Lehrer haben ständig frei und können schon Mittags nach Hause. So lautet das Klischee. Aber, "Wie gut sind unsere Lehrer?" wirklich? Das wollte am Dienstagabend die gleichnamige ZDF-Reportage klären. Eine eindeutige Antwort bekam man nicht.

Drei Kameras installierten die Filmautoren Gesine Müller und Nicola Burfeindt in zwei Klassenzimmern in einem Gynmasium in Hamburg Altona, in der "gesellschaftlichen Mitte", wie es die ZDF-Reportage vollmundig erklärt. Mit Joysticks steuerten sie diese von außerhalb, die Mikrofone platzierten sie in den Federmäppchen der Schüler. Über einen Zeitraum von sechs Monaten. Warum das alles? Man wolle endlich herausfinden, was in deutschen Schulen wirklich los ist und natürlich: "Wie gut sind unsere Lehrer?", so der wenig subtile Titel des Beitrages. Also ein wenig "Big Brother", nur mit öffentlich-rechtlichem Anspruch.

Das Ergebnis der "einzigartigen Aufnahmen" ist wenig überraschend: Man sagt immer noch am Anfang der Stunde "Guten Morgen, Frau Lehrerin." Danach ist es durchgängig laut. Die Schüler sind abgelenkt. Sie reden durcheinander, tippen auf ihren Smartphones. Die beiden Lehrer, die sich für das Projekt bereit erklärt haben, wirken zwar jung, dynamisch und engagiert, aber alles andere als souverän, gelassen und entspannt. Eher ständig genervt und gereizt. Man beneidet sie nicht.

Constanze Kober, 35 Jahre, unterrichtet eine achte Klasse mit schriller Stimme, streng und autoritär, ständig tadelnd. Im Prinzip wartet man nur auf den Satz: "Mir egal, ob ihr zuhört, ihr lernt fürs Leben und nicht die Schule." Kollege Thorsten Puderach, 35, Klasse 7c, ist ruhiger, aber genauso angespannt. Bis zu 90 Dezibel laut lärmen seine Schüler, ein LKW liegt auf dem gleichen Geräuschpegel. Am Ende der Woche ist er so gestresst, dass er nicht einmal mehr Musik hören kann.

"Faule Säcke" im Klassenzimmer

Eines zeigen die Aufnahmen sofort: Es ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden für Pädagogen. Galten Lehrer einst als angesehene Respektspersonen, ein Traumberuf, in einer Reihe mit Ärzten und Piloten, ist davon heute wenig übrig. Viele halten sie für arbeitsscheu, schon Altkanzler Gerhard Schröder nannte sie in den 90ern "faule Säcke", was der Film der beiden Autorinnen gleich mehrmals anführt. Zwölf Wochen Urlaub haben die Pädagogen im Jahr und nur 26 Stunden Unterricht geben sie in der Woche. Insgesamt sind es im Schnitt aber meist zwischen 50 und 70 Stunden. Oder 30 Stunden, ganz sicher ist die ZDF-Reportage nicht, es gibt keine offiziellen Erhebungen. Zwischen 40.000 und 50.000 Euro verdienen sie im Schnitt, drei Viertel sind verbeamtet. Zumindest da ist man sich sicher. Qualitätskontrollen gibt es kaum, nur alle vier Jahre werde sein Unterricht bewertet, sagt Puderach im Film. Er ist seit vier Jahren Lehrer. Er fühle sich als "Einzelkämpfer".

Es ist ein komplexes Thema, das sich "Wie gut sind unsere Lehrer?" vorgenommen hat. Und der ZDF-Film will alle Seiten beleuchten. Lehrer in den Ausbildung (sie ist ungenügend), Lehrer im internationalen Vergleich (in Finnland ist alles besser), Lehrer und die PISA-Studie (deutsche Schüler sind immer noch Mittelmaß), Lehrer und der Stress (jeder Dritte erleidet ein Burnout). Das kann nicht funktionieren und nur an der Oberfläche kratzen. Zu allem Überfluss war man so kreativ, bei der Musikauswahl auf Alice Coopers "School's Out" und Pink Floyds "Another Brick In The Wall" zurückzugreifen. Und Bestseller-Autor Richard David Precht führt quasi mit wenig hilfreichen Kommentaren wie: "Eine Verbeamtung verspricht ein ruhiges Leben" und man müsse eine "begeisternde Persönlichkeit" sein, um zu unterrichten, durch die Sendung. Besser hätte es Dieter Bohlen bei der Castingshow Ihrer Wahl auch nicht sagen können.

Viele Fragen, kaum Lösungen

So ist es auch weniger der Film selbst, der neue Erkenntnisse liefert, als das Thema, das zu denken gibt. Der Lehrerberuf ist mit Sicherheit einer der anspruchsvollsten, den es in unserer Gesellschaft gibt. In der Hand der Pädagogen liegt ein nicht zu unterschätzender Teil der Erziehung unserer Kinder, unsere gemeinsame wie auch unsere persönliche Zukunft. Sie legen den Grundstein für den weiteren Werdegang eines jeden. Und da jeder direkt betroffen ist, reagieren wir emotional auf dieses Thema. Die Leidtragenden sind die Lehrer. Und die Eltern. Und die Schüler. Der Missstand liegt aber offenbar in unserem heutigen Schulsystem, das nicht den aktuellen Anforderungen genügt. Das verrät zumindest "Wie gut sind unsere Lehrer?". Lösungsansätze kann die Reportage nicht liefern. Aber vielleicht wäre das auch vermessen. Die Grunderkenntnis ist zumindest bei Lehrern und Schülern vorhanden. Als Constanze Kober wieder einmal im Film genervt vor ihrer lärmenden Klasse steht und sagt: "In eurem Alter war ich nicht so frech", schallt es direkt zurück: "Die Zeiten haben sich geändert."