Seit dem Sommer 2014 sind die Ölpreise um mehr als 70 Prozent Prozent gefallen. Ein dramatischer Rückgang – aber nicht untypisch für den Ölmarkt. Deswegen glauben Experten auch, dass der Preis bald wieder steigen wird.

Ihren bisherigen Höchststand erreichten die Ölpreise im Juli 2008. Damals kosteten etwa die Referenzölsorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) fast 150 US-Dollar pro Barrel (etwa 159 Liter).

Doch schon wenig später stürzten die Werte ab: Im Dezember 2008 lagen sie bei rund 36 US-Dollar. Der Ölmarkt ist volatil, das heißt, er hat des Öfteren starke Ausschläge nach oben oder unten.

Die Gründe für den Preisabsturz damals waren die Finanzkrise und schlechte Konjunkturaussichten.

Solche Ereignisse haben Auswirkungen auf die Nachfrage nach Öl – und Angebot und Nachfrage sind (neben der Qualität des Öls) die wichtigsten Faktoren für den Preis.

Die Annäherung Irans an den Westen ist spannend. Die Folgen sind unklar.

Gehandelt wird überwiegend direkt

Gehandelt wird Öl nach wie vor größtenteils Over-the-Counter (OTC), also direkt zwischen Lieferanten und Händlern.

Der kleinere Teil des Handels läuft über internationale Börsen, etwa den New York Mercantile Exchange (NYMEX).

"Die Börsen", erklärt Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), "haben im Ölgeschäft in etwa die Funktion der Tankstelle im Lebensmittelhandel: Wenn es Engpässe gibt und man noch schnell was zu essen kaufen möchte, geht man zur Tankstelle."

Dennoch sind die Börsenpreise die Richtwerte für den OTC-Handel zwischen den Lieferanten und Händlern.

Wie die Ölpreise zustande kommen, hat sich über die vergangenen Jahrzehnte stark geändert.

Von 1973 bis zum Beginn der 1980er Jahre, schreibt der Mineralölwirtschaftsverband, kontrollierte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) die Preisbildung.

Es gab einen "Official Selling Price", der von den staatlichen Ölgesellschaften festgelegt wurde.

Ende der Sanktionen gegen den Iran hat weitreichende Folgen.

OPEC-Staaten haben an Einfluss verloren

Mit ihren 13 Mitgliedsstaaten (darunter Saudi-Arabien, Kuwait, Venezuela und der jetzt wieder auf dem internationalen Markt präsente Iran) produziert die OPEC heute etwa 40 Prozent des Erdöls weltweit.

Sie hat zwar an Einfluss verloren – auch weil die Konkurrenz, etwa aus Russland und den USA zugenommen hat. Eine nicht zu vernachlässigende Marktmacht hat sie aber noch immer.

Die ist derzeit wieder spürbar, denn anders als in der Vergangenheit bei niedrigen Ölpreisen verringert die OPEC dieses Mal die Ölförderung nicht, sondern bleibt auf einem hohen Level.

"Man spekuliert darauf, dass die USA künftig weniger Öl fördern", sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

"Die Fracking-Industrie leidet seit dem deutlichen Preisverfall und schließt immer mehr Förderstätten."

Da die Nachfrage derzeit ebenfalls schwächelt, gibt es ein Überangebot. Die Nachfrage wiederum hängt unter anderem davon ab, wie es den ölimportierenden Ländern wirtschaftlich geht.

In China hat sich die Wirtschaft zum Beispiel nicht so positiv entwickelt wie erwartet, die Nachfrage nach Erdöl aus dem Land bleibt also ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.

In den vergangenen Jahrzehnten haben aber auch andere Faktoren die Nachfrage beeinflusst, etwa die Erschließung erneuerbarer Energiequellen.

Das heißt aber nicht, dass global gesehen das Verlangen nach Erdöl nachlässt: "Die weltweite Nachfrage nach Öl steigt tendenziell von Jahr zu Jahr", sagt Frondel.

Finanzexperte prophezeit beispiellosen Crash der Weltwirtschaft.

Spekulationen beeinflussen den Preis

Neben Angebot und Nachfrage spielen seit einiger Zeit aber auch Spekulationen eine immer wichtigere Rolle für die Entwicklung der Ölpreise.

Kemfert macht sie für den aktuellen Preisverfall verantwortlich: "Anleger und Investoren sowie Spekulanten erwarten wirtschaftliche Einbrüche, das reflektiert sich auch im Preis."

Die Marktdaten änderten sich kaum, wohl aber der Ölpreis – für Kemfert ein Zeichen, dass die globalen Spekulationen die Ölpreisschwankungen maßgeblich beeinflussen.

Zu diesen Spekulationen gehört der sogenannte Handel mit Terminkontrakten ("Futures").

Ursprünglich dienten Terminkontrakte ausschließlich dazu, dass die Marktteilnehmer, wie etwa Fluggesellschaften, sich gegen Preisschwankungen absichern.

Nämlich indem sie eine bestimmte Menge an Öl zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis kauften.

Für die meisten Akteure sei der Handel mit Ölterminkontrakten aber ein finanzielles Betätigungsfeld, schreibt der Mineralölverband.

"Sie haben kein Interesse am Besitz des Öls, sondern versuchen, Preisänderungen vorherzusehen und daraus ihren Nutzen zu ziehen."

Dabei erfüllen die Spekulanten durchaus eine wichtige Funktion: Sie bringen mehr Geld in den Markt.

Allerdings besteht auch die Gefahr, dass, wie Claudia Kemfert sagt, die Märkte auf nachteilige Entwicklungen "nahezu hysterisch" reagierten.

Ölpreis-Tief gut für die deutsche Wirtschaft

So schlecht die niedrigen Ölpreise für die meisten ölproduzierenden Länder sind (vor allem für jene, die nicht wie Saudi-Arabien relativ billig fördern), für die deutsche Wirtschaft sind sie erst einmal gut.

So freuen sich die Verbraucher über niedrige Benzin- und Heizölpreise und haben potenziell mehr Geld für den Konsum anderer Güter übrig.

Auch viele Unternehmen profitieren: Sie haben niedrigere Energiekosten und damit höhere Gewinne.

Allerdings glauben Experten nicht an ein Langzeit-Tief der Ölpreise. "Sie werden in absehbarer Zeit wieder steigen", sagt Manuel Frondel.

Denn wegen der niedrigen Preise haben die Ölförderer ihre Investitionen zur Erschließung neuer Ölquellen erst einmal gestoppt.

"Öl wird also in Zukunft knapper werden und der Preis demzufolge steigen." Am Freitagmittag lagen die Preise für Brent und WTI bei knapp über 30 US-Dollar.