11,7 Kilo Hühnchen verspeist ein jeder Deutsche pro Jahr. Hühnerfleisch ist nicht nur unser Lieblingsprodukt, sondern auch der Preisrenner in der Fleischtheke. Dirk Steffens, bekannt aus Terra X, versucht sich in der zweiteiligen ZDF Dokumentation "Projekt Hühnerhof" als Hühnermäster.

Ein Supermarkt in Niedersachsen. Dirk Steffens streift durch die Gänge. Aus der Fleischtheke nimmt er eine Packung Hühnchen. Die 1200 Gramm in seiner Hand kosten an diesem Tag rund zwei Euro neunundachtzig. Das sind vierundzwanzig Cent pro 100 Gramm. Unglaublich billig, denkt der Moderator, Wissenschaftsjournalist und Tierfilmer. Er macht den Vergleich mit anderen Produkten wie Gewürzgurken im Glas, Dosenmais und sogar Katzenfutter. Alles kostet mehr als das Hühnchen. Das stimmt doch was nicht!

Ein Moderator auf der Hühnerfarm

Die meisten Verbraucher greifen beim Einkaufen gern zum Billigfleisch, auch wenn wir geschmacklich das Öko- oder Biohuhn bevorzugen. Der Preis lockt. Diesem Phänomen möchte Dirk Steffens in zwei Folgen "Projekt Hühnerhof" auf die Spur gehen. In einem einzigartigen Experiment ist er im ZDF als Hühnermäster zu sehen.

2.500 Hühner zieht Steffens eigenhändig auf. Parallel dazu absolviert er in einem konventionellen Betrieb ein Praktikum. So hofft er, die Unterschiede der Hühnerhaltung besser zu verstehen. Und er hat einen gewagten Plan: Die Bürger der Stadt Uelzen im nordöstlichen Niedersachsen möchte er als exemplarisches Beispiel davon überzeugen, weniger Fleisch zu essen. Wenn schon Fleisch, dann doch lieber Bio und nicht billig.

Dass sich Steffens gerade eine Gemeinde in Niedersachsen ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr. Von dort stammen die meisten deutschen Hühner und dort, in einem Dorf auf dem Land, ist Dirk Steffens aufgewachsen. Freilaufende Hühner kennt er aus Kindertagen. Sein Selbstversuch als Hühnermäster ist so etwas wie eine Herzensangelegenheit.

Als Steffens zu Beginn der Sendung im Massen-Mast-Betrieb ein Huhn in der Hand hält, fällt ihm auf, dass es an der Brust keine Federn hat. Die Antwort ist so simpel wie absurd: Federn brauche das Huhn eh nicht, da es die meiste Zeit sitzt. Darauf weiß Steffens nichts zu erwidern. Kein Wunder, wenn er sich umschaut, sitzen auf einem Quadratmeter rund 26 Tiere, eng an eng.

Küken ist gleich Küken

Nachdem der Zuschauer beobachtet hat, wie Dirk Steffens seinen eigenen Hühnerstall eingerichtet hat, können die Küken kommen. Bevor der Moderator die 2.500 Tiere empfängt, erkundet er, woher sie überhaupt stammen. In einer Industrieanlage hält er das Wunder Hühnerleben selbst in der Hand. Aus einem gerade aufgebrochenen Ei schlüpft ein Küken und piepst den Mann aus dem Fernsehen fröhlich an. Bei diesem Anblick schlägt das Herz des Zuschauers höher. Das lässt aber schon nach, als man dabei zusehen muss, wie unzählige flauschige Küken auf ein blaues Fließband plumpsen. Anschließend landen die Hühnchen in Plastikkisten, die stapelweise in eine Halle geschoben werden. Blaues Licht stellt die Tiere ruhig.

Während Steffens 2.500 Küken in seinem Stall beherbergt, landen im Massen-Mast-Betrieb gleich 82.000 Tiere. Ob Ökozucht oder Massentierhaltung, die Küken sind gleich, wiegen rund 50 Gramm. Beim Gang durch das Meer aus 82.000 Babyvögeln versucht Dirk Steffens panisch zu verhindern, auf eines zu treten. Betroffen darüber vergleicht er den Betrieb mit einem Gewächshaus für Hühnchen.

Eine bessere Beziehung zu Fleisch und Preis

Ist Fleisch einfach nur ein Produkt auf unserem Speiseplan oder sehen wir dahinter auch das Tier? Und wenn ja, verändert das unseren Fleischkonsum? Um das zu erkunden, startet Dirk Steffens ein Experiment mit einer Familie. Der Moderator überlässt ihnen Hühner für den heimischen Stall im Garten, wo sonst die Hasen untergebracht sind. Die Familie soll sich um die Tiere kümmern, immer mit dem Bewusstsein, dass sie eines Tages geschlachtet werden. Schon nach einer Woche entwickelt die Familie eine Beziehung zu ihren Hühnern beginnt, ihnen zuliebe das Essen von Fleisch tatsächlich zu überdenken.

Und Dirk Steffens, der frischgebackene Hühnermäster? Bei einem Besuch seinen seiner drei Tage alten Küken stellt er mit Besorgnis fest, dass eines blutig gepickt wurde. Liebvoll hebt er es in seine selbst eingerichtete Krankenstation. Dort wird das Küken mit beruhigenden Worten von ihm verarztet. Das erinnert wenig an die abgeklärte Arbeit eines auf Gewinn orientierten Hühnermästers.

So bewundernswert Steffens Selbstversuch in der ZDF Doku "Projekt Hühnerhof" auch sein mag, er dürfte es schwer haben, alle Zuschauer zu bekehren, weniger Billigfleisch zu verzehren. Schließlich leben wir in einer Gesellschaft, in der das Motto "Geiz ist geil" lautet. Und das gilt auch an der Fleischtheke, oder?