintlichen Wildwuchs. Gebraucht wird die Pinzette aber auch dafür.

Buschige Augenbrauen sind für den Visagisten René Koch der Ausdruck von Emanzipation und Freiheit. Bis vor kurzem rahmten Frauen noch mit einer filigranen, dezenten Braue ihre Gesichter, alle paar Tage griffen sie zur Pinzette. Auf den Laufstegen war es aber dann zuerst zu sehen: vermeintlicher Wildwuchs. Topmodel Cara Delevingne ist die Vorreiterin des trendigen Looks, der es mittlerweile auf die Straße geschafft hat.

Aber das heißt nicht, dass die Augenbrauen nun nicht mehr gepflegt werden: "Die Augenbraue ist wie ein guter Garten, dem man nicht ansieht, dass jeden Tag ein Gärtner darin arbeitet", sagt Heidemarie Schulz-Brüsewitz vom Bundesverband Deutscher Kosmetiker/innen. Auch der Wildwuchs muss regelmäßig in Form gezupft werden. Schließlich sollen die Brauen nicht zusammenwachsen.

Augenbrauen brauchen Pflege - egal ob sie sehr dünn oder breiter sind.

Hinzu kommt die tägliche Pflege: Je länger die Härchen sind, desto mehr rollen diese sich auch. Petra Kutz-Breimer, Leiterin der Berufsschule für Kosmetik in Nürnberg, rät, die Haare täglich zu bürsten. "Mit Wachs oder Haarlack können die Brauen dann fixiert werden."

Doch nicht jedem steht der wilde Augenbrauenlook. "Es ist wichtig, dass sich die Augenbraue harmonisch rahmend ins Gesicht einfügt", sagt Schulz-Brüsewitz. Sie empfiehlt die buschige Braue erst einmal mit einem Augenbrauenstift einzuzeichnen. So sollte man sich Freunden zeigen oder sie ein Vorher-Nachher-Foto bewerten lassen. Gefällt das Ergebnis, darf die Augenbraue Stück für Stück etwas breiter wachsen. Keineswegs aber bedeutet das, einfach nicht mehr zu zupfen. "Es sollten die Haare weggezupft werden, die nicht in der eingezeichneten Form sind", erklärt Schulz-Brüsewitz.

Ob buschige oder schmale Braue - einige Zupfregeln gibt es bei jeder Form zu beachten: Der höchste Punkt der Braue sollte zwischen dem zweiten und dritten Drittel der Braue liegen. Schulz-Brüsewitz betont: "Zu zwei Dritteln steigt die Augenbraue vom inneren Auge auf, im hinteren Drittel fällt sie wieder ab." Je stärker die Braue ansteigt, desto dramatischer sei der Gesichtsausdruck.

Wer einen Stift in senkrechter Linie an den Nasenflügel und den inneren Augenwinkel hält, findet die optimale Länge der Augenbraue heraus. Ab diesem Punkt sollte die Augenbraue beginnen. Gleiches gilt für das hintere Ende: Stift an Nasenflügel und äußeren Augenwinkel anlegen. Wo Stift und Augenbraue sich dann kreuzen, ist Schluss.

Wer seine dünnen Augenbrauen breiter wachsen lassen will, sollte zuvor mit einem Stift die neuen Konturen anzeichnen und testen, ob ihm der Look steht.

Die Braue sollte in Wuchsrichtung gezupft werden, erklärt Visagist Koch. Wer sichergehen möchte, dass er jedes Härchen erwischt, dem rät er zu einer Leuchtpinzette. Je nach Haarwuchs sollte dann ein- bis zweimal in der Woche nachgezupft werden. Wer vor dem Zupfen die Haut mit einem kalten Teelöffel kühlt, hat weniger Schmerzen. Und eines ist Koch ganz besonders wichtig: "Bitte nicht rasieren!" Die Stoppeln, die nach wenigen Tagen sprießen, sehen nämlich wie fiese Mitesser aus.

Neben der Form ist auch die Farbe entscheidend: "Die Braue sollte nicht ganz die gleiche Farbe wie die Haare haben", erklärt Kutz-Breimer. Besser ist sie ein bis zwei Nuancen dunkler als die Haarfarbe. Unterscheide sich die Farbe der Brauen zu sehr von der Haarfarbe, sehe es allerdings unnatürlich aus.

Nicht bei jeder Frau erfüllt sich der Wunsch nach einer buschigen Braue so einfach. "Es kann teilweise bis zu einem halben Jahr dauern, bis die Haare bei einer dünn gezupften Braue nachwachsen", warnt Schulz-Brüsewitz. Ein Augenbrauenpuder füllt Lücken auf. Aber wer Pech hat, hat die Haarwurzeln rausgezupft. Dann wächst gar nichts mehr nach. Hier rät Visagist Koch zu Permanent-Make-Up. Es hält circa drei bis fünf Jahre, dann verblasst die Farbe.

In drei Sitzungen wird es in Maßarbeit aufgetragen. "Hier sollte man sich unbedingt richtig beraten lassen", betont Koch. Denn ein gutes Permanent-Make-Up ergebe keinen fetten Balken über dem Auge, sondern viele einzelne kleine Härchen in verschieden Farbnuancen. Der Experte rät, davon im Sommer die Finger zu lassen, da die Farbe drei bis vier Wochen brauche, um sich in der Haut festzusetzen. "Die Sonne blasst sie aber schnell aus, das Schwitzen führt zu Hautreizungen."

Wen tätowierte Brauen abschrecken, findet in Apotheken und Parfümerien Wuchsmittel. Außerdem gibt es buschige Augenbrauen zum Aufkleben. Doch davon rät der Visagist ab: "Das ist eher was für die Bühne und sieht extrem künstlich aus."© dpa