In ihren eigenen Songs schlägt die Singer-/Songwriterin sehr eigenwillige Töne an. Gleich im Opener "When We Were Five" strapaziert sie jede Erwartungshaltung, kitzelt mit einem beinahe teilnahmslos geträllerten Lied böse die Ohren der Hörer, während im Hintergrund penetrant anhaltende Orgeltöne eine klaustrophobische Atmosphäre beschwören. Dann plötzlich totaler Stimmungswechsel. In der Mitte des Songs löst sich das zu Beginn so düster vor sich hin wabernde Lied in einer jazzig angehauchten Elektropop-Sinfonie auf, wie man sie von den französischen Soundtüftlern Air kennt. Dann ist die Welt wieder heil. Das versichert auch der folgende Song "Daffodils". Wie ein Spaziergang durchs sonnenbeschienene Narzissenfeld mutet der leichtfüßige Song, einem Zusammenspiel aus Charlene Soraias glasklarer Stimme, Akustikgitarre und Holzbläsern, an.
Die Grundstimmung der Lieder ist jedoch eher getragen. Auch wenn das Schlagzeug hin und wieder einen beschwingten Rhythmus vorgibt, decken Cellos mit ihren tiefen Tönen jede aufkeimende Fröhlichkeit wieder sanft zu. An Joan As a Police Woman, wahrlich auch kein Star der Massen, erinnert der vorletzte Song "Almost Stole A Book". "Zeit ist nichts für die Müden. Lasst uns schlafen, wenn wir tot sind", singt Charlene Soraia da. Zu sagen hat sie also auch etwas. Und wer Klangexperimente, in Ton umgewandelte Stimmungen und eigensinnige Melodiosität schätzt, der wird jede von Charlenes Geschichten mit Begeisterung aufnehmen. Bis auf den letzten Song vielleicht. Denn ihr Sprungbrett "Wherever You Will Go" passt so gar nicht in die Playlist von "Moonchild".
Bewertung: überzeugend
Charlene Soraia
| Titel: | "Moonchild" |
|---|---|
| Label: | Peacefrog |
| Vertrieb: | Rough Trade |
| Erscheinungstermin: | 17.02.2012 |
| EAN-Code: | 5060100743295 |
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