Zur mobilen Ansicht wechseln

02.02.2013, 10:06 Uhr

"Heutzutage hat keiner mehr Eier in der Hose"

Heino ist Kult. Das steht außer Frage. Der blonde Sänger mit der ikonischen Sonnenbrille und der Baritonstimme ist der bekannteste Volkssänger Deutschlands. Dennoch: Erst jetzt, mit 74 Jahren, schickt sich Heino an, sein erstes Nummer-eins-Album überhaupt landen zu können. Der Grund ist so einfach wie genial. Heino singt auf "Mit freundlichen Grüßen" keine volkstümlichen Lieder, sondern covert ausschließlich Pop- und Rocksongs neueren Datums - von Bands wie Rammstein, Die Ärzte und Die Fantastischen Vier. Eine große deutsche Boulevardzeitung erklärte daraufhin einen "Rockerkrieg" zwischen dem bebrillten Barden und den genannten Künstlern. Dass das Album im Untertitel noch als "Das verbotene Album" deklariert wird, macht die Sache natürlich noch provokanter. Grund genug, mit Heino über den aktuellen Stand der Dinge zu sprechen.

VonBen Hiltrop

Alternder Star covert moderne Hits - Heino, sind Sie jetzt der deutsche Johnny Cash?

Heino: Das würde ich nicht von mir behaupten. Johnny Cash war einer der ganz Großen. Ob ich das auch bin, wird sich noch zeigen. Mit der neuen Platte bin ich aber auf dem Weg dorthin.

Nach welchen Kriterien wählten Sie die Songs aus?

Ich wurde immer wieder von jungen Leuten angesprochen, die mich ermutigten, doch mal etwas Rockiges zu versuchen. 1988 nahm ich "Blau blüht der Enzian" in einer Rapversion auf und konnte wertvolle Erfahrungen in Richtung modernere Songs sammeln. Ich setzte mich dann mit meinem musikalischen Team zusammen und hörte mich in die Materie ein. Es waren einfach wunderschöne Melodien und Rhythmen dabei. Auch einzelne Strophen waren großartig und inspirierten mich, das Album aufzunehmen.

Welche Textzeile gefiel Ihnen besonders?

Nehmen wir als Beispiel "Junge" von den Ärzten, die da singen: "Junge, brich Deiner Mutter nicht das Herz". Das erinnerte mich an Freddy Quinns "Junge, komm bald wieder", was von der Art her fast identisch ist. Die Ärzte besitzen großes Talent für volkstümliche Texte, und das gefällt mir außerordentlich gut.

Aber "Junge" persifliert doch gerade das Spießbürgertum ...

Heino "Mit freundlichen Grüßen"

Heino führt wegen seines Albums einen "Rockerkrieg". Alleine. >

Die Ärzte meinten das sicher ironisch, aber ich nicht. Ich ging mit voller Überzeugung an den Song und an den Text heran. Meine Fans, die mich schon jahrelang begleiten, wurden auch schon immer belächelt: "Was, Du bist Heino-Fan? Da musst Du ja schon alt sein!". Solche Sprüche wurden denen immer um die Ohren gehauen. Die freuen sich jetzt darüber, dass ich auch neuere Lieder interpretiere, den Spieß sozusagen umdrehe. Es bereitet mir auch keine Kopfschmerzen, solche Texte zu singen, da sie auch nicht sonderlich schwer zu intonieren sind. Das sind keine musikalischen Herausforderungen. Den "Enzian" zu singen, Bach, Schubert, Tschaikowsky: Das sind Herausforderungen.

Wen wollen Sie mit dem Cover-Album erreichen?

In erster Linie meine alten Fans, da die stolz auf mich sind. Aber auch die Resonanz des jüngeren Publikums ist bis jetzt gewaltig. Letztens kamen mir am Flughafen zwei jüngere Ärzte-Fans entgegen, die mich sofort auf "Junge" ansprachen und mir sagten, dass Ihnen meine Version besser gefällt als das Original. Das sind Komplimente, die mir richtig gut tun, und die nehme ich auch ernst. Ich bin der Überzeugung, dass viele Leute, die mich bis jetzt immer belächelten und mir unterstellten, dass ich nichts anderes außer Volksmusik kann, mich nun mit ganz anderen Augen sehen.

Auf die Komplimente von einer der momentan erfolgreichsten Bands, Unheilig, verzichten Sie. Dabei hätte man sich deren Hits gut in einer Heino-Version vorstellen können ...

