"Hotel California"? Ja, richtig gelesen. Für sein mittlerweile drittes Studioalbum wählte Rapper Tyga tatsächlich den Titel des ewigen Eagles-Klassikers. Aber das Zeug zum Meilenstein hat das Album leider nicht. Ohnehin dürfte diese Veröffentlichung nur für Anhänger des Lil'-Wayne-Zöglings ein freudiges Ereignis sein.

Warum? Nun, man könnte es sich jetzt leicht machen und sagen, dass der 23-jährige Tyga nur ein weiterer, von Kopf bis Fuß tätowierter Mittelmaß-Rapper und "Hotel California" nur ein weiteres mittelmäßiges Album im Sound-Gewand der Gegenwart ist. Dass der junge Kalifornier über weite Strecken seines neuen Longplayers sehr uninspiriert und wenig ambitioniert wirkt. Dass sein Flow und seine Stimme mitunter stark langweilen und auch thematisch hier eher eindimensional gearbeitet wird und dass auch die Produktionen auf "Hotel California" keine wirklich großen Überraschungen bereit halten.

Auch wenn hier und da kleine Spielereien geboten werden: Wie etwa das Sample aus dem Dr. Dre-Klassiker "Deep Cover", das für die Single "Dope" verwendet wurde. Oder der Song "It Neva Rains", in dem der allseits bekannte Ohrwurm-Chorus "It Never Rains (In Southern California)" durch die Talk-Box gejagt wurde. Aber einen richtigen Hit, wie etwa das mächtige "Rack City", Tygas Hymne aus dem Jahr 2011, sucht man hier vergebens. Überhaupt werden die Akzente dieser Platte primär von den Feature-Gästen gesetzt - an dieser Stelle wurde auch definitiv nicht gegeizt: Neben Label-Boss Lil' Wayne höchstpersönlich haben auch Schwergewichte wie Rick Ross, Pittsburgh-Stoner Wiz Khalifa, der New Yorker Jadakiss, der aktuell omnipräsente 2Chainz, sowie Westküsten-Sprachrohr Game allesamt solide Beiträge abgeliefert. Über das Mittelmaß des gesamten Albums können sie jedoch nicht hinweghelfen.

Und auch wenn Vergleiche natürlich hinken: Man sollte sich, sofern man wie Tyga derart frei und offen damit kokettiert, in der Nachfolge von Westcoast-Veteranen wie Dr. Dre, 2Pac und Snoop Dogg zu stehen, zumindest mit der Konkurrenz aus der eigenen Generation messen können. In Tygas Fall wären das der allseits gefeierte Kritikerliebling und gegenwärtige Heilsbringer der Westküste, Kendrick Lamar, oder auch der kontroverse und bisweilen schwer einzuordnende Tyler, The Creator und sein Odd Future-Gefolge. Aber Fehlanzeige.

Vielleicht macht man es sich mit dieser Einschätzung aber tatsächlich auch zu einfach und tut dem jungen Rapper unrecht. Womöglich begreift Tyga sich selbst schlicht und ergreifend als Gegenentwurf zu dem, was seine Kollegen machen und positioniert sich nur dementsprechend. Wie man nun allerdings das Gegenteil von herausragend, genial, atmosphärisch, innovativ, charismatisch, eigen und anspruchsvoll definiert, sei an dieser Stelle jedem Hörer selbst überlassen.

Bewertung: akzeptabel

Tyga
Titel:"Hotel California"
Label:Republic - UID
Vertrieb:Universal
Erscheinungstermin:19.04.2013
EAN-Code:0602537330218

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