Verdient ein Topmanager, was er verdient? Und wie viel verdient er überhaupt? Transparenz wird seit einigen Jahren groß geschrieben. Doch der Teufel steckt im Detail.

Deutschlands Topmanager verdienen Millionen - so viel steht fest. Kam ein Arbeitnehmer 2015 im Schnitt einschließlich Weihnachtsgeld und anderer Sonderzahlungen auf 47.752 brutto, lagen die Vergütungen der Dax-Lenker Studien zufolge bei rund 5 Millionen Euro.

Werden Nebenleistungen und die komfortable Altersversorgung der Spitzenmanager berücksichtigt waren es dem Beratungsunternehmens hkp-Group zufolge im Schnitt 5,86 Millionen Euro, knapp ein Prozent weniger als im Vorjahr. Spitzenverdiener Daimler-Chef Dieter Zetsche kam nach dem Rekordjahr des Autokonzerns je nach Berechnung auf 9,7 Millionen Euro oder auf mehr als 14 Millionen. Welche Zahlen stimmen nun?

Das ist eine Frage, was bei der Betrachtung berücksichtigt wird. Am besten Aufschluss gibt nach Einschätzung von hkp-Partner Michael Kramarsch die sogenannte Zuflusstabelle, die unter anderem die Altersversorgung enthält. Die Dax-Konzerne sollen die Tabelle auf Empfehlung des Corporate Governance Kodex veröffentlichen, müssen es aber nicht. Bis auf BMW und Merck sind alle Börsenschwergewichte der Empfehlung gefolgt.

Die Bestimmungen des Handelsbesetzbuches zur Transparenz der Vorstandsvergütungen seien hingegen lückenhaft, kritisiert Kramarsch. Der Gesetzgeber verhindere praktisch die notwendige Klarheit, weil er die Altersversorgung nicht als Teil der Gesamtvergütung definiere und keine einheitlichen Bestimmungen für langfristige Boni festlege.

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"Am nachvollziehbarsten ist, was ein Vorstand tatsächlich bekommen hat und nicht was ihm versprochen wird", argumentiert auch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Eon und RWE

Wie die Altersversorgung und langfristige Boni zu Buche schlagen, zeigen die Beispiele der Energieversorger Eon und RWE. Die Gesamtvergütung von Eon-Chef Johannes Teyssen stieg nach hkp-Berechnungen im vergangenen Jahr um 33 Prozent auf rund 4,2 Millionen Euro - trotz eines Rekordverlustes von sieben Milliarden Euro.

Amtskollege Peter Terium, Chef des RWE-Konzerns, kam demnach auf 3,7 Millionen Euro (plus 11 Prozent). RWE war 2015 mit einem Fehlbetrag von 170 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht. Den Aktionären streicht das Unternehmen weitgehend die Dividende, was vor allem die kommunalen Anteilseigner hart trifft.

Eon weist daraufhin, dass der Versorgungsaufwand im vergangenen Jahr aufgrund von Zinseffekten gestiegen sei. Zudem sei ein langfristiger Bonus ausgezahlt worden. Die aktuelle Tantieme sei dagegen gesunken. Bei RWE erhielt Vorstandschef Terium den Angaben zufolge erstmals einen Teil der für drei Jahre zurückgehaltenen variablen Vergütung ausbezahlt.

"Die Belohnung von langfristigen Erfolgen, die schon etwas zurückliegen, zeigt die Systemschwäche", erläutert Aktionärsvertreter Kurz. Die langfristigen Boni sollen verhindern, dass Topmanager dem kurzfristigen Erfolg hinterherjagen.

Atomausstieg, Energiewende und die Diskussion um einen Kohleausstieg hätten zwar tiefe Spuren in den Bilanzen der Energieversorger hinterlassen, sagt Kramarsch. Aber: "Wer in guten Jahren den Erfolg für sich vereinnahmt, muss auch in schlechten Jahren den Misserfolg gegen sich wirken lassen."

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Der Aufsichtsrat der Deutsche Bank strich der Führungsetage dagegen nach einem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro die Boni.

"Alles andere wäre nur schwer zu vermitteln und hätte die neuen Vergütungsvorgaben für Banken mit Füßen getreten", sagt Kramarsch.

Insgesamt gesehen orientiere sich die Entwicklung an den Unternehmensgewinnen. "Nach dem Rekordjahr 2014 sind die durchschnittlichen Gewinne der DAX-Unternehmen gesunken und mit ihnen auch die Vergütung – da stimmt das Verhältnis von Erfolg und Vergütung", sagt Kramarsch.

Weitere Topverdiener

Weitere Topverdiener waren demnach der Chef des Medizinkonzerns Fresenius, Ulf Schneider, mit 13,89 Millionen Euro Gesamtvergütung und HeidelbergCement-Lenker Bernd Scheifele mit 9,71 Millionen Euro. Commerzbank-Chef Martin Blessing lag mit 1,12 Millionen Euro am Ende des Rankings.

Mit Spannung wird die Veröffentlichung des VW-Geschäftsberichts Ende April erwartet. "Ich kann mir nicht vorstellen dass wir bei der Vergütung das letztjährige Niveau sehen werden", erwartet Kramarsch.

Wenn sich der Dieselskandal nicht in der Vorstandsvergütung niederschlage, widerspräche das allen Prinzipien von Verantwortungsübernahme.© dpa