Zur mobilen Ansicht wechseln

06.02.2012, 08:33 Uhr

Geboren, um zu lieben

Strickjacke, Jeans, die Haare leicht gelockt, das Make-up dezent: Auf den ersten Blick wirkt Lizzy Grant wie eine ganz normale junge Frau. Eine, die sich nur zufällig in die Suite eines Luxushotels und auf das riesige rote Samtsofa verirrt hat, auf dem sie jetzt liegt.

Von Erik Brandt-Höge

Doch im Leben der Lizzy Grant ist nichts mehr zufällig. Seit die New Yorkerin im vergangenen Sommer unter dem Künstlernamen Lana Del Rey ihren Song "Video Games" im Internet präsentiert hat, sind ihr die roten Samtsofas sicher. Ihre dramatische Popmusik beherrscht die Hitlisten von Fans und Kritikern weltweit, ihr Bühnenlook der Ghetto-Diva wurde zur Mode. Kurz: Lana Del Rey ist der Star der Stunde. Sie ist die lässige Lolita eines Genres, das sie selbst erfunden hat.

Del Rey wuchs in Lake Placid auf, einem überschaubaren Wintersportort im US-Bundesstaat New York. Mit 15 kam sie auf ein Internat in Connecticut, mit 18 zum Studieren nach New York - die Stadt ihrer Träume. Hier konnte sie neu starten, sich ausprobieren, die City zum Spielplatz machen. Wenn die 25-Jährige von ihrer Wahlheimat erzählt, glänzen ihre Augen. Sie schwärmt von den vielen nächtlichen Spaziergängen durch Manhattan, die sie anfänglich unternommen habe, seiner Architektur und beeindruckenden Eleganz. Doch nicht in Manhattan, sondern in Williamsburg, dem hippen Stadtteil Brooklyns, sollte Del Reys Karriere im Musikgeschäft beginnen.

Bei einer Open-Mic-Night in einer Rock-Bar traute sie sich erstmals auf die Bühne. Nur für ein Lied. Als sie gesungen hatte, wurde es still. Niemand im Raum konnte klatschen, zu berauscht waren alle von dem rau-warmen Klang ihrer Stimme und dem Gefühl, das in ihr lag. "Als ich den Laden verließ, kam mir jemand nach und meinte: Ich will, dass du morgen meine Show eröffnest", erzählt Del Rey von ihren ersten Engagements. "Das habe ich dann gemacht, und danach kam wieder jemand, der sagte: Ich will, dass du morgen für mich spielst! So ging es immer weiter, so fing alles an."

Del Rey arbeitete fortan noch gezielter an den eigenen Songs, die sie bewusst autobiografisch und immer wieder über die Liebe schrieb, ihre bis heute größte Muse und freilich auch Inspiration für "Video Games", das sie zusammen mit einem retro-romantischen Super-8-Filmchen auf YouTube stellte. "Ich schwärme so sehr für die Liebe, weil sie mich so viel glücklicher gemacht hat, als ich es lange Zeit war", sagt sie. "Lange hatte ich mich immer gleich gefühlt, und dann bekam ich plötzlich eine Ahnung davon, was es heißt, glücklich zu sein. Ich hatte neue Hoffnung." Und mit "Video Games" einen ersten Welthit.

Von nun an ging es schnell. Der Aufmerksamkeit im Netz folgten Auftritte in den großen Shows Amerikas und weiteren rund um den Globus. Online, im Radio und Fernsehen zog der Hype immer größere Kreise und erreicht mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums jetzt seinen Höhepunkt. Auf "Born To Die" bleibt Grant ihrem selbst kreierten Stil treu. Sie vereint Glamour und Ghetto, Schein und Verdorbenheit. In den opulenten Arrangements inszeniert sie sich als verruchte Diva und bettet ihren Weltschmerz in breite Streichersektionen, ohne dabei ihren Hang zum HipHop zu verbergen. Nicht selten klingt das, als hätten Frank Sinatra und Kanye West gemeinsame Sache gemacht.

