Köln/Frankfurt/Main (dpa) - Reisende erwischt es diese Woche heftig: Erst legen die Lokführer am Mittwoch den Bahnverkehr weitgehend lahm. Einen Tag später streiken wieder Piloten. Zum Ende der Herbstferien in NRW und Thüringen muss Germanwings viele Flüge streichen.

Reisende trifft es in dieser Woche knüppeldick: Bis Donnerstagmorgen sollte der Ausstand der Lokführer dauern, ab mittags wollen die Kapitäne der Lufthansa-Tochter Germanwings bundesweit für zwölf Stunden die Arbeit niederlegen. Das kündigte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch in Frankfurt an.

Rund 100 Flüge vor allem im Inland würden gestrichen, erklärte die Fluglinie. In Nordrhein-Westfalen und Thüringen gehen diese Woche die Herbstferien zu Ende. Viele Familien sind unterwegs. Nach Germanwings-Angaben sind im Streikzeitraum allein 1100 Kinder und Babys auf Flüge der Linie gebucht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte in Berlin: "Ich bedauere, dass gerade am Ferienende wieder tausende Menschen betroffen sein werden."

Lufthansa warf der Gewerkschaft vor, der Streikaufruf richte sich gezielt gegen Familien. "Damit verabschiedet sich die Pilotengewerkschaft ganz offensichtlich von ihrem Grundsatz, nicht in erster Linie die Passagiere der Lufthansa Gruppe treffen zu wollen". VC gehe es nicht um eine konstruktive Lösung, sondern vielmehr um den größtmöglichen Schaden bei Lufthansa.

Die Gewerkschaft erklärte dagegen, Lufthansa habe alle Kompromissvorschläge im Konflikt um die Übergangsrente der Piloten nicht aufgegriffen und mauere weiter. "Deswegen müssen sich die Kunden in der nächsten Zeit auf weitere Streiks einstellen". "Wir bekommen nicht mal einen Anruf von Lufthansa. Bei den Kollegen macht sich das Gefühl breit, dass wir nicht mehr gewollt sind", sagte ein VC-Sprecher. Lufthansa habe ihr Angebot seit März nur in minimalen Nuancen geändert.

In dem Tarifkonflikt geht es um die künftigen Übergangsrenten für 5400 Piloten und Co-Piloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln zum Jahresende 2013 gekündigt. Sie will erreichen, dass die Piloten frühestens mit 60 (bislang 55) Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Zudem soll das durchschnittlich zu erreichende Austrittsalter von 58 auf 61 Jahre angehoben werden. Dazu wurden komplexe Übergangsregeln angeboten.

Lufthansa erklärte, ihr zuletzt konkretisierter Vorschlag sehe einen umfassenden Bestandsschutz für alle bisherigen Piloten vor. "Von der VC ist bislang kein Angebot zur Neuregelung der Übergangsversorgung bekannt."

Zuletzt hatten die Piloten in dem Streit bei Germanwings Ende August für sechs Stunden die Arbeit niedergelegt. 116 Flüge fielen aus. Insgesamt hat Cockpit in dem Konflikt seit April bereits sechs Streikwellen organisiert und mehr als 4300 Flüge mit rund 500 000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen.

Germanwings ist vor allem an den Flughäfen in Nordrhein-Westfalen vertreten. Standorte sind Köln/Bonn, Düsseldorf und Dortmund. Darüber hinaus fliegt die Lufthansa-Tochter Berlin, Hannover, Hamburg und Stuttgart an. Die Fluggesellschaft kündigte auf ihrer Homepage an, am Abend einen Ersatzflugplan veröffentlichen zu wollen.

Schwerpunkt bei der Flugplanung sei es, die Urlauber aus dem Mittelmeerraum zurückzubringen, sagte ein Germanwings-Sprecher. Dies gelinge nach bisherigem Stand komplett. Inlandsflüge fielen dagegen aus, die Passagiere könnten ab mittags auf die Bahn umsteigen. Die Züge dürften dann wieder halbwegs rollen: Die Lokführer wollen ihren Ausstand am Donnerstagmorgen um 4.00 Uhr beenden, erfahrungsgemäß kommt es danach aber noch für eine Weile zu Behinderungen im Bahnverkehr.© dpa