Paris (dpa) – Pierre Cardin stellt sich gern großen Herausforderungen. Als "Enfant terrible" revolutionierte er die Mode und vermarktete wie kaum ein anderer seinen Namen.

Verkalkuliert hat sich der geschäftstüchtige Modeschöpfer jedoch mit der Eröffnung seines Museums im Jahr 2006 in Saint-Ouen, einem Vorort im Norden von Paris. Trotz seines weltbekannten Namens zog sein Modetempel nicht genug Besucher an. Nun ist der 92-Jährige mit seinen 200 Haute-Couture-Modellen in eine frühere Fabrik nach Paris gezogen.

Mitten in Paris liegt das Museum, in einer kleinen Straße im trendigen Marais-Viertel. Der Eingang befindet sich im Innenhof einer ehemaligen Krawattenfabrik. "Hier bin ich in bester Lage. Mitten im Herzen von Paris", sagte Cardin der Deutschen Presse-Agentur. Und in bester Gesellschaft: Das Centre Pompidou liegt wenige Meter entfernt, das wiedereröffnete Picasso-Museum nur wenige Straßenzüge weiter.

Cardin hat die Mode revolutioniert – und das will er in seinem Museum auch zeigen. Rechts und links des Eingangs stehen zwei männliche Schaufensterpuppen mit Helm und in Astronauten ähnlichen Anzügen Spalier. Mit seinen futuristischen Weltraumentwürfen stieß er in den 60er Jahren die Ästhetiker vor den Kopf. Später entwarf er als erster großer Modemacher auch Linien für Männer.

Schaufensterpuppen, die alle drei Stockwerke des Museums bevölkern: Sie tragen Cardins geometrisch geschnittene Minikleider mit Schießscheibenmuster und Röcke mit Vinylstreifen. Mit neuen Formen und Materialien ist Cardin zu einem der bahnbrechendsten Designer geworden. Den Futurismus hat er sich als Markenzeichen auserkoren, auch wenn dieser heute einen leichten Retro-Touch hat.

Cardin hat aus seiner Kreativität viel Geld geschlagen. Er entwarf früh schon für verschiedene Kaufhäuser Prêt-à-porter-Kollektionen, vergab in fast alle Länder der Welt Lizenzverträge für fast alles, angefangen von Essbesteck bis hin zu Handtüchern und Uniformen für die chinesische Armee oder Billigsocken in deutschen Kaufhäusern. Sein Ansehen in Haute-Couture-Kreisen hat dadurch Schaden genommen, denn seine Produkte werden nicht mehr als Luxusartikel wahrgenommen.

Sein Imperium schätzt er auf rund eine Milliarde Euro, einschließlich seiner Immobilien, darunter auch das Schloss des Marquis de Sade im südfranzösischen Lacoste. In seinem Pariser Nobel-Restaurant "Maxim’s" unweit der Champs-Elysées hat er im November 2013 eine neue Kollektion vorgestellt, außerhalb der Pariser Haute-Couture-Woche. Er möchte nur noch dann Schauen zeigen, wenn er das Gefühl habe, dass der richtige Zeitpunkt gekommen sei, erklärte er damals.

Mit dem Museum will Cardin der Welt das Erbe eines Modeschöpfers hinterlassen, der bei Null angefangen hat, wie er sagte. Der visionäre Selfmademan hat selbst keine Erben.© dpa