Oldenburg (dpa/tmn) - Fertigfutter kommt bei den Tieren von Tina Messjetz nicht in den Napf. Auf dem Speiseplan ihrer Vierbeiner steht rohes Fleisch.

"Ich vergleiche Barf und Industriefutter gern mit Gemüse und Fast Food - was würden Sie Ihrem Kind geben?", fragt die Ernährungsberaterin aus Oldenburg. Für sie ist Barfen schlicht die artgerechte Ernährung von Fleischfressern. Die Abkürzung steht für "Bones and raw foods", erklärt Stefanie Handl, Tierärztin für Ernährung und Diätetik aus Wien.

Bei dem Ernährungsstil aus den USA, der sich laut der Tierärztin seit den 1990er Jahren auch in Europa verbreitet, geht es also darum, das Futter für Hunde und Katzen möglichst naturnah zu gestalten. In den Napf kommt rohes Fleisch inklusive Innereien, Fell und Knochen. Angereichert wird die Kost mit Gemüse und Obst. "Tabu ist Schweinefleisch, da dieses vom Aujeszky-Virus befallen sein kann", warnt Messjetz. Der könne bei Tieren zum Tod führen.

Und: "Man kann das Futter mit Obst und Gemüse anreichern, muss es aber nicht", erklärt sie. Wichtig ist, dass das Futter alle nötigen Nährstoffe liefert. Barfer bereiten die Nahrung ihrer Vierbeiner in der Regel selbst zu. "Es gibt mittlerweile zahlreiche Barf-Shops", erklärt Messjetz. Wer keinen in der Nähe hat, bestellt im Internet.

Dann wird das Fleisch tiefgefroren geliefert und sei in der Regel von guter Qualität. Auch der Metzger des Vertrauens kann zur Barf-Zentrale werden. "In gut sortieren Futterhäusern kann man auch bereits zusammengestellte Rationen mit Fleisch, Gemüse und Zusätzen kaufen", ergänzt Tina Hölscher von der Aktion Tier.

Ob Barf sein muss oder nicht, darüber streiten die Experten. Befürworter der Rohkost sind der Meinung, ihren Hund so zu ernähren, wie er sich in freier Wildbahn ernähren würde. "Daraus leiten sie ab, dass diese Art optimal ist und Zähne, Fell und Organe gesünder hält", sagt Hölscher. Die Gegner bezweifeln allerdings, dass Haushunde ernährt werden sollten wie ein Wolf. "Sie sind der Ansicht, dass sich ihr Verdauungstrakt durch das Leben in menschlicher Obhut derart verändert hat, dass eine Orientierung an den Fressgewohnheiten der Wölfe nicht angemessen ist."

Auch zahlreiche tierärztliche Vereinigungen und Ernährungswissenschaftler raten von Barf ab, sagt Handl. Es gebe keine nachgewiesenen Vorteile, aber zahlreiche Risiken. So könnten durch das rohe Fleisch Krankheitserreger übertragen werden, auch auf den Menschen. Und falsche Dosierungen könnten zu Nährstoffmangel führen. Dass alle Bestandteile einwandfrei sind, ist daher besonders wichtig beim Barfen.

Außerdem müssen die Zutaten im richtigen Maß verfüttert werden, betont Hölscher. "Barfen ist aufwendiger als das Verabreichen von Fertigfutter." Wer dafür nicht bereit sei, sollte die Finger davon lassen. Haben Halter sich eingelesen, sollten sie laut Hölscher von einem Fachmann eine Rationsberechnung erstellen lassen. Die Fütterungsempfehlung ist abhängig von Alter, Geschlecht, Haltungsform und Rasse des Tiers.

Auch die Kosten werden immer wieder als Argument gegen das Barfen genannt. Messjetz kann das nicht bestätigen: Eine teure Dose Fertigfutter koste 1,99 Euro für 400 Gramm. Im Barf-Shop bekomme man für dasselbe Geld ein Kilo Fleisch. Eine Einschränkung auf bestimmte Rassen gibt es nicht. "Barf ist bei gesunden Hunden jeder Rasse und jeden Alters möglich", sagt Handl.

Aber unterscheidet sich ein gebarfter Hund von anderen? Für Messjetz ist die Antwort eindeutig: Barf-Hunde seien agiler, gesünder und hätten glänzenderes Fell. Zwar sei positiv, dass gebarfte Hunde selten übergewichtig sind, sagt Handl. Doch ansonsten zeichneten sie sich vor allem dadurch aus, dass sie Erreger wie Salmonellen, Campylobakter oder Coli-Bakterien unbemerkt ausscheiden könnten. Auch Hölscher ist nicht überzeugt: "Es gibt keine Studie, die belegt, dass der gebarfte Hund der gesündere ist."

Fest steht: Barfen wird immer beliebter. Der Anteil habe in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt Hölscher. Sie schätzt, dass fünf Prozent der Hundebesitzer ihr Tier so ernähren. Die Zunahme resultiere beispielsweise auch aus wachsenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten. "Besitzer hoffen, mittels Barf die Krankheit in den Griff zu bekommen", sagt sie. Das gelinge nicht immer - aber manchmal.© dpa