Sangerhausen (dpa) - Der Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen hat am Montag Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Der Antrag sei nach dem Scheitern einer Vereinbarung mit dem indischen Hersteller Hero Cycles beim Amtsgericht Halle gestellt worden, teilte das Unternehmen mit.

Das operative Geschäft bleibe davon unberührt und laufe wie geplant weiter. Großaktionär bei Mifa ist der ehemalige AWD-Chef Carsten Maschmeyer.

Mit der Insolvenz solle die Restrukturierung des Unternehmens mit aktuell rund 600 Mitarbeitern in Eigenregie des Managements fortgesetzt werden. Die Löhne und Gehälter seien für drei Monate über die Bundesagentur für Arbeit gesichert, hieß es in der Mitteilung. Zeitweise hat das Unternehmen sogar 800 Beschäftigte, im September ist für den Fahrradbauer aber keine Hochsaison, erläuterte ein Sprecher.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) sicherte dem Unternehmen Hilfe bei der Suche nach neuen Investoren zu. Er habe die Hoffnung, dass der Standort und die Arbeitsplätze erhalten blieben. "Viele Großkunden haben Mifa die Treue gehalten, das spricht für die hohe Qualität der Fahrräder und die hohe Qualität der Beschäftigten." Die IG Metall erklärte, nach immensen Fehlern im Management werde man für den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen.

"Trotz intensiver Verhandlungen mit den Verantwortlichen von Hero ist es bislang nicht gelungen, bei einem wesentlichen Bestandteil der Vereinbarung zu einer abschließenden Lösung zu gelangen", sagte Mifa-Vorstand Stefan Weniger. "Daher habe ich mich heute auch vor dem Hintergrund meiner Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern der Mifa entschieden, einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht zu stellen."

Das Management suche nun einen Käufer für das Geschäft. Man habe in den vergangenen Monaten aus eigener Kraft große Fortschritte bei der Restrukturierung erzielt. Dies sei eine ideale Grundlage, um schon 2015 wieder in die Gewinnzone zurückzukehren, erklärte Weniger.

Die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG ist der absatzstärkste deutsche Fahrradhersteller. Anfang des Jahres waren Fehler in der Bilanz entdeckt worden. Hintergrund waren falsche Bewertungen von Beständen. Der damalige Vorstand und Miteigentümer Peter Wicht verließ das Unternehmen wenig später aus gesundheitlichen Gründen. Inzwischen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft aufgrund von Anzeigen. Allein vergangenes Jahr gab es einen Verlust von mehr als 13 Millionen Euro bei 110 Millionen Euro Umsatz.

Wenn das Amtsgericht dem Antrag auf Eigenverwaltung zustimmt, wird dem Vorstand vom Gericht ein vorläufiger Sachwalter zur Seite gestellt. Das Management bleibt aber in den Händen des Vorstands.

Die ursprünglichen Sanierungspläne hatten vorgesehen, dass die Anleihegläubiger auf einen Großteil ihrer Ansprüche verzichten. Die Aktienbesitzer hätten zudem zustimmen sollen, dass sie in Folge einer Kapitalerhöhung künftig nur noch ein Prozent des Unternehmens besitzen. Neuer Großaktionär wäre der Weltmarktführer Hero Cycles geworden, der 15 Millionen Euro investieren sollte.© dpa