Schwieberdingen/Höchstadt (dpa) - Sie gilt als Sportklassiker, als gemütliche Baumwollbuxe für die Couch, in manchen Kreisen sogar als Modetrend: Die Jogginghose. Immer am 21. Januar wird der verpönte Schlabberlook salonfähig.

Zum internationalen Jogginghosentag gehen Anhänger demonstrativ in Jogginghosen zur Arbeit, ins Restaurant oder zu besonderen Schlabber-Partys. Auch mancher Schüler drückt dann in Schlabberhose die Schulbank. Dabei ist die ausgebeulte Sporthose in Schulen selten gern gesehen.

Schulen können den Schlabberlook zwar nicht wirklich verbieten, denn für Schüler gilt das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. "Rechtlich haben sie fast keine Möglichkeit, nur wenn der Schulfrieden gestört oder Unterricht unmöglich gemacht wird oder es gegen die Sitten geht", sagt Gerhard Brand, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).

Aber viele Schulen finden in ihrem Leitbild oder in der Schulkonferenz einen Konsens mit Eltern und Schülern, welche Kleidungsstücke tabu sind. "Die Schule hat natürlich den Auftrag, nicht nur zu bilden, sondern auch zu erziehen", erklärt Brand. "Wenn jemand mit einer Jogginghose zum Bewerbungsgespräch kommt, darf er sich nicht wundern, dass er den Job nicht bekommt." Die Schule sei für manche Jugendliche das einzige Korrektiv.

Eine Schule im schwäbischen Schwieberdingen schaffte es mit ihrer Schulordnung im November in die Schlagzeilen. Die schreibt nämlich eine "angemessene und ordentliche Kleidung" vor - und die Jogginghose gehöre nicht dazu, sagt Schulleiterin Ilse Riedl.

Dabei handelt es sich nicht um ein Verbot: "Wir sind uns mit den Eltern einig, dass die Jogginghose keine angemessene Kleidung zum Lernen ist", ist Riedl überzeugt. Sie will ihren Schülern damit Rüstzeug fürs Leben mitgeben und hält sich an die Worte von Modestar Karl Lagerfeld: "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", sagte der einst über die ausgebeulte Sportkleidung im Alltag. Auch bauchfreie Tops und tiefe Ausschnitte fallen an der Hermann-Butzer-Schule in die Kategorie unerwünscht.

Schon seit mehr als zehn Jahren funktioniere das problemlos, berichtet Riedl. Wer dennoch in Jogginghose in den Unterricht komme, werde zum Umziehen nach Hause geschickt. "Aber wir haben seit Jahren keinen mehr heimgeschickt", sagt sie. Die Schüler hätten gar kein Bedürfnis mehr nach schlabbrigen Hosen. "Es gibt keine Aktionen, keinen Ärger, kein Nichts", sagt sie.

Dabei würde Riedl am Jogginghosentag sogar ein Auge zudrücken in Sachen Schulordnung. "Ich werde das Thema zwar nicht platzieren", sagt sie. "Aber wenn das von meinen Schülern käme - ich habe doch Humor. Dann darf man eben einmal so richtig daneben greifen im Kleiderschrank."

Matthias Geisriegler greift gerne bewusst zur Jogginghose. "Sie ist bequem, mit allen kombinierbar, sie ist zeitlos!", sagt der 22-jährige Österreicher, der den Jogginghosentag 2009 gemeinsam mit Schulfreunden ins Leben gerufen hat. "Prinzipiell finde ich nicht, dass irgendwas gegen Jogginghosen an der Schule spricht. Zumindest einmal im Jahr ist das überhaupt kein Problem." Wohlfühlen sollte man sich, sagt er. Für den Studenten kommt es dabei aber auch immer auf den Zustand der Jogginghose an: "In der Schule sollte es keine kaputte, alte, ungewaschene Jogginghose sein."

An mancher Schule sind sogar bereits Lehrer in die Beulenhose geschlüpft. "Eigentlich haben wir es hier nicht so gern, wenn die Schüler so abgerissen herkommen", meint Herlinde Jäkel, stellvertretende Leiterin der Don-Bosco-Schule in Höchstadt a.d. Aisch. "Wir reden dann mit den Kindern einzeln drüber, dass wir das nicht so schön finden." Bei einer Jogginghosen-Aktion der Schülervertretung Ende 2014 beteiligten sich aber auch Lehrer des sonderpädagogischen Förderzentrums.

Die Kinder und Jugendlichen wetteten damals mit ihren Lehrern: Wenn mehr als die Hälfte der Schüler im Schlabberlook erscheint, fallen die Hausaufgaben für einen Tag unter den Tisch. Ergebnis: Die meisten der 235 Schüler kamen in Jogginghose. "Wir haben das unterstützt. Ich bin Konrektorin und hatte auch eine an", sagt Jäkel und lacht. Immer wieder gebe es solche Aktionstage. Bald gehe es um das Thema Respekt. "Dann geht es mal darum, sich vornehm anzuziehen", kündigt Jäkel an.© dpa