Textlich in ähnlich großer Pose, sehnt sich Grant auf dem Album nach mehr Wahrhaftigkeit und Hingabe. Für echte Liebe gibt und verzeiht sie alles, und nur mit dieser Attitüde gelingen ihr Liebeshymnen wie "Blue Jeans", in der ihr Herz zerrissen und doch immer weiter für den einen pochen wird: "Als ich mit der Person aus 'Blue Jeans' zusammen kam, lebten wir beide sehr ähnlich. Sehr gesund und sehr sauber, wir waren beide sehr geradeaus. Irgendwann veränderte er sich dann, kam in Schwierigkeiten, ich konnte nicht mehr mit ihm zusammen sein." Er ging, aber das Gefühl für ihn blieb. Keine untypische Geschichte für eine junge Frau wie Grant. Aber eine, die man in dieser Form, mit dieser Leidenschaft und verzweifelten Sehnsucht bisher selten gehört hat. Grants Erfolgsgeheimnis ist ihr Gefühl.

Dass dieses Gefühl Widerhall findet, zeigt ein Blick in die Charts und auf die Titelseiten von Musik- wie auch Hochglanzmagazinen. Generationenübergreifend wird sie schon als Ikone gefeiert. Ein Ruhm, den ihr Label ihr gar als Berufung bescheinigt. Dabei ist ihr all der Rummel nur zweitrangig: "Ich bin nicht daran interessiert, ein Star zu sein. Ich teile mein Leben mit meiner Familie und meinen Freunden, und ich glaube, es ist nicht richtig, wenn jemand auch nur versucht, wichtiger als andere Menschen zu sein."

Auch während des Interviews wirkt nicht sie selbst, sondern nur ihre Umgebung wie die eines Superstars. Lana Del Rey hingegen liegt weiter auf dem Luxussofa und wundert sich über die Welt. So wie sich nur eine ganz normale junge Frau mit einem Allerweltsnamen wie Lizzy Grant darüber wundern kann.

© teleschau - der mediendienst GmbH

0 Sterne - basierend auf 0 Bewertungen
Zur Übersicht: Unterhaltung

11 Meinungen zu "Star der Stunde: Lana Del Rey "

  • WerWeissWasWird
    Freitag, 10.02.2012, 11:57 Uhr
    Ich mag ihre Musik sehr. Da kann man die Seele baumeln lassen. Ihre Stimme ist erste Sahne und die Musik wunderschön.
  • gaststar
    Dienstag, 07.02.2012, 07:55 Uhr
    zurücklehnen und geniessen
  • DanielJanzen
    Montag, 06.02.2012, 15:28 Uhr
    ....Und sieht einfach nur unheimlich gut aus!!!!!!!!!
  • traktorensteff
    Montag, 06.02.2012, 14:42 Uhr
    Ich habe mich auch schon gefragt, warum wir jetzt von der nächsten "Sängerin" genervt werden. Ich habe das Lied jetzt auf Youtube angeschaut. OK, zum Entspannen sicher nicht schlecht. Aber ist es so etwas Besonderes? Das einzige, was ich weiß, sie hat eine Tschick (österreichisch für "Zigarrette") im Mund, das nächste tolle Vorbild... jaaa, sooo cooool...
  • lenaisabel
    Montag, 06.02.2012, 14:34 Uhr
    Auf dem Simfy-Player kann man sich die aktuellen Neuerscheinungen anhören. Ich habe mir dort auch das Album von Lana Del Rey angehört. "Video Games" ist echt der beste Song der CD, wobei der auch nur durchschnittlich ist. Die Musik wird einfach nur überbewertet, dann höre ich lieber Adelé oder ..... !!!!
  • Pawlitzky
    Montag, 06.02.2012, 14:23 Uhr
    Coller Style, coole Mukke - und eine Stimme wie von anderm Stern :)
  • Toxotes
    Montag, 06.02.2012, 13:26 Uhr
    Echt toll und einfach nur Super! Trotz oder vielleicht gerade wegen, des nur einen wirklich bekannten Songs. Seit den Schattenspielern beim Supertalent, finde ich diesen Song klasse. Ich denke und hoffe, dass da noch mehr kommt.
Services
Partnerangebote
Platten der Woche

Die besten Musik-Neuerscheinungen!

Beantworten Sie einige Fragen zu unserer Webseite. Ihre Meinung ist uns wichtig! >

Sarah Kuttner

Rassismusvorwurf: Sarah Kuttner wehrt sich gegen medialen "Shitstorm". >

Jan Delay

Jan Delay kritisiert die Kulturpolitik seiner Heimatstadt scharf. >

top.de

In der Hochzeitsnacht ließ Bushido seine Anna-Maria allein zurück. >


Internet Made in Germany Ihr WEB.de-Postfach ist grün Web.de unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Star der Stunde: Lana Del Rey. Medienhype und Presserummel sind ihr - angeblich - trotzdem egal.