(jwo) - Wenn sich Rocker bekriegen, ist das eine Meldung wert. Wenn darin auch noch der harmlose Volksmusik-Barde Heino verwickelt sein soll, wird das zum Skandal – aber nur vermeintlich. Denn bei dem in den Medien hochstilisierten "Rockerkrieg" zwischen Heino und Bands wie Die Ärzte oder Rammstein geht es wahrscheinlich nur um PR.

"Rockerkrieg gegen Heino!", titelte die Boulevardzeitung "Bild" am Donnerstag. Grund des vermeintlichen Konflikts ist Heinos neues Album, das am 1. Februar erscheinen soll. Darauf interpretiert der 74-Jährige Songs wie "Junge" von den Ärzten oder "Sonne" von Rammstein in seiner gewohnt volkstümlichen Manier. Um Erlaubnis hat er die Urheber nicht gefragt, weshalb die betroffenen Deutschrocker nun auf die Barrikaden gehen und sogar klagen wollen, behauptet "Bild.de". "Wir könnten kotzen", so die angebliche Reaktion von Rammstein.

Rammstein hat nichts gegen Heinos Album

Doch einen "Krieg" kann man das Schauspiel wahrlich nicht nennen, denn dafür müsste der Konflikt zwischen mindestens zwei Parteien bestehen – und danach sieht es nicht aus. "Ich lasse mir von niemandem das Singen verbieten", wird Heino zwar von "Bild.de" zitiert, doch gegen wen er sich verteidigen muss, wird dabei nicht ganz klar. Auf der anderen Seite mangelt es nämlich an erbosten Statements. Ganz im Gegenteil: auf ihrer Facebook-Seite lassen die Musiker von Rammstein verlauten: "Rammstein haben mit Befremden die heutige Berichterstattung der Bild-Zeitung zur Kenntnis genommen, die Band befände sich in einer Auseinandersetzung mit Heino zu seiner Coverversion des Rammstein-Titels 'Sonne'. Das ist nicht der Fall. Rammstein hat sich hierzu nicht geäußert."

Auch die Berliner Plattenfirma von Die Ärzte, Hot Action Records, dementierte nach Informationen von "Focus.de", dass es innerhalb der Band Aufregung über Heinos Version von "Junge" gab. Überlegungen, rechtlich gegen die Veröffentlichung des dazugehörigen Videos vorzugehen, gebe es ebenfalls nicht. Auch von den übrigen "Kriegsbeteiligten", wie Peter Fox oder den Sportfreunden Stiller, gibt es keine Äußerungen oder gar Beschimpfungen gegen Heinos neuestes Werk.

Dafür hat sich inzwischen Rapper Sido bei Twitter zu Wort gemeldet, der wohl auch gerne auf dem Album gelandet wäre: "Ich freu mich schon auf Heinos Version von "Augen auf"" - das gleichnamige Lied auf Heinos Album ist aber ein Cover der "Oomph!"-Version und nicht von Sidos Saga von Jenny und Justin.

Heinos "verbotenes Album"

Nicht nur der fehlende Gegenwind auf Seiten der "empörten" Bands, auch das Plattencover lässt vermuten, dass es sich bei diesem "Rockerkrieg" um eine ausgefuchste PR-Strategie handelt. Darauf sind nicht nur der Volksmusik-Star selbst und der Albumtitel "Mit freundlichen Grüßen" zu sehen, sondern auch ein Banner mit der Aufschrift "Das verbotene Album".

Tatsächlich ist an diesem Album, das bereits im Oktober 2012 angekündigt wurde, gar nichts verboten. Zwar mag der Volksmusiker Rammstein und Co. nicht um Erlaubnis gefragt haben, doch für das Covern von Songs braucht er ohnehin keine Genehmigung der Urheber - sofern er Komposition und Text des Originals nicht verändert, den Urheber nennt und bei der GEMA registriert ist. Das dürfte dem Branchen-Urgestein bekannt sein - und seiner Plattenfirma Sony Music höchstwahrscheinlich auch.

Der Aufdruck "Das verbotene Album" ist also wahrscheinlich kein Warnhinweis für potenzielle Käufer, sondern soll wohl vielmehr zum Kauf anregen. Denn bekanntlich üben gerade verbotene Dinge einen besonderen Reiz aus – das dürfte sogar der harmlose Heino wissen.