Wie geht es weiter mit der angeschlagenen deutschen Handelskette Karstadt? Darüber weiß wohl nur der neue Eigentümer René Benko und sein engster Kreis Bescheid. Der Tiroler arbeitete sich aus dem Nichts zu einem Immoblienbaron hoch. Wie stellen den Mann vor,der hinter Karstadt steht.

Er hat geschafft, wovon so viele träumen. René Benko, geboren in Innsbruck, Sohn eines Gemeindebediensteten und einer Erzieherin, hat aus dem Nichts ein Imperium aufgebaut. Mit 17 Jahren brach er die Handels- und Wirtschaftsakademie ab und sammelte im Unternehmen eines befreundeten Baumeisters erste Erfahrungen in der Immobilienbranche. Seine 1999/2000 gegründete Signa-Gruppe spezialisiert sich heute auf Luxusimmobilien in Spitzenlagen und bietet Projektentwicklung und Immobilienfonds für Anleger.

Im Vergleich zu den meisten mächtigen Wirtschaftsbossen wirkt Benko jugendlich, ist jedoch trotz seiner 37 Jahre bereits zum zweiten Mal verheiratet und Vater dreier Kinder. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten mit Größen aus der Wirtschaft. Ähnlich wie Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz oder Unternehmer und Milliardär Martin Schlaff ist er für die Medien kaum greifbar und gibt so gut wie keine Interviews.

Immobilien-Imperium

Einen Namen gemacht hat sich René Benko durch Großprojekte wie den Neubau des Kaufhauses Tyrol oder als Investor des mittlerweile wieder verkauften "BIGG Outlet Center" Parndorf – eines der größten Fabrikverkaufs-Einkaufszentren Europas. Zudem erwarb seine Signa-Holding Immobilien in Wiens bester Innenstadtlage. Das "Goldene Quartier" gestaltete er grundlegend um, untergebracht sind nun Marken wie Armani, Louis Vuitton oder Roberto Cavalli. Aus der pompösen einstigen Länderbank-Zentrale in Österreichs Hauptstadt machte er das "Park Hyatt Hotel". Zudem verfolgt der erfolgreiche Unternehmer offensichtlich die Strategie, sich zusätzlich im Ausland zu etablieren. Er bietet beispielsweise Luxusressorts am Gardasee an und übernahm Stück für Stück das angeschlagene deutsche Warenhandelshaus Karstadt. Im Jahr 2013 erwarb die Signa-Gruppe die Mehrheit am Sportartikelhändler "Karstadt sports" und an "Karstadt Premium".

In Österreich steht das Vorbild für die Zukunft des Handelsriesen.

Eine Niederlage musste Benko im August desselben Jahres einstecken. Ein Wiener Gericht sah es als erwiesen an, dass er gemeinsam mit seinem Steuerberater eine verbotene Intervention in einer Steuerangelegenheit in Italien vornahm. Der Tiroler wies alle Vorwürfe zurück und wurde dennoch zu einer einjährigen bedingten Haftstrafe verurteilt. Kurz darauf zog er sich aus der operativen Führung des Signa-Konzerns in den Beirat zurück. Im Sommer 2014 übernahm Signa schließlich die komplette "Karstadt Warenhaus GmbH".

Skepsis der Deutschen

"Möchtegern-Retter auf Bewährung" titelte die "Frankfurter Allgemeine" zu Benkos Karstadt Übernahme. In Deutschland beobachtet man die Bestrebungen des Österreichers mit großer Skepsis. Immerhin hängen tausende Jobs von seinen Absichten ab. Unsere Redaktion stellte eine Interviewanfrage und wollte von Rene Benko erfahren, welche Motivation hinter seiner Übernahme steckt, welche Ziele er damit verfolgt und wie viel Personalabbau es zukünftig tatsächlich geben wird. Die Antwort des Signa-Pressesprechers fiel etwas kurz aus: "Herzlichen Dank für das Angebot betreffend Interview, dass ich aber ablehnen muss. Wie Sie vielleicht feststellen konnten, gibt es keine Interviews mit Herrn Benko zu dieser Fragestellung."

Die neuen Verantwortlichen bei Karstadt betonten, wie wichtig es sei, beim Unternehmen wieder Ruhe einkehren zu lassen. Davon ist man weit entfernt. Der Karstadt-Betriebsrat wirft dem Management vor, ihnen ein "Paket der Grausamkeiten" abzuverlangen. So berichtet das Nachrichtenportal "Spiegel Online" aktuell über den geplanten Abbau von rund 2.000 Vollzeitstellen und mögliche finanzielle Folgen für die derzeit noch rund 17.000 Karstadt-Beschäftigten. Bislang stehe fest, dass sechs Filialen geschlossen werden. Allein in den Geschäftsjahren 2011/2012 und 2012/2013 seien Karstadt Verluste von 300 Millionen Euro entstanden.

Weiterer Haftprüfungstermin soll nächste Woche stattfinden.

Was die Zukunft betrifft, schätzen Handelsexperten laut "Kurier", dass Benko 1,5 Milliarden Euro in Karstadt investieren müsste, um das Unternehmen wieder konkurrenzfähig zu machen. Sie gehen davon aus, dass der Tiroler jene Kaufhäuser, die geschlossen werden, in gewinnbringende Büro- und Wohngebäude umwandeln könnte. Ist Karstadt vielleicht eines Tages saniert, wäre die Kette laut "Kurier" ein Kaufkandidat für die erfolgreiche "Metro"-Tochter "Kaufhof". Gespräche dazu gab es bereits 2011. Diese wurden jedoch von Metro beendet.

Wie Benko tatsächlich tickt, lässt sich vielleicht aus zwei Zitaten seiner seltenen Interviews ableiten. In einem Gespräch mit der Onlineausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung "WAZ.de" meinte er selbstbewusst: "Geld kommt wenn man Erfolg hat. Wer Geld anstrebt, wird es aber nie zu einem großen Vermögen bringen." Und wohl an alle gerichtet, die Benko skeptisch gegenüber stehen, sagte er zu dem Nachrichtenmagazin "News.at": "Ich habe immer einen Plan."