München/Berlin (dpa) - Im Konflikt zwischen Amazon und der Gewerkschaft Verdi ist weiter keine Einigung in Sicht. Am Donnerstag setzten Beschäftigte des Online-Versandhändlers ihren Streik den vierten Tag in Folge fort. Amazon sprach von einer "abnehmenden Streikbereitschaft".

Dem Aufruf der Gewerkschaft seien mit Beginn der Frühschicht weniger als 700 Mitarbeiter gefolgt. "Kunden werden den Streik nicht spüren", erklärte das Unternehmen mit Verweis auf sein europäisches Netzwerk aus 28 Logistikzentren. Verdi wollte ihre Beteiligungszahlen am Nachmittag vorlegen.

Die Gewerkschaft hat seit Montagmorgen an den Amazon-Standorten zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Sie versucht seit mehr als einem Jahr vergeblich, das Unternehmen mit Streiks zu Tarifverhandlungen zu den als günstiger gewerteten Bedingungen des Einzelhandels zu bewegen.

Eva Völpel, Sprecherin des Verdi-Bundesvorstandes, bestätigte, dass an den Standorten in Bad Hersfeld, Leipzig, Graben bei Augsburg und Rheinberg in Nordrhein-Westfalen gestreikt wurde. Die Streiks würden auch den Rest der Woche durchgezogen. In Graben und Rheinberg bis zum Ende der Spätschicht am Freitagabend, weil dort am Samstag Feiertag sei. In Bad Hersfeld bis in den späten Samstagabend. In Leipzig sei heute beschlossen worden, dass ebenfalls dort am Samstag die Arbeit niedergelegt werde, dort sei am Freitag ein Feiertag. Nicht mehr gestreikt werde in Werne.

Völpel sagte der dpa: "Solange sich Amazon nicht bewegt, wird es weiter Streiks geben." Das gelte auch für das Weihnachtsgeschäft. Von Verdi sei festgestellt worden, "dass es durchaus zu Lieferverzögerungen kommt."

Amazon sieht sich als Logistikunternehmen und lehnt die Forderung von Verdi ab. "Mitarbeiter der Amazon Logistikzentren machen typische Logistikarbeit", erklärte das Unternehmen. "Sie nehmen Ware aus Regalen, verpacken und versenden sie." Den Mitarbeitern würden Löhne gezahlt, "die sich am oberen Ende dessen orientieren, was für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt wird".© dpa