Der Unheilig-Sänger kann sehr schön singen und hat eine tolle Stimme, aber die Band an sich ist noch sehr frisch. Meine Idee war es, keine neuen Lieder aufzunehmen, sondern etwas ältere Songs. Als ich mich umhörte, welche Interpreten auf Partys gespielt werden, fielen immer die gleichen Namen: Nena, Westernhagen, meine Songs. Natürlich auch Unheilig, aber da lasse ich mir noch Zeit, die spare ich mir für ein nächstes Album auf.

Wie viel volkstümliche Musik steckt in den ausgewählten Songs?

Sehr viel. Die ursprünglichen Lieder wurden auch mit den entsprechenden Melodien versehen, die das ganze volkstümlich machen. Überlegen Sie mal: Wir haben nur 26 Buchstaben im Alphabet und zwölf Töne auf der Tonleiter, und dennoch lässt sich sehr viel daraus machen.

Eine Tageszeitung schrieb, dass Sie der "Rächer der Verhöhnten" wären …

Ich will mich doch nicht rächen! (lacht) Ich möchte Musik machen und Freude bereiten.

Dennoch trägt das Album den Untertitel "Das verbotene Album", der von Ihnen doch als Provokation gedacht sein muss.

Ja, das stimmt. Das liegt auch daran, dass viele Musiker sich über mich auskotzten. Alle taten das. Die gecoverten Songs darf ich ohne Weiteres singen, Werbung durfte ich mit denen nicht machen. Als wir anfragten, haben sich alle verbal übergeben. Ist doch logisch: Das ist dann der Neid. Die sprechen immer von Toleranz, aber im Grunde genommen hatte die keiner mir gegenüber. In den USA ist es üblich, dass man Lieder covert. Was ist mit Elvis Presley? Der lebte davon, der hatte in seinem Leben vielleicht zwei eigene Nummern, der Rest waren Coversongs. Und damit wurde er der größte Pop-Sänger der Welt.

Ist die mangelnde Toleranz Ihnen gegenüber ein Grund, warum Sie im Booklet von "Mit freundlichen Grüßen" allen beteiligten Musikern der Platte danken, außer den Bands, die Sie gecovert haben?

Sehen Sie, die Musikerszene in Deutschland ist relativ klein, jeder kennt irgendwie immer jeden. Auf dem Album spielten auch Künstler mit, die schon mit einigen der interpretierten Bands zusammenspielten. Und deswegen wusste ich während den Aufnahmen auch schon, dass die Gruppen sich über mein Vorhaben zum Teil tierisch aufregten. Aber: Die dürfen, rechtlich gesehen, nicht mehr zurückrudern. Heutzutage hat keiner mehr Eier in der Hose, wie man in der Rockszene so schön sagt.

Könnten Sie sich vorstellen, mit den neuen Songs auf einem Rock-Festival aufzutreten?

Ich könnte mir das durchaus vorstellen, in eine neue und junge Szene einzutauchen. Mein erstes Lied, das ich damals sang, "Jenseits des Tales", war schon ein jugendliches Lied. Die Songs, die ich damals sang, setzten sich mit dem damaligen System auseinander, es waren Revolutionslieder aus einer anderen Zeit. Das waren aufsässige Lieder, das waren die Rocker der damaligen Zeit, das darf man nicht vergessen.

