Herzogenaurach (dpa) - Adidas-Chef Herbert Hainer setzt in seinen letzten Monaten bei Europas größtem Sportartikelhersteller zum großen Endspurt an. Der währungsbereinigte Umsatz sowie der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft sollen im laufenden Jahr um 10 bis 12 Prozent steigen.

Das kündigte der dienstälteste Dax-Vorstand bei Vorstellung der Bilanz im fränkischen Herzogenaurach an. Der Nike-Konkurrent hatte seine Erwartungen an das Sportjahr 2016 mit der Europameisterschaft in Frankreich und den Olympischen Sommerspielen in Brasilien bereits vor einigen Wochen hochgeschraubt.

"Als Konzern sind wir heute stärker und besser in Form als je zuvor", sagte Hainer. Im Weltmeister-Jahr 2014 hatten noch Probleme im Golf-Geschäft, Fehler auf dem US-Markt und der Verfall des russischen Rubels den Gewinn einbrechen lassen - und Hainer heftigste Kritik eingebracht. Der 61-Jährige nannte das vergangene Geschäftsjahr nun ein "perfektes Beispiel eines erfolgreichen Comebacks im Sport".

2015 kletterte der Umsatz wegen guter Fußball-Geschäfte und einer starken Nachfrage in Westeuropa und China um 16 Prozent auf "ein neues Rekordniveau" von 16,9 Milliarden Euro. Währungsbereinigt lag das Plus bei 10 Prozent. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft stieg um 12 Prozent auf 720 Millionen Euro. Mit 1,60 Euro je Aktie können sich die Anteilseigner für 2015 außerdem auf zehn Cent mehr Dividende freuen als im Vorjahr.

"Ich habe keinen Zweifel, dass uns das Jahr 2016 einen entscheidenden Schritt weiterbringen wird, um das beste Sportartikelunternehmen der Welt zu werden", sagte Hainer. Am Vorabend hatte Hainer noch die erste Bundesliga-Saisonniederlage des FC Bayern neben dem frisch aus der Haft entlassenen Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß von der Haupttribüne aus mitverfolgt. Bei den Münchnern sitzt Hainer im Aufsichtsrat - ein Job, den er durchaus auch für Adidas in Betracht zieht. "Nach der zweijährigen Abkühlphase könnte ich mir einen Wechsel in den Aufsichtsrat hier vorstellen", sagte Hainer.

Probleme macht den Franken weiterhin die Golf-Tochter Taylormade, die nicht in Tritt kommen will. Ob sich auch Hainers designierter Nachfolger, der Noch-Henkel-Chef Kasper Rorsted, ab 1. Oktober mit dem schwächelnden Golfgeschäft beschäftigen muss, ist noch unklar. Zum Ende des ersten Jahresquartals will der Konzern entscheiden, wie es mit Taylormade weitergeht.© dpa