Nürnberg (dpa) - Deutsche Unternehmen wollen trotz der ungewissen Wirtschaftsaussichten und den weltweiten Krisenherden mehr Mitarbeiter einstellen.

Frei werdende Stellen möchten sie möglichst rasch wieder besetzen, wie der am Montag veröffentlichte monatliche Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit zeigt.

Danach ist die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren gestiegen. Ähnlich hoch habe die Zahl der offenen Stellen zuletzt im Mai des Boomjahres 2012 gelegen, berichtete die Nürnberger Bundesbehörde.

Der Indikator für die Nachfrage nach Arbeitskräften habe im September bei 170 gelegen - zwei Zähler mehr als im August und elf mehr als vor einem Jahr. Der leichte Aufwärtstrend der vergangenen Monate habe sich damit weiter fortgesetzt, teilte die Nürnberger Behörde mit.

Allerdings spiele bei den kurz- oder längerfristig zu besetzenden Jobs nicht nur die gesamtwirtschaftliche Lage eine Rolle, räumte die Bundesagentur ein. Angesichts der noch immer guten Arbeitsmarktlage wechselten mehr Beschäftigte als sonst die Stelle. Als Folge dieser Fluktuation gebe es mehr offene Stellen, die zudem oft länger unbesetzt blieben.

Auch Volkswirte deutscher Großbanken gehen vorerst von einer stabilen Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus - der eingetrübten Konjunktur zum Trotz. "Bis zum Jahresende rechnen wir noch mit einem leichten Plus beim Beschäftigungsaufbau. Dann dürfte sich die Dynamik aber abschwächen", kommentierte der Chefvolkswirt der KFW-Bankengruppe, Jörg Zeuner.

Die neusten Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit an diesem Dienstag (30. September) in Nürnberg präsentieren.

Besonders für den September zeigen sich die Fachleute optimistisch. Für den zu Ende gehenden Monat rechnen sie mit einem saisonbedingt stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit - und zwar um rund 125 000 auf rund 2,775 Millionen. Dies wären etwa 75 000 weniger als vor einem Jahr. Selbst nach Abzug jahreszeitbedingter Effekte erwarten die Fachleute sinkende Arbeitslosenzahlen - wenn auch nur um 5000 bis 10 000.

"Wir sind relativ optimistisch und rechnen damit, dass der Arbeitsmarkt vorerst weiter gut laufen wird", ist auch DZ-Bank-Volkswirt Richard Holstein überzeugt. Ähnlich sieht das auch HypoVereinsbank-Volkswirt Andreas Rees, der allerdings für September lediglich mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 114 000 rechnet: "Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist sehr robust".

Von einem "intakten Trend" spricht auch der Bayern-LB-Volkswirt Stefan Kipar. Allerdings schränkt er ein: "Es hat in den letzten Monaten einen leichten Bremseffekt gegeben - unter anderem wegen des Ukraine-Konflikts und des schwachen zweiten Quartals". Für das Jahresende rechnet er daher mit "Schwächetendenzen".© dpa