Der große Entertainer macht Schluss - ein Rückblick auf seine einzigartige Karriere.

Stefan Raab produzierte eigentlich Werbejingles, als er 1993 vom Fernsehsender Viva als Moderator für die Sendung "Vivasion" eingestellt wurde. Damals "nur" Sänger und TV-Moderator, sollte er später zu einem der größten Stars des deutschen Privatfernsehens aufsteigen, auch wenn er anfangs besonders Erfolge im musikalischen Bereich feierte.
"Ich erzähl' euch die Geschichte von einer, die ihr kennt. Sie lebt in der Glotze auf weißem Pergament. Sie ist orange und größer als ein kleiner Elefant und schon das ganz allein macht die Sache interessant..." Für den Song zum 25. Geburtstag der "Sendung mit der Maus" bekam Stefan Raab 1996 die Goldene Schallplatte. Raabs "Hier kommt die Maus"-Rap war ein riesiger Erfolg und verkaufte sich 400.000 Mal.
Stefan Raab alias Alf Igel (eine Anspielung auf Schlager-Produzent Ralph Siegel) komponierte 1998 den Song "Guildo hat euch lieb" für Schlager-Meister Guildo Horn (r). Mit unvergessenen Lines wie "Piep, piep, piep, ich hab dich lieb!" holte Horn beim 43. Eurovision Song Contest einen ehrwürdigen siebten Platz. Es war nur die erste Annäherung Raabs mit dem ESC...
Der Dauerbrenner "TV total" beim Privatsender ProSieben startete im März 1999. Anfangs nur wöchentlich, ab 2001 viermal pro Woche begrüßte Raab Showgäste und machte sich über allerhand lustig. Heute, nach 16 Jahren, ist "TV total" die langlebigste Late-Night-Show im deutschen Fernsehen.
Entwickelt hatte Raab "TV total" mit seinem "Entdecker", dem Fernsehproduzent Marcus Wolter. Legendär sind neben der eigenen Showband die "Nippel" und Einspieler der Sendung. Raab vergab bei "TV total" unter anderem regelmäßig den Fernsehpreis "Raab der Woche".
"Ladies and gentlemen, please put your patschehands together, for the sensationel, supersack of German television, STEFAN RAAAAB!" Beim Grand Prix 2000 stand alles unter dem Motto: "Wadde Hadde Dudde Da ". Cowboyhüte, Glitzershirts und ein revolutionärer Song bescherten Raab für Deutschland Platz fünf.
Und der ESC ließ Raab nicht los: Ende 2003 startete er eine Castingshow, in der der Kandidat für die Vorentscheidung zum ESC 2004 gesucht wurde. Den "SSDSGPS" ("Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star") gewann Max Mutzke, der schließlich auch zum ESC fuhr. Für das Konzept der Show bekam Raab im darauffolgenden Jahr den Grimme-Preis.
Raab ist Erfinder zahlreicher Formate. Eine seiner bekanntesten und erfolgreichsten Ideen ist die "Wok WM", bei der von 2003 bis 2015 Prominente aus Sport- und Entertainmentbereichen teilnahmen. Die meisten Medaillen über die Jahre holte Rennrodler Georg Hackl, dicht gefolgt von Stefan Raab und Joey Kelly.
Für Michael "Bully" Herbigs Film "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" schrieb Raab (Zweiter von rechts) mehrere Lieder. Der Song "Space Taxi" mit Christian Tramitz (links), Rick Kavanian (Zweiter von links) und Herbig erschien auch als Single. Aus dem Soundtrack entkoppelte Raab den Song "I Want Rock" und veröffentlichte ihn mit Max Mutzke und Rick Kavanian unter dem Bandnamen "Dicks on Fire".
Einer der größten Erfolge Raabs als Produzent war der Eurovision Song Contest 2010 in Oslo. Vorab gewann Lena Meyer-Landrut die Castingshow "Unser Star für Oslo", in der Raab Juryvorsitzender war - und Lena gewann auch den ESC. Nach ihrem Sieg in Oslo produzierte Raab ihr Debütalbum.
Auch beim ESC 2011 trat Lena Meyer-Landrut an und erreichte einen respektablen zehnten Platz. Raab koproduzierte 2011 auch Lenas zweites Album.
Eine Sondersendung von "TV total" ist das "TV total Turmspringen". Das von Raab initiierte Format verkaufte sich sogar in die USA. Der Titel dort: "Stars in Danger: High Diving".
Ein weiteres Format, das Fernseh-Deutschland sehr fehlen wird, ist die Mehrkampf-Show "Schlag den Raab". Seit 2006 treten Kandidaten in verschiedenen Disziplinen gegen Raab an. Wird Raab besiegt, bekommt der Kandidat mindestens 500.000 Euro. In den bisher 52 Folgen wurde Raab nur 16 Mal geschlagen.
Doch nicht nur Entertainment liegt Raab: 2013 moderierte er zusammen mit Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL, von links nach rechts.) das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.
Es macht den Eindruck, als könne Raab alles in eine Geschäftsidee umwandeln. 2013 erfand Raab einen Duschkopf, den "Doosh", der von der Handelskette "Butler" vertrieben wird. Vielleicht liegt Raabs Zukunft nach dem Ende seiner TV-Karriere im Bereich der Duschkopf-Entwicklung?