Noch nie hat Österreich so viel Geld für Kunstschnee ausgegeben wie diesen Winter: über 150 Millionen Euro - ein nahezu unfassbarer Betrag.

Jetzt ist er da, der Schnee. Bis vor Kurzem herrschte in Österreichs Skiorten jedoch Schneemangel - und beschert den Seilbahnbetreibern so hohe Kosten für Kunstschnee wie noch nie.

2015 war in Österreich das zweitwärmste Jahr und eines der trockensten in der fast 250-jährigen Messgeschichte. Das gilt auch für die hochalpinen Regionen und im Winter: Der Schnee ließ lange auf sich warten und brachte so manches Wintersportgebiet an den Rand der Verzweiflung.

Grüne Wiesen und Hänge, dazwischen pickelharte Kunstschneebahnen - gepaart mit milden und frühlingsgleichen Temperaturen sorgten weder für romantische Stimmung noch für grenzenlose Pistengaudi.

Das sollten Autofahrer im Winter beachten, um Pannen zu vermeiden.

Die Tourismusorte und Seilbahnbetreiber sind dennoch gefordert, Bedingungen zu schaffen, um Skifahrer, Snowboarder, Langläufer und Schneeschuhwanderer auch in schneearmen Gebieten bei Laune zu halten.

Für die Wintersaison 2015/2016 wurden laut Fachverband der Seilbahnen Österreichs bisher 154 Millionen Euro für die Beschneiung der Pisten ausgegeben – neben den Kosten für die Instandhaltung und Verbesserung der Bahnen und Lifte.

Die Gäste erwarten schließlich einen guten Zustand der Pisten und Schneesicherheit, wenn sie sich für eine bestimmte Destination entscheiden. Den bisherigen Höchstbetrag von 154 Millionen Euro bestätigt auch die Österreichische Hotel- und Tourismusbank.

2014 waren es demnach 133 Millionen Euro, im Jahr 2013 noch 88 Millionen Euro. Seit dem Jahr 2000 wurden in Österreich 1,3 Milliarden Euro in die künstliche Beschneiung investiert.

Notwendig - und sauteuer

Für den österreichischen Fremdenverkehr ist die künstliche Beschneiung unabdingbar. Dennoch erscheint der Betrag von 154 Millionen Euro unglaublich hoch. Was man damit noch alles kaufen könnte? Höchste Zeit, einen Vergleich anzustellen.

  • Ein paar nagelneue Ski inklusive Bindung kostet rund 400 Euro. Man könnte um 150 Millionen Euro also 385.000 Paar Ski zur Verfügung stellen.
  • Eine Woche Skiurlaub im 5-Sterne-Hotel in Kitzbühel ist für zwei Personen ab 1.500 Euro zu haben. Das wären also 102.000 Skiurlaube.
  • Ein Skipass in Kitzbühel für sechs Tage kostet für einen Erwachsenen 248 Euro in der Hauptsaison: also 620.967 Skipässe.

Diese Berechnungen haben allerdings keinen Sinn, wenn es keinen Schnee gibt.

7.000 VW Golf oder 600 Porsche 911

Wie wäre es mit einem neuen Auto? Ein VW Golf Cool TSI kostet rund 21.000 Euro. Statt Schnee könnte man also 7.333 Neuwagen kaufen. Im Vergleich dazu gibt es vom neuen Porsche 911 Turbo S um 247.400 Euro nur 622 Stück.

Starker Schneefall verspricht beste Pistenbedingungen.

Wer gerade an Hausbau denkt: Ein Fertigteilhaus von Elk mit einer bebauten Fläche von knapp unter 100 Quadratmeter kann man sich um etwa 216.000 Euro schlüsselfertig hinstellen lassen (wenngleich ohne Baugrund). Das wären immerhin 712 glückliche Familien.

Bis zu 120 Euro kostet den Familien der Schulstart pro Erstklässler – Schultasche, Hefte, Stifte, Handarbeitskoffer etc. einberechnet. 1,28 Millionen Kinder könnte man mit den Kosten des Kunstschnees finanzieren.

Asylsuchende in Österreich bekommen, sofern sie in organisierten Unterkünften leben und für Essen gesorgt ist, 40 Euro Taschengeld pro Monat bar ausbezahlt: 3,85 Millionen monatliche Auszahlungen wären hier möglich.

Fast 18 Millionen Wiener Schnitzel

Ein paniertes Schnitzel vom Schwein kostet in einem Wiener Wirtshaus laut Berechnung der Arbeiterkammer durchschnittlich 8,62 Euro. Mit Beilagen. 17,86 Millionen Portionen könnten um das Geld herausgebacken werden.

Bei einem durchschnittlichen Bierpreis von 3,41 Euro könnte man dazu 45,2 Millionen Halbe trinken. Oder 72,6 Millionen Weiße Spritzer bei durchschnittlich 2,12 Euro pro Glas.

Übrigens verdienten 2014 unselbstständig Beschäftigte in Österreich durchschnittlich 1.839 Euro netto im Monat, Männer 2.134 Euro, Frauen 1.490 Euro: 72.164 Monatsgehälter für Männer, und 103.355 Monatsgehälter für Frauen wären da drinnen.

Der Bundespräsident verdient 14-mal im Jahr 24.033. Anstatt in Schnee könnte man also in insgesamt 6.407 Gehälter von Heinz Fischer investieren.

Eine kleine Gegenrechnung

Die Staatsverschuldung betrug mit 30. September 2015 nach Berechnungen von Statistik Austria übrigens 285,9 Milliarden Euro. Mit den Schulden könnte man 1.856 Winter lang die österreichischen Pisten beschneien. Bei ähnlichen Klimaverhältnissen.

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