Wiesbaden/Nürnberg (dpa) - Im wiedervereinigten Deutschland hatten im Vorjahr so viele Menschen eine Arbeit wie nie: Im Jahresdurchschnitt 2014 waren nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 42,6 Millionen Männer und Frauen mit Wohnort in der Bundesrepublik erwerbstätig.

Damit setzte sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) geht davon, dass die Entwicklung vorerst so weitergeht. Die Arbeitslosenzahlen für Dezember und das Gesamtjahr 2014 will sie am Mittwoch (7. Januar) veröffentlichen.

Nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Montag kletterte die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahr um 372 000 oder 0,9 Prozent. Diesen vorläufigen Berechnungen zufolge fiel der Anstieg höher aus als im Jahr 2013. Gleichzeitig gab es im achten Jahr in Folge einen neuen Höchststand bei der Zahl der Erwerbstätigen.

Begünstigt wurde die Entwicklung nach Einschätzung der Statistiker durch die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte und den Umstand, dass immer Frauen nach der Elternzeit stärker als früher wieder ins Berufsleben zurückkehrten. Zudem gingen ältere Beschäftigte später in Rente.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sieht Zuwanderer insgesamt nicht als Konkurrenz für heimische Langzeitarbeitslose auf dem Arbeitsmarkt. "Die Zuwanderer kommen oft mit einer guten Qualifikation und motiviert nach Deutschland", sagte Weise der Zeitung "Die Welt" (Montag). "Sie wollen als Fachkraft arbeiten, und hier haben wir auch viele offene Stellen."

Wenn es gelinge, die offenen Stellen mit Fachkräften zu besetzen, entstünden dadurch neue Jobs, sagte Weise: "Ein Projektleiter braucht Teamassistenten, und Aufträge werden hierzulande realisiert, die sonst möglicherweise ins Ausland gegangen wären." Unter dem Strich gebe es deshalb keine Konkurrenz mit Langzeitarbeitslosen. Der deutsche Arbeitsmarkt brauche Zuwanderer, betonte der Behördenchef.

Die Erwerbstätigkeit legte nach den Zahlen des Bundesamtes im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr in fast allen Wirtschaftsbereichen zu - vor allem im Dienstleistungssektor mit Berufen in Erziehung, Gesundheit, Handel, Verkehr und Gastgewerbe.

Zählt man jene dazu, die aus den Nachbarstaaten zur Arbeit nach Deutschland pendeln, liegt die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland sogar noch etwas höher - nämlich bei rund 42,7 Millionen.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet trotz des weiter schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zum Jahresbeginn 2015 mit einer weiteren Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Die große Mehrheit der 156 örtlichen Arbeitsagenturen gehe für das erste Quartal saisonbereinigt von einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit aus, berichtete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Montag, das die Agenturchefs monatlich befragt.

Als Hinweis auf die unverändert gute Arbeitsmarktlage wertet die Bundesagentur auch die aktuell starke Arbeitskräftenachfrage. Im Dezember 2014 habe es so viele freie Stellen gegeben wie selten zuvor. Die Bundesbehörde beruft sich dabei auf ihren ebenfalls monatlich ermittelten Stellenindex BA-X; dieser sei auf das höchste Niveau seit Einführung im Jahr 2004 geklettert.

Zurückhaltender fallen dagegen die Prognosen von Volkswirten deutscher Großbanken für 2015 aus. Zwar rechnen sie mit einem etwas kräftigeren Wirtschaftswachstum als 2014. Auf dem Arbeitsmarkt werde dies aber kaum ankommen. Im Jahresschnitt 2015 gehen die Fachleute von 2,90 Millionen bis 2,94 Millionen Arbeitslosen aus, was einer Stagnation oder sogar einem leichten Anstieg im Vergleich zu 2014 gleichkäme. Für Dezember rechnen die Fachleute mit einem stabilen Arbeitsmarkt. Nach ihren Berechnungen ist die Zahl der Erwerbslosen in dem Monat um 70 000 auf 2,787 Millionen gestiegen.© dpa