Wolfsburg (dpa) - Die Forderung von Volkswagen-Chef Winterkorn nach "wirksamen und auch schmerzhaften" Bemühungen für mehr Renditekraft bei der Pkw-Kernmarke sorgen seit Sommer für Aufruhr. Nun nennt er im "Spiegel" erste Ideen für das Sparprogramm. Doch Ansätze gibt es auch beim Betriebsrat.

Drei Monate nach der milliardenschweren Sparansage für die Pkw-Kernmarke im Volkswagen-Konzern haben Unternehmensspitze und Betriebsrat erste Ansätze für einen Renditeschub präsentiert. Konzernchef und Markenlenker Martin Winterkorn kündigte im "Spiegel" an, VW-Pkw mit Modellen wie Golf und Passat werde künftig auf die kaum nachgefragten Extraausstattungen verzichten. Auch die hohe VW-interne Leistung bei der Zulieferung stehe auf dem Prüfstand.

Mit Ansätzen wie diesen will der Autobauer die Komplexität in der zuletzt rasant wachsenden Marke verringern und dafür sorgen, dass die Abläufe von Forschung und Einkauf über die Produktion bis hin zur Organisation in Verkauf und Service stärker aus einem Guss sind.

Auch der VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh meldete sich zu Wort. "Auch wenn das nicht allen gefällt", sagte Osterloh, "Es liegt immer an denen, die die Entscheidungen treffen. Unsere Ingenieure oder Interieur-Designer machen nichts ohne Auftrag noch komplexer und noch variantenreicher." Seine Optimierungsansätze werde der Betriebsrat demnächst mit dem Management in einer Arbeitsgruppe besprechen.

"Wir werden Ende des Jahres erste Ergebnisse dazu haben, wie wir zu Verbesserungen kommen", kündigte Osterloh an. Als ein Beispiel nannte Osterloh den schwindenden Trend zu Cabrios mit Klappdach, so wie der VW-Eos. Die Verkäufe dieses Modells sind inzwischen um mehr als die Hälfte eingebrochen. "Wenn der Kunde solche Fahrzeuge nicht mehr nachfragt, dann wäre es widersinnig, sie weiter zu bauen", sagte Osterloh. Winterkorn äußerte sich ganz ähnlich im "Spiegel".

Zur Atmosphäre der im Herbst anstehenden Debatte um die Sparchancen sagte Winterkorn dem Magazin: "Natürlich wird es Diskussionen geben. Aber wir erarbeiten kein Sparprogramm, sondern ein Effizienzprogramm. Es geht nicht einfach darum, Budgets zu kürzen. Es geht darum, die Ertragskraft nachhaltig zu steigen. Wir werden uns einigen. Es geht nur miteinander." Er wolle seine Belegschaft hinter sich wissen.

Ein Stein auf diesem Weg scheint inzwischen ausgeräumt: Der Einsatz der Unternehmensberatung McKinsey ist laut Osterloh vom Tisch. "Wir können das ohne externe Berater am besten", sagte er. "Das ist auch die gemeinsame Marschrichtung mit dem Vorstand."

Die verlangten Mühen zur Kostendämpfung sind für Osterloh indes kein Grund für falsche Bescheidenheit bei der nahen Haustarifrunde, bei der es von Februar an für mehr als 100 000 VW-Mitarbeiter um Zuwächse geht. "Keine Angst, da lassen wir uns vom Vorstand nicht hinter die Fichte führen", sagte Osterloh. Vieles hänge an Managementmängeln der Fabrikplaner. Die Mitarbeiter bügelten diese Unwuchten mit Mehrarbeit und Sonderschichten aus - daher sei Bescheidenheit fehl am Platze.

"Das Effizienzprogramm wird im Kern gemeinsam getragen. Im Detail werden wir streiten", sagte Osterloh. Die Arbeitnehmervertretung hat dem Vorstand mehr als 400 Seiten mit eigenen Optimierungskonzepten überreicht. "Die besten Berater im Unternehmen sind die Mitarbeiter und das Management", sagte Osterloh. Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Wochenende über seinen Vorstoß. "Wir bringen keine Opfer", sagte er dem Blatt mit Blick auf die Belegschaft.

Winterkorn sagte dem "Spiegel": "Wir werden kein Stammpersonal abbauen. Wir wachsen ja zum Glück und können deshalb, wenn die Produktivität steigt, mit derselben Mannschaft mehr Autos bauen. Vielleicht werden wir weniger Leiharbeiter einsetzen."

VW-Pkw kämpft mit dem eigenen Wachstum. "Wenn man sieben Jahre auf der Welle des Erfolgs schwimmt, läuft man Gefahr, dass Dinge aus dem Blickfeld geraten", sagte Osterloh. "Es wurde mal wieder Zeit, über Themen wie Variantenvielfalt und Komplexität zu reden." VW zählt nach dpa-Informationen mehr Außenspiegelvarianten als Automodelle.

Zuletzt lag die Rendite der Kernmarke, also der Betriebsgewinn im Verhältnis zum Umsatz, nur bei rund 2 Prozent. Bis 2017 sollen es 6 Prozent sein. Rund fünf Milliarden Euro müssen nun gespart werden.© dpa