Münster/Helsinki (dpa) - Macht ein Lotto-Gewinn glücklich? Was auf den ersten Blick zusammenhängt, - Geld im Überfluss und das eigene Wohlbefinden - bedarf einer vorsichtigen Annäherung.

"Nach einem Lottogewinn rate ich den Menschen, sich Zeit zu nehmen, sich zurückzulehnen und nichts zu überstürzen. Sinn macht die Beratung durch einen Anlageberater und persönlichen Coach beziehungsweise Mentor", sagt Stephan Lermer. Der Psychologe aus München ist davon überzeugt, dass ein Gewinn von 61,2 Millionen Euro wie jetzt aus dem Eurojackpot jeden Tipper überfordert.

"Der Mensch ist bei seinen Entscheidungen beschränkt auf sein Lebensumfeld. Wer ein Wohnmobil hat, kann sich bei einem Lottogewinn gut vorstellen, ein größeres Fahrzeug anzuschaffen. Bei einer Summe von 500 000 Euro kann sich jeder ausmalen, was das für ihn bedeutet. Da kann man bei seinem eigenen Gehalt ausrechnen, wie viele Jahre das reichen würde. Bei einer Summe von 60 Millionen ist das unmöglich", sagt der 65-jährige Lermer. Die staatliche Lotteriegesellschaft Westlotto in Münster gibt laut Sprecher Axel Weber dem Gewinner des Eurojackpots drei goldene Regeln mit auf den Weg: 1. Jubeln im kleinen Kreis. 2. Professionelle Beratung und 3. Nichts überstürzen!

Das unterstützt Lermer und verweist Konsum als Glücksformel ins Reich der Fabeln. "Das ist die erste dumme Falle, in die die Menschen tappen", sagt der Coach. Der Kauf eines Luxusprodukts mache nur kurzfristig glücklich. Das verpuffe schnell wieder. Auf die Erfolgsformel beim Glück angesprochen, nennt Lermer als Negativ-Beispiel den Kauf von Luxus-Autos: "Wer mit dem teuren Auto jeden Tag im Stau steht, verspürt kein Glücksgefühl mehr." Bei Diskussionen im Internet lassen die Menschen allerdings nicht von der Konsum-Formel ab und schlagen dem Glücksforscher vor, statt des Ferraris doch einen Hubschrauber zu kaufen, um den Stau zu überfliegen. Das lässt er aber nicht gelten. "Das System lebt vom Konsum, deshalb wird uns ständig suggeriert, wie wichtig er ist."

Sein Ratschlag: "Glücklich macht, das Geld in die eigene persönliche Entwicklung oder eine eigene Firma zu investieren. Oder aber bei hohen Geldsummen an andere Menschen zu denken. Geld zu spenden oder in Stiftungen zu investieren, sind die richtigen Alternativen, die glücklich machen." Und wer es doch mal so richtig krachen lassen will, soll das ruhig tun. Vielleicht im Ausland und dort, wo den Gewinner keiner kennt, rät der Experte. Je höher der Jackpot, desto mehr Menschen geben einen Lottoschein ab und streben nach Glück. Während bei einem 10-Millionen-Jackpot im Schnitt acht Millionen Tippreihen abgegeben werden, waren es beim vorletzten Rekord-Jackpot mit 57 Millionen Euro 23 Millionen Tippreihen. Nach Angaben einer Sprecherin von Westlotto verdreifachen sich bei einem solchen Extrem-Jackpot die Tippreihen. Exakte Zahlen der Teilnehmer gibt es aber nicht.

Wer mitspielt, macht übrigens automatisch andere Menschen glücklich. Zumindest in der Theorie. Denn rund 50 Prozent des eingespielten Geldes in Deutschland werden als Gewinn ausgeschüttet. 40 Prozent gehen an caritative, soziale oder gesellschaftlich relevante Einrichtungen und der Rest wird für die Lotto-Verwaltung und den Vertrieb eingesetzt. Die exakten Zahlen variieren je nach Bundesland und Lotteriegesellschaft.

Für Glück kann - außer bei Spielsüchtigen - somit bereits das Ausfüllen eines Tippscheins sorgen oder die Spannung bei der Ziehung. "Wir Menschen brauchen Events, wie Weihnachten oder Ostern. Die Menschen lieben es, morgens über etwas zu sprechen, was am Abend passiert wie eben bei der Ziehung von Lottozahlen", sagt Lermer, der so die Euphorie bei einem hohen Jackpot erklärt. Der Glücksforscher warnt jedoch: "Ein Lottogewinner sollte dem Geld in seinem Leben nicht zu viel Macht geben."© dpa