Berthold Albrecht war als einer der Erben des Aldi-Vermögens einer der reichsten Männer in der Bundesrepublik. Doch über die Familie der Albrechts war lange Zeit nur wenig bekannt. Durch einen Rechtsstreit nach seinem Tod dringen private Details ans Licht.

2012 listete das Wirtschaftsmagazin "Forbes" Berthold Albrecht zusammen mit seinem Bruder Theo jr. auf Platz zwei der reichsten Deutschen. Vor ihnen lag nur Onkel Karl Albrecht, seinerseits Gründer von Aldi Süd. Berthold und Theo jr. hatten von ihrem Vater Theo Albrecht die Einzelhandelskette Aldi Nord geerbt.

Nach Berthold Albrechts Tod im November 2012 macht der Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach Schlagzeilen. Die Witwe Babette Albrecht, die mit ihrem Mann fünf Kinder hatte, zeigte ihn an und sagte selbst als Zeugin aus. Das Ergebnis der Verhandlungen: Achenbach soll 19,4 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Der Prozess förderte darüber hinaus Details aus dem Privatleben des Aldi-Erben zutage. Diese passen so gar nicht zu dem sparsam-zurückgezogenen Image, das die beiden Gründer Karl und Theo pflegten.

Mit den Stars am Pebble Beach

Doku "Die Aldi-Story" versucht, ihr geheimnisvolles Leben zu beleuchten.

Berthold war anders: Er liebte den Luxus, vor allem Oldtimer und Kunstwerke. Die Wagen stellte er bei Oldtimer-Rallyes zur Schau. Diese dekadenten Veranstaltungen wurden zum Hobby für das Ehepaar Berthold und Babette. Dafür reisten sie gerne in die USA, nach Kalifornien an den Pebble Beach. Dort waren sie unter ihresgleichen: extrem reichen und berühmten Menschen wie zum Beispiel Kirk Douglas, Michael Douglas oder Ralph Lauren.

Der schwerreiche Aldi-Erbe war vor allem ein Liebhaber der Klassiker von Mercedes, Ferrari oder Bugatti. Sein Duz-Freund Achenbach verkaufte ihm die millionenschweren Klassiker bis kurz vor seinem Tod - zuletzt waren es 16 Autos. Aus Dankbarkeit schenkte Albrecht ihm dafür ein 150.000 Euro teures Mercedes 300 B Cabrio, um damit gemeinsame Touren in die Schweiz zu unternehmen.

Mit Kunst handelte Achenbach ebenfalls. Er verkaufte innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren 28 hochkarätige Kunstwerke an Albrecht, unter anderem Bilder von Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner, Pablo Picasso und Gerhard Richter. Die wurden jedoch von Babette Albrecht nicht besonders geschätzt. Vielmehr seien sie dazu da gewesen, die freien Wände zu füllen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sprach sie in ihrer Aussage von den Bildern auch als "die Dinger".

Die neuen Erkenntnisse aus dem Leben der Aldi-Erben zeigen, wie sorglos sie mit dem Vermögen umgingen. Die Anzeige gegen Achenbach und die Aussagen der Witwe vor Gericht passen jedenfalls gar nicht zur bislang so verschwiegenen Aldi-Dynastie. (dpa/sag)