Anfangs war alles nur als kurzzeitiger Lückenfüller geplant - doch dann eroberte sich "Zimmer frei!" schnell eine eingeschworene Fangemeinde. Nach 20 Jahren soll Mitte 2016 aber Schluss sein.

Götz Alsmann (57) und Christine Westermann (66) machen ihre fiktive WG nächstes Jahr dicht. Nach dann 20 Jahren "Zimmer frei!" sei "die Zeit für Neues" gekommen, teilte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Dienstag in Köln mit. Das Moderatoren-Duo werde sich im Sommer 2016 mit einer großen Jubiläums-Show zum 20-Jährigen verabschieden.

"Bis dahin haben wir wahrscheinlich auch alle Sahnetorten dieser Welt im Gesicht gehabt", sagte Götz Alsmann der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe). Im vergangenen Jahr hatte der WDR die Zahl der "Zimmer frei!"-Ausgaben bereits von 30 auf 20 im Jahr verringert. Auf den frei gewordenen Sendeplätzen liefen die von Jan Böhmermann mitentwickelte Ensemble-Comedy-Show "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von..." und die Gesprächssendung "Ich stelle mich" mit Sandra Maischberger.

"Zimmer frei!" hatte in den letzten Jahren nach WDR-Angaben noch etwa 320.000 bis 350.000 Zuschauer im Sendegebiet pro Folge und etwa zwischen 530.000 und 620.000 Zuschauer bundesweit.

In der Sendung testen die beiden Moderatoren jeweils einen Prominenten darauf, ob er als Mitbewohner für ihre fiktive Wohngemeinschaft geeignet wäre. Dabei muss der Gast viel Improvisationstalent beweisen. Den Charakter der Sendung beschrieb Alsmann einmal in einem dpa-Interview als "Kindergeburtstag für Erwachsene".

Eklat mit Cherno Jobatey

Der Dauerbrenner wird seit 1996 ausgestrahlt - dabei war das Format zunächst nur als Lückenfüller für das Sommerloch gedacht. Nach sechs Wochen sollte Schluss sein. Dass es anders kam, lag vor allem an den beiden Moderatoren, die so unterschiedlich waren und sich gerade dadurch ergänzten. "Zimmer frei!" eroberte sich schnell eine eingeschworene Fangemeinde.

Das erste Treffen der beiden Gastgeber war dagegen noch wenig glücklich verlaufen: "Er kam drei Stunden zu spät", erinnerte sich Westermann später an den Erstkontakt, "weil er für seinen Sohn aus Klopapierrollen ein Motorrad gebastelt hat". Auch mit der Art ihres neuen Kollegen musste sich die nüchterne Journalistin erst anfreunden: "Ich war neu im Unterhaltungsgeschäft und völlig überrascht von dem, was mir da an Alsmannschem Feuerwerk entgegenkam", gestand sie 2009 der dpa.

Einzelne Folgen sorgten schon mal für Aufregung - so 2009 eine gestrichene Ausgabe mit dem Satiriker Martin Sonneborn als Gast. Sie sei "einfach nicht lustig" gewesen, sagte damals eine WDR-Sprecherin. Die Folge wurde dann spät abends doch noch gezeigt. Auch die Aufzeichnung mit Cherno Jobatey, damals noch ZDF-Frühmoderator, blieb vier Jahre lang im Giftschrank, bevor sie 2003 gezeigt wurde.

Das Moderatoren-Duo hatte seinen Gast auf die Schippe genommen, weil der ZDF-Mann mal in einem Interview einmal über seine Legasthenie gesprochen hatte: Alsmann trug ein ABC-Pflaster auf der Stirn, beide servierten Jobatey Buchstabensuppe, es gab Russisch Brot zu essen, und der Gast musste das Wort "Kommunalobligation" buchstabieren.

Jobatey verließ wütend das Studio und kam erst nach zehn Minuten zurück.