Mailand (dpa) - Die Teilnehmer des Europa-Asien-Gipfels in Mailand haben zu mehr internationaler Kooperation im Kampf gegen die Ebola-Epidemie aufgerufen.

In der Abschlusserklärung zum Spitzentreffen wird die Ausbreitung des Virus als "ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit auf der ganzen Welt" bezeichnet. Es müsse eine umfassende und koordinierte Strategie gegen die Krankheit geben, heißt es in dem Dokument.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte bei dem Spitzentreffen, die Epidemie könne zu einer "schwerwiegenden humanitären Katastrophe" werden. Das Virus sei "nicht nur ein Problem einiger westafrikanischer Staaten". An dem Gipfel nahmen rund 50 hochrangige Politiker aus Europa und Asien teil.

In Deutschland dringt der Bundestag auf weitere Hilfen für die betroffenen Staaten Westafrikas. Das Parlament forderte die Bundesregierung auf, Aufklärungs- und Hygienekampagnen in Afrika zu fördern. Außerdem soll untersucht werden, ob Deutschland die klinische Prüfung eines Impfstoffes gegen Ebola fördern und weitere Flugkapazitäten für den Transport von Geräten, Medikamenten und medizinischem Personal zur Verfügung stellen kann.

Einem Experten zufolge sind derzeit nur zehn der insgesamt etwa 50 Betten für Ebola-Patienten in deutschen Behandlungszentren gleichzeitig einsetzbar. Es könne maximal ein Fünftel der Patienten zur selben Zeit behandelt werden, sagte Tropenmediziner August Stich (Würzburg) der Nachrichtenagentur dpa. Es sei aus personellen Gründen nicht möglich, dass "alle sieben Behandlungszentren auf Volldampf laufen und voll belegt sind". Stich ist Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren. Ähnlich hatte er sich in der "Süddeutschen Zeitung" geäußert.

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums betonte jedoch, die Bundesländer hätten dem Ministerium 47 Spezial-Betten gemeldet. "Das ist die Zahl der insgesamt verfügbaren Betten, die im Bedarfsfall sehr schnell einsatzfähig sind." Die Sprecherin betonte: "Wir sind im internationalen Vergleich sehr, sehr gut aufgestellt."

Der Militäreinsatz der USA im Kampf gegen Ebola nimmt immer größere Dimensionen an: Bisher wurden 540 Soldaten nach Westafrika entsandt. "Jede Woche kommen mehr dazu", sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Donnerstag (Ortszeit) in Washington. Insgesamt sollen mindestens 4000 US-Militärs in der Region zum Einsatz kommen. Die Soldaten sollen unter anderem logistische Unterstützung leisten und medizinisches Personal schulen.

Auch in Afrika wächst die Unterstützung für den Kampf gegen die verheerende Epidemie im Westen des Kontinents. Mehr als 600 Pflegekräfte, Ärzte und andere Helfer aus den Staaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) werden zum Einsatz in die Krisenregion entsandt. Das teilten die fünf EAC-Mitglieder Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda und Burundi mit.

Indes lehnte US-Präsident Barack Obama Einreiseverbote für Menschen aus den Ebola-Krisenländern ab. Er habe zwar keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen solche Verbote. Eine solche Maßnahme sei aber weniger effektiv als Tests an US-Flughäfen bei Reisenden aus Westafrika. Möglicherweise werde er einen "Ebola-Zaren" - einen Top-Koordinator zur Bekämpfung der Seuche - ernennen.

Mehrere Karibikstaaten wollen sich mit einem Einreiseverbot gegen Reisende aus Westafrika vor möglichen Ebola-Infektionen schützen. Jamaika verhängte die Sperre ab sofort für Menschen, die sich in den letzten 28 Tagen in Sierra Leone, Guinea und Liberia aufgehalten haben, wie aus einer Mitteilung des Ministeriums für Nationale Sicherheit hervorging. Nach Medienangaben ergriffen sechs Länder des karibischen Staatenbundes Caricom ähnliche Maßnahmen.

In Spanien traten keine neuen Ebola-Fälle auf. Bei vier Patienten, die am Vortag in Madrid und auf Teneriffa mit Verdacht auf Ebola-Infektionen in Isolier-Stationen von Krankenhäusern eingeliefert worden waren, ergaben erste Tests negative Befunde. Dies gab Spaniens Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría in Madrid bekannt. Damit gibt es in Spanien weiterhin nur den einen Ebola-Fall der Madrider Pflegehelferin. Der Zustand der 44-Jährigen hat sich nach Angaben der Ärzte weiter gebessert.© dpa