© teleschau - der mediendienst GmbH

Alle News vom: 2. Februar 2013 Zur Übersicht: Unterhaltung

13 Meinungen zu ""Keiner hat Eier in der Hose""

  • streunkater
    Mittwoch, 13.02.2013, 13:02 Uhr
    Also, ich höre ausschließlich MUSIK, also Powermetal, Zappa, Mike Patton, Captain Beefheart, Final Virus etc, Heino war nie ein Thema. ABER: was der Mann hier mit seinem letzten Album abgeliefert hat, sucht seinesgleichen und wird Musikgeschichte schreiben - einfach genial. Super Musiker, super produziert, da waren Könner am Werk, durchgehend ein gutes Album ohne Schwächen. Und jedem der Musiker(innen), die jetzt gegen den Mann lospupsen, empfehle ich dringend mit der Spitze ihrer Zeigefinger die Spannkraft ihrer Schließmuskel zu überprüfen!!! Sie sind leider nichts weiter als dämliche Ignoranten... Ich freue mich schon auf "Mit freundlichen Grüßen Teil 2"
  • streunkater
    Mittwoch, 13.02.2013, 12:59 Uhr
    Also, ich höre ausschließlich MUSIK, also Powermetal, Zappa, Mike Patton, Captain Beefheart, Final Virus etc, Heino war nie ein Thema. ABER: was der Mann hier mit seinem letzten Album abgeliefert hat, sucht seinesgleichen und wird Musikgeschichte schreiben - einfach genial. Super Musiker, super produziert, da waren Könner am Werk, durchgehend ein gutes Album ohne Schwächen. Und jedem der Musiker(innen), die jetzt gegen den Mann lospupsen, empfehle ich dringend mit der Spitze ihrer Zeigefinger die Spannkraft ihrer Schließmuskel zu überprüfen!!! Sie sind leider nichts weiter als dämliche Ignoranten... Ich freue mich schon auf "Mit freundlichen Grüßen Teil 2"
  • DirkS
    Dienstag, 12.02.2013, 16:13 Uhr
    @Amadeo62: die erste vernünftige Meinung zu diesem Artikel!!! Ich finde auch, dass Heino hier einen echt guten Job macht. Auch sein Auftritt neulich bei Raab war richtig lässig. Heino ist ein alter Hase in dem Geschäft und wurde jahrzehntelang verhöhnt und verspottet. Das hat er alles über sich ergehen lassen - nebst den schweren Schicksalsschlägen, die er verarbeiten musste (der Tot seiner Tochter). Nun landet er den großen Wurf im Musikbusiness und ich gönne es ihm mehr als manch anderem in diesem Geschäft, die auf einen Thron gesetzt werden und man sich fragt: wieso?! Also Leute, gönnt ihm einfach den Erfolg. Verdient hat er es!
  • Amadeo62
    Dienstag, 12.02.2013, 15:42 Uhr
    Dass sich die von Heino gecoverten Bands so über ihn aufregen, finde ich extrem uncool. Ich bin weit davon entfernt Heino Fan zu sein, ich stehe auf Hard Rock und Heavy Metal, aber was der "Barde" da getan hat, ist zu repektieren. Es ist faszinierend, wie der haargenau - gleiche Text, gesungen von den Ärzten, als ätzendste, sarkastischste Kritik rüberkommt, und von Heino gesungen, als ernsthafte elterliche Sorge! Da kann man mal sehen, was die "Ausstrahlung" eines Musikers doch für einen Einfluß hat! Heino hat das Recht so etwas zu singen, der Typ ist sympathisch, und hat einen Standpunkt. Der absolute Hammer wäre allerdings, wenn er ein Hard Rock Album machen würde! Ich muss mit dem Mann mal reden...;))
  • NeueMeinung
    Dienstag, 12.02.2013, 13:19 Uhr
    Laßt es nun mal gut sein, jetzt hat er seine Rente rein. Mit "eigener" Musik hat er dies nie geschaft. Dies nennt man Gernerationenvertrag !!! Übrigens Dieter Bohlen finden diese Plattenkäufer auch gut. Um es mit Westernhagen zu sagen... der Mensch ist leider nicht naiv,sondern primitiv.... Und wenn sich diese deutschen Top-Bands über jeden Musiker äußern sollen der ihre Musik covert..... ich sag nur wem`s gefäällt -----??????????????????
  • Fakt3000
    Dienstag, 12.02.2013, 12:55 Uhr
    Ich bin zwar keine Heino-Fan habe aber Respekt vor seinem Mut und seiner Leistung mit Ü70. Das muß ihm erst einmal einer nachmachen. Ganz zu schweigen von den sogenannten Sängern die nur mit einem Wortgestammel daherplubbern und nur durch riesige Werbekampagnen gepusht werden.
  • PatriotderBRD
    Dienstag, 05.02.2013, 13:57 Uhr
    "..und jetzt inertessiert sich niemand dafür...": Nunja, Niemand ist leicht untertrieben: Es ist das erfolgreichste Heino-Album aller zeiten und ein Platz1-Album.
Partnerangebote
Platten der Woche
Beatrice Egli - Glücksgefühle

Die besten Musik-Neuerscheinungen!

Beantworten Sie einige Fragen zu unserer Webseite. Ihre Meinung ist uns wichtig! >

VIP Daily Brad PittVideo

Der Star war vor seiner Beziehung mit Jolie ziemlich am Boden. >

top.de

Bei einem Besuch auf Korsika wirkt das Fürstenpaar äußerst angespannt. >

Exclusive

Exclusive in London: Fünf Münchner Newcomer rocken CL-Finale. >


Internet Made in GermanyWEB.DE 2013 - Marke des JahrhundertsIhr WEB.de-Postfach ist grünWeb.de unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: "Keiner hat Eier in der Hose". Heino spricht im Interview über sein "verbotenes Album".