Frankfurt/Berlin (dpa) - Konkrete neue Streiktermine gibt es zwar nicht. Reisende müssen sich an Flughäfen und Bahnhöfen aber weiterhin auf Behinderungen gefasst machen.

So halten die Piloten der Lufthansa an ihrer generellen Streikdrohung fest. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will aber weiterhin einen Ausstand erst einen Tag zuvor ankündigen. "Es ist klar, dass der Arbeitgeber Gegenmaßnahmen startet, wenn er davon erfährt", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg der dpa.

Im Tarifstreit bei der Bahn erwartet die Lokführergewerkschaft GDL bei der laufenden Urabstimmung eine hohe Zustimmung für einen Arbeitskampf. Konkrete Streiktermine gibt es noch nicht. Die Gewerkschaften hatten am Freitag allerdings versichert, den Betrieb in beiden Unternehmen nicht gleichzeitig lahmlegen zu wollen.

Der "Bild"-Zeitung sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky: "Die Beteiligung ist überwältigend. Das heißt: Die Mitglieder stehen voll hinter uns." Am Donnerstag will die GDL das Ergebnis der Urabstimmung bekanntgeben. Die GDL plant nach eigenen Angaben aber keine unbefristeten Ausstände und will die Kunden dann rechtzeitig über mögliche Streiks informieren. In der laufenden Tarifrunde hatte es schon zwei Warnstreiks gegeben. Seinerzeit hielt die Gewerkschaft eine Vorwarnzeit von etwa 14 Stunden für angemessen.

Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Außerdem will sie auch für andere Berufsgruppen bei der Bahn verhandeln dürfen, die bisher von der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten werden.

Festgefahren ist auch der Tarifstreit bei der Lufthansa, der sich um die Versorgung von rund 5400 Piloten beim Übergang in den Ruhestand dreht. Streiks sollten laut Gewerkschaft Cockpit am Vortag angekündigt werden. Die VC hat bereits bei vier Streikwellen 4300 Flüge ausfallen lassen, Hunderttausende Reisende waren betroffen.

Die Lufthansa erwägt aus Spargründen den Einsatz externer Piloten auf Langstrecken. Einen ersten Versuch wolle Airline-Chef Carsten Spohr von November 2015 an bei dem neuen Günstigableger mit dem Namen Jump starten, berichtete der "Spiegel". Maschinen vom Typ Airbus A340 würden an die Schweizer Fluggesellschaft PrivateAir verliehen und samt eidgenössischem Cockpit-Personal zurückgemietet. Mit diesem Bruch einer jahrzehntealten Konzerntradition könnten touristische Ziele wie Las Vegas oder Mauritius angeflogen werden - und Kosten gespart werden.

Eine Lufthansa-Sprecherin sagte auf dpa-Anfrage: "Es ist richtig, dass wir alternative Bereederungsmöglichkeiten für unsere 14 Airbus A340-300 prüfen." Weitere Details nannte sie nicht.

VC-Sprecher Handwerg bestätigte, dass der geplante Schritt nicht gegen gültige Tarifverträge verstoße. Allerdings könnten sich dann Kunden nicht mehr darauf verlassen, dass in einem Lufthansa-Cockpit auch tatsächlich Lufthansa-Piloten säßen. Das wäre ein Novum, sagte Handwerg. "Wir bedauern, dass man so vorgeht."

Unterdessen wollen die Piloten der französischen Fluggesellschaft Air France nach einem zweiwöchigem Streik ihren Arbeitskampf beenden. Die Bedingungen seien zwar noch nicht erfüllt, aber die Gewerkschaft sei sich ihrer Verantwortung bewusst, sagte ein Vertreter der größten Pilotengewerkschaft der französischen Nachrichtenagentur AFP. Die Gespräche sollten in ruhigerem Rahmen fortgesetzt werden. Der Flugverkehr könnte damit in zwei bis drei Tagen wieder normal laufen.© dpa