Luxemburg (dpa) - Die deutschen Fischer dürfen 2015 deutlich mehr Hering in der Ostsee fangen als im laufenden Jahr. Darauf haben sich die zuständigen EU-Minister am Montagabend in Luxemburg geeinigt.

Kürzungen gibt es hingegen bei den Fangmengen für Sprotte, Lachs und Dorsch - beim Dorsch aber nicht so heftig wie von Deutschland befürchtet. Die erlaubte Fangmenge für die Scholle bleibt unverändert gegenüber dem Vorjahr. Das teilten EU-Diplomaten mit.

Die Umweltorganisation Greenpeace reagierte unzufrieden: Ausgelaugte Bestände würden weiterhin überfischt. Dies schade der Umwelt ebenso wie den Interessen der Fischer.

Von Deutschland und dem Deutschen Fischerei-Verband kritisierte heftige Kürzungen der Fangmengen beim Dorsch blieben zumindest in der westlichen Ostsee aus. Hier hatte die EU-Kommission Kürzungen um nahezu die Hälfte vorgeschlagen, die Minister einigten sich auf etwa 7 Prozent weniger. In der östlichen Ostsee müssen die Dorschfischer hingegen um 22 Prozent zurückstecken. Grund seien mangelnde Daten zum Zustand der Bestände, erklärte ein Diplomat. Daher gelte das Prinzip "im Zweifel für den Fisch".

Beim Hering verständigten sich die Minister auf einen Anstieg der erlaubten Fangmenge um 12 Prozent in der westlichen und um 45 Prozent in der östlichen Ostsee. Die Fangmenge für die Sprotte sinkt um 11 Prozent, die Menge für den Lachs schrumpft fast überall um 10 Prozent. Die vereinbarten Zahlen können sich noch leicht verändern, weil sich die EU noch mit dem Ostsee-Anrainer Russland abstimmen muss - solche Veränderungen fallen nach Angaben von Diplomaten aber in der Regel in der Ostsee äußerst gering aus.

Die EU-Staaten einigten sich auch auf Entlastungen für Fischer angesichts des russischen Importstopps für viele westliche Lebensmittel. Unter anderem Großbritannien und Irland haben damit einen wichtigen Absatzmarkt für ihren Fisch verloren. Deshalb dürfen die europäischen Fischer für bestimmte Fischbestände einen größeren Teil ihrer genehmigten Fangmengen als normalerweise erlaubt "mitnehmen" in das kommende Jahr.© dpa