Buenos Aires (dpa) – Eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt durchqueren, bei meterhohen Wellen nicht die Kontrolle verlieren und in tropischen Gewässern Moskitoattacken abwehren – das waren nur einige der Hürden für Extrem-Kajakerin Freya Hoffmeister bei ihrer neuen Rekordleistung.

Die 51-Jährige aus Husum in Schleswig-Holstein hat als erster Mensch in einem Kajak Südamerika umrundet. Begleitet von Dutzenden lokalen Kajakern kommt die Abenteurerin am Freitagmittag (Ortszeit) am früheren Dockhafen, dem heutigen Puerto Madero, im argentinischen Buenos Aires an. Dort, wo sie die Umrundung am 30. August 2011 begonnen hatte.

"Ich bin ganz froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben", sagt sie strahlend auf einer anschließenden Pressekonferenz auf dem Museumsschiff "Sarmiento". Rund 27 000 anstrengende Kilometer liegen hinter Hoffmeister und ihrem Kajak. Von Buenos Aires aus paddelte sie die Atlantikküste hinab, um Kap Hoorn herum, im Pazifik in Richtung Norden bis zum Panamakanal, den sie durchquerte, und schließlich an Brasilien und Uruguay vorbei zurück nach Buenos Aires. Rund 50 Kilometer legte sie dabei in 10 Stunden täglich im Kajak zurück.

Vertreter der argentinischen Marine, der deutsche Botschafter und Hunderte Schaulustige empfangen die Abenteurerin mit Jubel. "Das ist eine unvorstellbare Herausforderung, die Frau Hoffmeister angenommen und gemeistert hat", sagt der deutsche Botschafter Bernhard Graf von Waldersee.

Es ist eine Tour, die vor ihr noch niemand gewagt hat. Besonders wegen der gefährlichen Strömungen und Winde am Kap Hoorn in Südchile, das auch als der größte Schiffsfriedhof der Welt gilt. Hier geriet auch die 51-Jährige Ende 2011 in Lebensgefahr durch einen unvorhergesehenen Orkan. "In solchen Momenten tritt man in einen Überlebensmodus ein, da denkt man nicht mehr", sagt sie. "Ich bin zum Glück in einem Stück geblieben, nur das Boot hat ziemlich gelitten."

Auch im Norden des Kontinents warteten mit Moskitoplagen, tropischer Hitze und meterhohen Wellen weitere Hürden auf Hoffmeister. Durchhaltevermögen, Technik und vor allem viel Glück brauche man, um so eine Aktion zu überleben, so die Abenteurerin, die den Großteil der 600 Tage auf dem Wasser allein unterwegs war.

Ganz ohne Unterstützung ging es jedoch nicht: Neben zahlreichen Menschen entlang des Weges, die mit einem Dach über dem Kopf aushalfen, setzte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich dafür ein, dass die Paddlerin die Erlaubnis zur Panamakanal-Durchquerung erhielt.

"Ich bin sehr dankbar für so viel Unterstützung", sagt die Extrem-Sportlerin. Auch von Zuhause: In Husum betreibt sie neben dem Paddelsport zwei Eisdielen, die während ihres Abenteuers reibungslos weiterliefen.

Wohin die nächste Tour gehen soll, verrät die Geschäftsfrau nicht. Sie freue sich erst einmal auf ihren Sohn, der in Husum gerade sein Abitur schreibe, aber auch auf "das gute Schwarzbrot zu Hause". Das Essen, das man beim Paddeln mitnehmen kann, sei auf Dauer ein bisschen langweilig.© dpa