Berlin (dpa) - Nach neuem Streit und wachsenden Terminrisiken am neuen Hauptstadtflughafen sind die Spitzen des Aufsichtsrats zu einer Sondersitzung zusammengetroffen.

Dabei soll geklärt werden, wo das Regierungsterminal auf dem Schönefelder Gelände untergebracht wird und ob eine Eröffnung des neuen Großflughafens 2017 noch möglich ist.

Berlin rief die Beteiligten vor Sitzungsbeginn am Flughafen Tegel zu mehr Sachlichkeit auf. "Nicht so viel quatschen, nicht so viel spekulieren", forderte der Flughafenkoordinator des Senats, Engelbert Lütke Daldrup. "Fertig bauen und die Leute, die es machen, die Seriösen, auch mal unterstützen", fügte er hinzu.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte vorher Flughafenchef Karsten Mühlenfeld unter Druck gesetzt, den Termin zu halten. Auf die Frage, ob das Ziel 2017 noch realistisch sei, sagte Lütke Daldrup nur: "Ich habe alles gesagt."

Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider versicherte zum wiederholten Mal: "Alles wird gut." Der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), stand für Stellungnahmen nicht zur Verfügung.

Neue Risiken für den Zeitplan sind möglich, weil das Bauordnungsamt verlangt, dass die Betreiber Unterlagen zum Bau nachbessern. Eine Eröffnung Ende Oktober 2017 hatten die Betreiber zuvor noch für möglich gehalten - das entspräche schon einer Verspätung von sechs Jahren.

Wie sich die Forderungen des Bauamts auswirken, ist noch nicht klar. Das Problem müsse in den nächsten vier bis sechs Wochen gelöst werden, dann sei ein Start 2017 noch machbar, hatte Mühlenfeld dem RBB gesagt.

Eigentlicher Anlass der Sondersitzung ist der Streit um das Regierungsterminal. Der Bund sperrt sich gegen Abstriche bei der Anlage, deren Standort auf dem Schönefelder Areal Mühlenfeld zumindest vorübergehend verschieben will. Das soll mehr Platz für normale Fluggäste schaffen.

Dobrindt hatte die Sitzung veranlasst, nachdem Mühlenfeld den Mietvertrag für einen Interimsstandort des geplanten Regierungsterminals außerordentlich gekündigt hatte. Der Minister sagte, die Betreiber hätten "ohne jede Vorwarnung einfach einen Vertrag mit dem Bund gekündigt". Dem hat Mühlenfeld widersprochen.© dpa