Als am 11. Februar im Europa Park in Rust die "Miss Germany" 2012 gewählt wurde, war Schauspieler Heiner Lauterbach den langbeinigen Schönheiten näher als viele andere. Schließlich saß der vermeintliche Macho in der Jury, als sich Deutschland die Frage stellte: Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Doch entgegen aller Vermutung hat sich der Lauterbach umgeben von 23 Schönheiten und prominenten Jury-Kollegen gar nicht so wohl gefühlt, wie man es erwarten würde. Im Gespräch verrät der Tausendsassa der deutschen Filmwelt, warum ihm Schönheitsköniginnen etwas unheimlich sind, worauf er bei Frauen zuerst schaut und dass er eigentlich ein ganz braver Kerl ist.

Herr Lauterbach, die neue "Miss Germany" heißt Isabel Gülck und hat ihren Titel mitunter Ihnen zu verdanken. Entspricht das Ergebnis denn Ihrer Wahl?

Kennen Sie sich mit Pferdewetten aus? Ich hatte sozusagen den "Kleinen Einlauf", das heißt, wenn man die Dreierwette macht: Ich habe die ersten drei Gewinnerinnen in der falschen Reihenfolge gewählt, weil mir ziemlich klar war, dass Isabel Gülck gewinnen wird. Ich habe aber Mareen Wehner für den weiteren Aufgabenbereich größere Chancen zugesprochen. Deshalb hatte ich mich für sie als Siegerin entschieden. Meine Aufgabe war es, zu versuchen, eben die Frau zu wählen, die für ihren weiteren Werdegang, also zum Beispiel die Miss World Wahl, die größten Chancen hat.

Auf was haben Sie bei Ihrer Entscheidung denn besonders geachtet?

Auf die Augen. Aber ich weiß, dass die zukünftigen Juroren, die dann auch die Miss World wählen sollen, Schmutzfüße sind, die auch auf Hintern und solche Sachen gucken. Deswegen war ich gezwungen, das auch zu tun.

Welchen Rat würden Sie Isabel für Ihre Amtszeit mit auf den Weg geben?

Was ich ihr mit auf den Weg geben würde? Das hätten Sie Herrn Schenkenberg fragen müssen, der muss mit dem Schönheitsimage leben. Ich ja Gott sei Dank nicht.

Auf was muss die frisch gewählte "Miss Germany" Ihrer Meinung nach denn nun besonders achten?

Ich würde darauf achten, dass ich nicht zu oft über meine Schönheit nachdenke. Denn wenn man das Gefühl hat, dass Menschen neben sich stehen und sich selbst beobachten, dann ist das nicht gut. Das ist auch in meinem Beruf so: Man sieht manchmal Schauspieler, die das tun. Aber ich glaube, das ist auch im Beruf der Schönheitskönigin nicht gut. Man sollte so etwas verdrängen und einfach möglichst natürlich sein. Das ist nicht einfach. Speziell jetzt diese Mädchen sind beispielsweise dazu angehalten, unentwegt zu grinsen - was grauenhaft schwer ist und auch nicht schön sein kann. Aber da geht es schon los: Auf der einen Seite sagt man "seid schön natürlich, gebt euch natürlich, das ist das Beste", und dann habe ich aber hinter der Bühne gehört, wie es hieß "unentwegt Lachen und in die Jury Flirten". Das ist schon unnatürlich. Aber die Kunst liegt wahrscheinlich genau darin, diesen Spagat zu schaffen.

Hat Sie diese Mischung aus "natürlich schön" und "künstlich schön" sehr gestört?

Gestört nicht, da ich weiß, dass die Mädchen dazu angehalten sind, ständig zu lächeln. Dass sie nicht debil sind, dass das ihre Aufgabe ist. Aber sagen wir mal: Wenn ich eine Freundin hätte, die das permanent machen würde, würde mich das schon stören.

Wie schwierig war es denn für Sie, sich dieser "Fleischbeschau" hinzugeben?

Auch wenn man das nicht von mir annimmt: Ich mag das nicht gerne, muss ich sagen. Ich war auch in wilderen Zeiten immer jemand, der – wenn überhaupt – Frauen nur extremst unauffällig hinterher geguckt hat, um eben das Gefühl bei den Damen nicht aufkommen zu lassen, dass man ihnen so hinterher schaut. Denn ich finde das eben nicht schön. Aber das war bei der "Miss Germany"-Wahl auch ein Extremfall. Ich glaube, von den Mädchen ist keine dorthin geprügelt wurde. Die haben das alle freiwillig gemacht, das ist ihr Ding, und deshalb habe ich mir auch gesagt, setze ich mich in die Jury. Ich habe ja versucht, sehr unauffällig zu schauen.

Würden Sie solch einen Jury-Job noch mal annehmen?

Ja. Das hängt natürlich mit mehreren Faktoren zusammen, aber grundsätzlich ja. Es gibt unangenehmere, unmoralischere und auch schlimmere Beschäftigungen als das.

Was ist Ihr nächstes Vorhaben nach der Miss-Wahl?

Als Nächstes kommt im März ein Fernsehfilm, eine Komödie. Dann drehe ich zur Zeit zwei Kinofilme: Einen mit Til Schweiger, "Schutzengel" heißt der, und parallel spiele ich in einem eher düsteren Film einen minimum neunfachen Frauenmörder. Außerdem schneiden wir gerade ein Gangsterdrama, das ich mit produziert und die Hauptrolle gespielt habe.