(tma) - Kesha's Song "Die Young" war gerade dabei, die Charts-Spitze zu erklimmen. Bis auf Platz drei schaffte es der Track, dann wurde dem Charterfolg ein jähes Ende gesetzt. Nach dem Amoklauf an der US-Grundschule Newtown wird der Song jetzt nicht mehr im Radio gespielt, aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen.

Zwar hätte niemand vorhersehen können, dass sich dieses Unglück kurz nach der Veröffentlichung der Single ereignet, aber unpassend erscheinen Text und Titel in diesem Zusammenhang trotzdem.

Zu bitter stößt es auf, wenn Kesha singt: "Lass uns das Beste aus dieser Nacht machen, so als würden wir jung sterben. Als sei dies die letzte Nacht unseres Lebens, tanzen wir weiter, bis wir sterben."

Kesha ist nicht die einzige Künstlerin, deren Musik ungewollt makaber wirkt. Sechs Beispiele für Songs, die angesichts schlimmer Unglücke eine ganz neue, unpassende Bedeutung bekamen.

Juli - "Perfekte Welle"

Anfang 2004 erschien der Hit der hessischen Band. Ein halbes Jahr lang feierten sie Charterfolge, dann der Break: Ein Erdbeben im Indischen Ozean verursacht eine furchtbare Tsunami-Katastrophe, bei der über 230.000 Menschen sterben.

In diesem Zusammenhang erscheinen Textzeilen wie "Jetzt kommt sie langsam auf dich zu / das Wasser schlägt dir ins Gesicht / siehst dein Leben wie ein Film ..." kaum tragbar.

Die meisten deutschen Radiosender nehmen den Song aus dem Programm, die Band äußert dazu Verständnis. Auch Herbert Grönemeyer mit "Land unter" und der Witt & Heppner-Song "Wann kommt die Flut" sind im Radio nicht mehr willkommen.

Marteria - "Verstrahlt"

Mitte 2010 erscheint die Single des Berliner Rappers Marteria. Eigentlich geht es in dem Song um Gefühlszustände, die nichts mit Radioaktivität zu tun haben.

Angesichts der Nuklearkatastrophe von Fukushima allerdings wurde der Song mit dem Refrain: "Ich bin so schön verstrahlt. Ich heb ab zum Mars, 10.000 Grad ..." schnell als makaber aufgefasst und von deutschen Radiostationen nicht mehr gespielt.

Weather Girls - "It's Raining Men"

Der Titel des stimmgewaltigen US-Duos war nicht der Einzige, aber einer der ersten Songs, der nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 aus den Playlisten US-amerikanischer Radiosender gestrichen wurde. Zu sehr lösten Text und Titel Assoziationen der Opfer aus, die sich in ihrer Verzweiflung aus den brennenden Hochhäusern stürzten.

Es folgte eine schwarze Liste des Medienunternehmens "Clear Channel Communications" mit Liedern, die eine Weile nicht gespielt werden sollten. Unter anderem waren darauf Led Zeppelin's "Stairway to Heaven", Jerry Lee Lewis - "Great Balls of Fire" und die Talking Heads mit "Burning Down the House" zu finden.

LaFee - "Virus"

Dieser Song war die erste Singleauskoppelung aus LaFees Debütalbum der Teenie-Sängerin. Im März 2006 erschien der Song und feierte in Deutschland, Österreich und der Schweiz wochenlang Charterfolge. Dass genau zu diesem Zeitpunkt die Ausbreitung der Vogelgrippe in Europa dramatische Ausmaße annehmen würde, konnte die gerade mal 16-Jährige beim besten Willen nicht ahnen.

Der Refrain: "Ich wünsch dir einen Virus" brachte die junge Sängerin mehrfach in Erklärungsnot. Im Lied geht es um eine Frau, deren beste Freundin ihr den Mann ausspannt und deren Rachegelüste. LaFee betonte in Interviews immer wieder, dass mit dem Virus keineswegs ein bösartiger Krankheitserreger wie H5N1 gemeint sei. Der Song wurde trotz Vogelgrippe weiterhin in Radio und Fernsehen gespielt.

Teapack - "Push The Button"

Mit diesem Song, gesungen auf Englisch, Französisch und Hebräisch, trat die israelische Band 2007 beim Eurovision Song Contest in Helsinki an. Fast wären sie allerdings disqualifiziert worden.

Der Titel, sowie die Textzeile "Raketen fliegen und fallen auf mich" wurde auf Unruhen im Nahen Osten bezogen, die im Text enthaltene Aussage "es gibt einige verrückte Führer auf der Welt" galt als Anspielung auf den Iran und dessen Machthaber Ahmadinedschad. Letztendlich wurde der Band die Teilnahme aber genehmigt.