Wotan Wilke Möhrings "Neue" kommt aus Österreich: Die Wienerin Franziska Weisz verstärkt ab sofort den Norddeutschland-"Tatort". Wer ist die Frau, deren Schauspielkarriere auf Umwegen begann?

Als Franziska Weisz erfuhr, dass sie künftig an der Seite von Wotan Wilke Möhring ermitteln darf, war sie gerade in der deutschen Hauptstadt mit dem Auto unterwegs. Sie sei gleich rechts rangefahren und habe "vor Freude halb Moabit zusammengeschrien", erinnert sich die Wahl-Berlinerin.

Auf einen solchen Gefühlsausbruch wird man bei ihrer Ermittlerin Julia Grosz wahrscheinlich noch lange warten müssen. Die präsentierte sich bei ihrem Debüt im Falke-Krimi "Zorn Gottes" als misstrauische Frau mit harter Schale und gequälter Seele.

Was Franziska Weisz an der Figur gefällt? "Dass sie niemandem gefallen will. Seit ihrer Zeit als Ausbilderin in Afghanistan trägt sie eine schwere Last mit sich herum, die sie hinter einem emotionalen Panzer verbirgt", erklärt die 35-jährige gebürtige Wienerin ihre Rolle.

Fall mit Wilke Möhring ist brandaktuell - aber nicht ganz realistisch.

Die Bundespolizistin Grosz ist anfangs noch beim Sicherheitsdienst des Hannover Airports beschäftigt, hat dort aber einen Außenseiterstatus inne: "Sie hat schon zu viele Dinge erlebt und zu viele Verluste erlitten, um sich auch noch darum zu kümmern, wie sie bei ihren Mitmenschen ankommt. Sie ist ein Buch mit sieben Siegeln."

Über die Darstellerin des "Tatort"-Neuzugangs lässt sich dasselbe nicht sagen. Franziska Weisz ist ein offenherziger Mensch, und was sie über ihren bisherigen Karriereverlauf zu berichten hat, ist durchaus ungewöhnlich.

Mit 18 beschloss sie, sich als Model zu versuchen. Vor der Schauspielerei hatte sie da noch gehörigen Respekt: "Ich hätte mich nie an einer Schauspielschule beworben, dazu hatte ich viel zu viel Ehrfurcht." Aber modeln konnte sie sich vorstellen.

Nur bekam sie nie einen Job. Also riet man ihr, es doch mal bei einem Casting für eine kleine Rolle in der Krimiserie "Kommissar Rex" zu versuchen.

Den Zuschlag für das Serienengagement erhielt sie zwar nicht. Dafür gelangten Casting-Mitschnitte in die Hände des Filmregisseurs Ulrich Seidl. Der suchte gerade unverbrauchte Gesichter für sein Projekt "Hundstage" (2001) über die sozialen Abgründe in der Wiener Vorstadt und besetzte Weisz prompt.

"Damals wusste ich nicht, was das bedeutet. Als wir dann mit dem Film in Venedig Premiere hatten, waren da überall Fotografen und Reporter. Ich war sehr beeindruckt," erzählt die Wienerin in der Rückschau.

Kindheitserinnerungen an die "Tatort"-Fanfare

"Hundstage" gewann beim Filmfestival in Venedig den Großen Preis der Jury, und Franziska Weisz war mit einem Mal mittendrin im Schauspielbusiness. Am Anfang dachte sie noch, ihr stehe das alles gar nicht zu - der Erfolg, der Rummel, die Aufmerksamkeit.

"Mir wurde von meinen Eltern immer beigebracht, dass man sich Dinge erarbeiten muss. Und ich dachte mir: 'Das darf doch nicht wahr sein, ich habe nichts gemacht, das mir in irgendeiner Form etwas abverlangt. Es ist doch nicht möglich, dass mir etwas, das mir so viel Spaß macht und Freude bereitet, mein Beruf sein soll.'"

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Von diesem Beruf kann die studierte Politologin inzwischen wunderbar leben - sogar mehr als das: Nach "Hotel" (2004), "Der Räuber" (2010), "Renn, wenn du kannst" (2010) und "Kreuzweg" (2014) zählt die Österreicherin zu den gefragtesten Darstellerinnen ihrer Generation - sogar in der in Berlin gedrehten neuen "Homeland"-Staffel, die bei Sat.1 am 3.4. im Free-TV startet (sonntags, 23:05 Uhr), hat sie in Episode elf einen kleinen Auftritt.

Dass es Franziska Weisz nun zu "Tatort"-Ehren gebracht hat, darf da keinen überraschen. Für die Schauspielerin selbst ist es ein ganz besonderes Engagement: "Die 'Tatort'-Fanfare ist eines der ersten Geräusche, an die ich mich bewusst erinnern kann", beteuert sie und gibt sich auch als Fan zu erkennen: "In meinem Freundeskreis in Berlin und in Wien gibt es gleich mehrere Gruppen, die sich zum Sonntagskrimi verabreden."

Immer wenn künftig der norddeutsche Bundespolizist Thorsten Falke mit seiner neuen Partnerin im NDR-"Tatort" an der Reihe ist, werden sie sicher ganz genau hinschauen.

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