New York (dpa) - Noch ein letzter Blick in den Spiegel, ein letzter Tupfer Puder für Leslie und ein letzter Bürstenstrich - über das weiße Fell von Derek.

"Das hier ist jedes Jahr mein Highlight", sagt Leslie Simis und wischt sich eine Strähne ihres auftoupierten grauen Haares aus der Stirn. Nur noch wenige Minuten, dann soll Derek in der Manege der Westminster Kennel Club Dog Show in New York, der ältesten Hunde-Schau der Welt, seinen Titel als bester Zwergpudel verteidigen.

Dafür ist Simis mit dem zwei Jahre alten Rüden eigens aus Los Angeles angereist und dafür hat sie seit Stunden sein weißes, an den Füßen und am Hintern zu Kugeln geschnittenes Fell behandelt - mit Bürste, Schere, Föhn und Haarspray. "Er ist ein Show-Man, er liebt es."

Einige Bänke weiter liegt ein erst auf den zweiten Blick als Hund erkennbarer grauer Fellberg. "Das ist Nathan", sagt Besitzerin Mackayla, schiebt ihm ein glitzerndes blaues Kissen unter den Kopf und traktiert den Rücken des Rüden mit einer lilafarbenen Bürste. "Seit vier Stunden bin ich schon dran, Westminster macht immer viel Spaß, ist aber auch wahnsinnig viel Arbeit." Mackayla lebt im US-Bundesstaat Vermont und hat acht Hunde. Königspudel Nathan hat sie selbst gezüchtet. "Ich liebe die Rasse, sie sind so klug, ästhetisch schön und passen sich einfach deinem Leben an." Etwa einmal im Monat nimmt sie mit Nathan an Wettbewerben teil. "Er mag das gerne, im Mittelpunkt zu stehen und sich als etwas Besonderes zu fühlen."

Ja wo lauifen sie denn? Frauchen mit Hunden bei der Westminster Kennel Club Dog Show in New York.

Aufwendig sei das Ganze schon, gibt der Hundeführer von Whistle zu, während er das weiße Haar des zwei Jahre alten Maltesers aus New York kämmt. Und teuer natürlich auch. "Aber wir nehmen für Shampoo und alles andere einfach Produkte für Menschen, dann geht das schon." Rund 60 Milliarden Dollar (etwa 54 Milliarden Euro) geben die US-Amerikaner Branchenschätzungen zufolge jedes Jahr für ihre Haustiere aus.

Die Westminster Kennel Club Dog Show ist der Himmel für alle Hundefans und eine Trophäe dort das erklärte Ziel aller ambitionierten Züchter, Herrchen und Frauchen. Wer in der Königskategorie "Best in Show" gewinnt - in diesem Jahr ist das der Jagdhund CJ - wird in den USA regelmäßig zum Hunde-Star, darf durch TV-Sendungen tingeln und Autogrammstunden geben.

Die in der Nacht zum Mittwoch zu Ende gegangene Schau war die 140. Ausgabe des Spektakels. "Ein Erfolg so groß, dass Schlangen von Menschen die Straßen verstopften", hatte die "New York Times" 1877 bereits die erste Schau gefeiert, veranstaltet von einer Gruppe Männern, die sich hauptsächlich für ihre Sport- und Jagdhunde interessierten. Später stellten auch Reiche und Prominente ihre Hunde hier aus, wie beispielsweise der Banker J.P. Morgan seine Collies.

Inzwischen sind 199 Rassen zugelassen, sieben waren in diesem Jahr erstmals dabei: Bergamasker Hirtenhund, Berger de Picardie, Boerboel, Cirneco dell’Etna, Lagotto Romagnolo, Miniature American Shepherd und Perro de Agua Español. Rund 3000 Hunde aus allen 50 US-Bundesstaaten und zwölf anderen Ländern, darunter auch vier aus Deutschland, wurden zur 140. Westminster Hunde-Schau angemeldet. Um der beste Hund einer Rasse zu werden, müssen sowohl Aussehen als auch Verhalten des Tiers die Preisrichter überzeugen.

Derek hat das mal wieder geschafft, er wurde erneut zum besten Zwergpudel gekürt. Frauchen Leslie Simis strahlt, bevor sie in stundenlanger Arbeit das Haarspray wieder aus dem Fell des Hundes kämmt und sich dann auf den langen Heimweg nach Los Angeles macht. Da, sagt Simis, "da springt und rennt Derek herum. Da ist er ein ganz normaler Hund".© dpa