Berlin (dpa) - Nach dem sechsten Bahnstreik in drei Monaten bewegen sich beide Seiten nur langsam wieder aufeinander zu. Die Bahn fährt wieder nach Fahrplan, doch für wie lange? Bislang gibt es in dem Tarifkonflikt keinen Verhandlungstermin.

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, deutete ein Entgegenkommen an. "Sie wissen, dass wir kompromissbereit sind", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Die Züge fuhren unterdessen laut Bahn wieder nach Fahrplan, nur im Güterverkehr gebe es Probleme.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte ihren Ausstand am Samstagabend beendet - nach 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr. Am Sonntag fuhren noch viele Züge verspätet oder fielen aus. Beide Seiten bekundeten, bereit zu Verhandlungen zu sein.

Die Bahn nannte es ein gutes Signal, dass die GDL parallel zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit der Arbeitgeberseite verhandeln wolle. "Unser Interesse, durch Verhandlungen faire Lösungen zu finden, ist unverändert hoch", sagte die Sprecherin. Weselsky unterstrich: "Wenn wir fünf Prozent fordern, bildet sich niemand in der GDL ein - auch nicht der Vorsitzende - dass wir fünf Prozent bekommen."

Nach Ende des GDL-Streiks kehrt Normalität auf den Schienen ein.

Gefragt, ob eine Einigung vor Weihnachten möglich sei, sagte der Gewerkschaftschef: "Sicherlich ist eine Einigung möglich, wenn wir endlich über die Inhalte verhandeln können." Das verweist jedoch auf den Punkt, in dem die GDL nach wie vor nicht nachgeben will: Sie will für das gesamte Zugpersonal verhandeln, nicht nur für die Lokführer.

Für Zugbegleiter verhandelt aber schon die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Bahn will verhindern, dass es in einer Berufsgruppe konkurrierende Tarifverträge gibt. Über diesen Punkt waren die Verhandlungen mit der GDL bislang nie hinausgekommen.

Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner warnte vor weiteren Streiks. Als Grund nannte er die mangelnde Kompromissbereitschaft des GDL-Vorsitzenden. "Ich befürchte, wenn diese Haltung weiter so besteht, wird es zu weiteren Streiks kommen", sagte Kirchner im "Deutschlandfunk".

Der GDL-Bezirksvorsitzende für Berlin, Sachsen und Brandenburg, Frank Nachtigall, drohte im RBB-Radiosender radioeins: "Wenn die Bahn nicht nachgibt, ist das einzige Mittel, was der GDL zur Verfügung stehen würde, der Streik."

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