London/Peking (dpa) - Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat vor erheblichen Risiken für den chinesischen Finanzsektor gewarnt.

"Ein Einbruch wichtiger Vermögenswerte in China könnte die Wirtschaft und den Finanzsektor destabilisieren, wenn keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen werden, um das Vertrauen der Investoren zu erhalten", hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Agentur. Chinas Finanzwirtschaft stehe ein hartes Jahr bevor.

S&P sieht etwa die Gefahr zunehmender Unternehmensinsolvenzen. Sollte die Regierung in Peking mit Rettungsmaßnahmen gegensteuern, gehe das vermutlich auch auf Kosten des Bankensektors. "Wir erwarten daher, dass sich die Kreditqualität über den Finanzsektor hinweg verschlechtern wird, insbesondere für kleinere Marktteilnehmer."

Zudem könnten auch die Wirtschaftsreformen der Regierung die Gewinnlage in der Industrie und im Bankensektor und somit das Investorenvertrauen belasten, heißt es in dem Bericht weiter. Sollte das Vertrauen in die Immobilien- und Anleihemärkte beschädigt werden, würden die Risiken für die Finanzbranche in besonderem Maße erhöht.

Auch die Regierungspolitik wird von der Ratingagentur kritisiert. So würden die Reformbemühungen gegenwärtig auf der Grundlage eines "Versuch-und-Irrtum"-Ansatzes betrieben. Wenn etwas nicht zu funktionieren scheine, könne die Führung die Maßnahmen einfach wieder rückgängig machen. Auch das berge das Risiko großer wirtschaftlicher und politischer Folgekosten für die Finanzbranche. Dabei verwies S&P auf die Turbulenzen an den chinesischen Aktien- und Währungsmärkten seit Mitte 2015. Kritiker sehen auch eine Mitschuld der Regierung.© dpa