Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) hat eine neue Partnerin: Franziska Weisz gab ihr "Tatort"-Debüt als Bundespolizistin Julia Grosz. Das hatte es in sich: Es galt, einen drohenden Terroranschlag zu vereiteln. Ein hochspannender, aber nicht komplett überzeugender Krimi.

"Verbrannt" wird mit dem Deutschen Fernsehkrimi-Preis ausgezeichnet.

Ergab die Story Sinn?

Nur zum Teil. Natürlich ist es ein brandaktuelles Szenario, das sich die Macher (Buch: Florian Oeller, Regie: Özgür Yildirim) ausgedacht hatten: Ein korrupter Flughafenmitarbeiter (Christoph Letkowski) schleust einen Mann an den Airport-Kontrollen vorbei, der sich als IS-Heimkehrer und Kopf einer islamistischen Terrorzelle entpuppt.

Inwieweit es glaubhaft ist, dass es in deutschen Flughäfen geheime Tunnelbauten zu Schleusezwecken gibt, sei mal dahingestellt: Dass am Ende Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und seine neue und künftige Partnerin Julia Grosz (Franziska Weisz) zu Anti-Terror-Agenten in Jack-Bauer-Manier wurden, war aber doch zu viel Kino in Anbetracht ganz realer Zuschauerängste.

Wie überzeugend waren die Kommissare?

Dortmunder Flüchtlings-"Tatort" scheitert an kaputten Kommissaren.

Nachdem die Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller von der Rolle der Katharina Lorenz Abschied nahm, wurden die Verantwortlichen in Österreich fündig: Franziska Weisz, 1980 in Wien geboren, schaffte es, ihre Figur noch spröder anzulegen, als das die Vorgängerin tat.

Julia Grosz ist eine misstrauische Frau mit traumatischer Vergangenheit, die sich mit dem bisweilen ungestüm dampfplaudernden Falke vortrefflich ergänzt. Am Ende kicherten sie sich verlegen an, fast wie frisch Verliebte. Kann was werden mit den beiden.

Wie furchteinflößend war der Mörder?

Der Flughafenmitarbeiter Rocky Kovac, der eingangs mit seinem Mord eine folgenschwere Verwechslung vertuschen wollte, war als werdender Vater keineswegs zum Fürchten. Er war einfach in etwas hineingeraten, das ihm und seiner Familie fatal über den Kopf wuchs.

Die Terrorschergen der fiktiven "Bielefelder Brigade" machten da schon mehr Eindruck beim Zuschauer. Auch weil man aus den Nachrichten weiß, dass solche Extremisten in der Tat gar keine menschlichen Skrupel mehr haben.

Wie realistisch war dieser "Tatort"?

Das Ende des Schweizer "Tatorts" wirft brisante Fragen auf.

Natürlich: Ein "Tatort" über die sehr reale Terrorbedrohung in Deutschland ist schrecklich nah dran an der Wirklichkeit. Zumindest thematisch. Ob der Plot nun jederzeit glaubhaft war, sei dahingestellt.

Löblich ist immerhin der Versuch, dem eingeschleusten IS-Heimkehrer Enis Günday (Cem-Ali Gültekin) zumindest ein bisschen in die Seele zu gucken und seine Motive zu ergründen. Für ein wirklich tiefschürfendes Islamistenpsychogramm sind 90 "Tatort"-Minuten dann aber doch zu wenig.

Welche Szene bleibt am meisten hängen?

Der Tote, der vom Himmel fiel: Der Schleuser Rocky Kovac hatte die Leiche des türkischen Geschäftsmanns, den er zu Vertuschungszwecken ermordet hatte, per Flugzeug vom Airport-Gelände geschafft.

Just über einem Swimmingpool, in dem ziemlich verdutzte Liebende turtelten, plumpste der leblose Körper aus großer Höhe ins Wasser. Die Szene dürfte in die Geschichte der skurrilsten "Tatort"-Leichenfunde eingehen.

Welche Nebenfigur stach besonders heraus?

Schweizer Kommissar läuft zu Hochform auf, kann den Fall aber nicht retten.

Wer Cem-Ali Gültekin kennt, dürfte sich die Augen gerieben haben: Der zum Anschlag bereite IS-Heimkehrer Enis Günday ist alles andere als eine Paraderolle für den Hamburger türkisch-syrischer Abstammung.

Gültekin ist nämlich vor allem im komischen Fach zu Hause, er ist Gründer der Hamburger "Schule für Comedy" und seit 2014 als "rasender Reporter" in der Satiresendung "extra 3" zu sehen. Beachtlich, wie überzeugend er den Wechsel ins ernste Schurkenfach hinbekommen hat.

Wie gut war der "Tatort"?

Der dramatisch zugespitzte Falke-Neustart mit neuer Partnerin hatte seine Momente. Weil der in Hamburg geborene Regisseur Özgür Yildirim ("Blutzbrüdaz") das Geschehen knackig zu verdichten wusste. Weil das Drehbuch ein paar herrlich trockene Dialogpointen hergab und - am wichtigsten: Weil das neue Duo auf eigentümliche Weise zu harmonieren scheint.

Wenn die kommenden Fälle nicht ganz so hoch übers Ziel hinausschießen wie dieser, wird es auch bessere Noten als eine glatte Drei geben.

Mehr Infos und News zum "Tatort"