Vom neureichen Spießer zurück zum Skandalrapper: Warum Bushido sein hart erarbeitetes Saubermann-Image ruiniert hat.

Nummer-eins-Alben mit eigenem Label, ein Kinofilm produziert von Bernd Eichinger und häusliches Familienglück im Berliner Nobelviertel Lichterfelde. So sah es 2011 im Leben von Anis Mohamed Youssef Ferchichi aus. Der ehemals harte Gangsta-Rapper mit dem Künstlernamen Bushido war in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Er sang plötzlich mit Schlagerstar Karel Gott, saß als Gast in Talksendungen wie "Markus Lanz" und absolvierte ein Praktikum im Bundestag. Höhepunkt war die – wenngleich hoch umstrittene – Auszeichnung mit dem Bambi-Integrationspreis.

Damit lebte er den Traum zahlreicher US-HipHop-Kollegen: Stars wie 50 Cent und Jay-Z entstammen den New Yorker Ghettos und sind heute nicht nur als Rapper, sondern auch als Schauspieler oder Unternehmer fester Bestandteil des kulturellen Mainstreams der USA – und fühlen sich in ihrer neuen Establishment-Rolle wohl.

Nur der deutsche Rapper Bushido scheint sich, wie der jüngste Skandal um den Song "Stress ohne Grund" zeigt, nicht vom Ghetto lösen zu können. "Bushido muss sich immer wieder seiner Fan-Basis versichern", erklärt der Kultursoziologe Marc Dietrich von der Universität Mannheim im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Sein Publikum muss bedient werden." In Deutschland bestehe bei den Fans noch immer der Anspruch, dass zu den Gangsta-Lyrics auch ein Gangsta-Lifestyle passen müsse, sagt Dietrich. Wer über das Straßenleben rappt, der müsse eine biografische Fundierung im Milieu haben oder zumindest als glaubwürdiger Augenzeuge bestechen.

Gewiefter PR-Stratege und Geschäftsmann

Diese Fundierung im Milieu hatte sich Bushido auch in seiner Zeit als Geläuterter stets gewahrt, wie die Schlagzeilen aus dem Frühjahr 2013 zeigten. Medien berichteten, Bushido habe eine Generalvollmacht an einen Freund ausgestellt, dem Verbindungen in kriminelle Kreise nachgesagt werden. Im Mai hatten Fahnder Wohn- und Geschäftsräume des Musikers wegen des Verdachts einer Steuerstraftat durchsucht.

In einer Hinsicht ist sich Bushido trotz seiner anscheinenden Imagewechsel jedoch stets treu geblieben: Er bringt sich ins Gespräch – ob mit positiven oder negativen Schlagzeilen – und profitiert als Geschäftsmann auch hinter den Kulissen von der medialen Aufmerksamkeit. So findet sich der aktuelle Skandalsong "Stress ohne Grund" bisher zwar nicht auf einem Bushido-Album; der Rapper ist damit nur als Gast auf dem Album "NWA" von Shindy vertreten. Der Longplayer erschien am Freitag jedoch auf Bushidos eigenem Label ersguterjunge. Und das ist mit dem mächtigen Musikriesen Sony Music als Partner alles andere als ein Ein-Mann-Label. (cgs/dpa)

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