Berlin (dpa) - 215 Länder hat er gesehen und dabei fast 900 000 Kilometer hinter sich gelassen: Nach 26 Jahren beendet Gunther Holtorf (77) seine Reise um die Welt. Am Mittwoch fuhr er vor dem Brandenburger Tor in Berlin vor - mit seinem treuen Reisegefährten "Otto", einem himmelblauen Geländewagen.

Holtorf startete seine Reise 1989, gemeinsam mit seiner Frau Christine, die inzwischen gestorben ist. Zunächst war nur ein Trip nach Afrika geplant, aber dann bereiste das Paar die ganze Welt. Nur drei afrikanische Länder sowie einige kleine Inselstaaten ließen die beiden aus - da zu unsicher oder nicht mit dem Auto zu bereisen.

In manchen Ländern soll Holtorf der erste Ausländer gewesen sein, der mit dem eigenen Auto einreisen durfte - zum Beispiel in Myanmar. Ganze sechs Jahre dauerten die Vorbereitungen für die Einreise in das südostasiatische Land, das Touristen gegenüber lange sehr verschlossen war. "Pionierfahrten" nennt Holtorf Reisen wie diese.

Er und seine Frau hätten in den vergangenen Jahrzehnten keinen Urlaub gemacht, betont der Weltenbummler. Und fügt stolz hinzu: "Das war eine reine Abenteuertour". Er habe mehrere gefährliche Situationen erlebt. Er sei zum Beispiel einer Hyäne und zwei Elefanten in freier Wildbahn begegnet, erzählt Holtorf. Auf die Frage, wo es ihm am besten gefallen habe, antwortet der Rentner prompt: "Dort, wo keine Menschen waren - in der Wüste, im Hochgebirge und im Urwald".

Holtorfs Geländewagen "Otto", Baujahr 1988, machte während der Reise kein einziges Mal schlapp - auch einen Unfall in Madagaskar überstand das Auto, das bis heute mit dem Original-Motor fährt. Nun aber kehren "Otto" und sein Besitzer zurück nach Oberbayern, an den Chiemsee, wo Holtorf ein Haus hat. "Das Ding ist zu Ende, die Welt ist bereist", sagte der Rentner vor dem Brandenburger Tor. Natürlich sei die Rückkehr mit einer "gewissen Wehmut" verbunden. Aber es bestehe keine Gefahr, dass er in ein Loch falle. Er wolle sich nun anderen Hobbys widmen und zum Beispiel Oldtimer restaurieren.© dpa