Der rechtsextreme Terrorist Anders Breivik ist unzufrieden. So unzufrieden, dass er gegen den norwegischen Staat klagt. Es geht um schlechte Haftbedingungen im Hochsicherheitsgefängnis in Skien und gegen die Isolationshaft, in der er sich aufgrund seiner Anschläge vom 22. Juli 2011 befindet. Dabei gelten Norwegens Haftanstalten als recht komfortabel, so auch die Unterbringung Breiviks.

Anders Breivik hatte im Juli 2011 77 Menschen getötet, hauptsächlich Jugendliche eines Zeltlagers. Im August 2012 war er dafür zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

Breivik genießt ungewöhnlichen Haft-Luxus

Breivik beschwert sich nun über seine Haftumstände, genießt dabei allerdings Vorzüge, die im internationalen Vergleich nicht gerade üblich sind: Breivik darf telefonieren, Briefe verschicken und sein Essen selbst zubereiten. Doch das ist noch nicht alles.

Er verfügt über einen Computer ohne Internetanschluss und darf sich in drei Zellen bewegen: Eine Wohnzelle, eine zum Trainieren und eine zum Studieren.

Schließlich ermöglicht die Universität Oslo dem Amokläufer sogar, einige Module des Fachs Politik im Fernstudium zu belegen.

Ein Leben in Einzelhaft

Breiviks Haftbedingungen dürften beispielsweise für den US-Amerikaner Albert Woodfox nach paradiesischen Verhältnissen klingen: Der jüngst entlassene 68-Jährige durchlebte die Hölle der Isolationshaft für unfassbare 44 Jahre.

Statt mit Unterhaltungselektronik in drei Gefängniszellen, hauste er in einem drei Mal zwei Quadratmeter großen Verschlag.

Erst als seine Restriktionen gelockert wurden, durfte er Bücher lesen, die seine einzigen Begleiter wurden. Briefe, Playstation, genug Bewegungsfreiheit? Ziemlicher Luxus für einen Gefangenen, der sich in einem sehr entscheidenden Punkt von Anders Breivik unterscheidet.

Denn während der Norweger in der Top-10-Liste der brutalsten Massenmörder der vergangenen Jahre steht, ist Albert Woodfox ein Bankräuber, der einen Mord an einem Gefängniswärter begangen haben soll. Diesen konnte man ihm aber nie nachweisen, die Beweislage und Woodfoxs Schuld waren äußerst umstritten.

Dennoch verbüßte er knapp ein halbes Jahrhundert hinter den dicken Mauern des Hochsicherheitsgefängnisses Louisiana State Penitentiary, ehe er Anfang dieses Jahres entlassen wurde – auf Drängen eines Bundesrichters.

Es herrscht reine Willkür

Vergleicht man den Gefängnisstandard von Breivik mit dem von Woodfox, wirken die Forderungen des 77-fachen Mörders seltsam. Würde Breivik beispielsweise in den USA einsitzen, hätte er keine Unterkunft auf dem aktuell hohen Niveau.

Dort herrscht gewissermaßen die Willkür. Nicht Gerichte entscheiden über Isolationshaft und deren Dauer, es sind die Gefängnisdirektoren, die hier das Sagen haben und entscheiden, ob ein Gefangener beispielsweise in der 8,75 Quadratmeter großen Zelle des ADX Florence in Colorado sitzen muss.

Kein menschlicher Kontakt

Und die Bedingungen sind hier anders, als es Breivik in Norwegen erlebt. Die Möbel sind aus Beton, die Tür aus dickem Metall, lediglich ein kleiner Schlitz gewährt einen Blick auf den Himmel. Essensplatz, Toilette und Dusche, alles befindet sich innerhalb der Zelle.

Den körperlichen und seelischen Zustand der Gefangenen überprüfen die Wärter lediglich per Telefon – menschlichen Kontakt gibt es nicht.

Die Gefangenen werden teilweise bis zu 24 Stunden am Tag isoliert, im Durchschnitt mehr als acht Jahre lang. Der UNO-Sonderberichterstatter für Folter, Juan Mendez, hatte 2011 alle Staaten aufgerufen, die Isolationshaft abzuschaffen - doch vergebens.

Noch 2014 stellten die USA klar: "Wir wollen in Zukunft öfter Isolationshaft anwenden."

Frankreichs Horror-Knast

Doch auch in Europa gibt es Gefängnisse, die von Menschenrechtlern scharf kritisiert werden – und das sogar ohne Isolationshaft. Les Baumettes in Marseilles gilt als das Horrorgefängnis schlechthin. Die Häftlinge trinken Wasser aus der Toilette, das Essen ist ungenießbar und fliegt daher durch das Fenster.

Das wiederum zieht Ratten an, die tot oder lebendig den Boden bedecken. Das Gefängnis ist zu etwa 150 Prozent belegt und wird vom Europarat als schlimmste Haftanstalt Frankreichs bezeichnet.

"Das ist ein abstoßender Ort", hatte der ehemalige Menschenrechtskommissar des Europarates, Álvaro Gil-Robles, entsetzt festgestellt. "Mit Ausnahme von Moldawien habe ich niemals zuvor entsetzlichere Haftbedingungen erlebt. Unter diesen Bedingungen kommen die Menschen schlimmer heraus als sie hineinkamen."

Eine Tatsache mit der sich Anders Breivik in seinen drei Zimmern nicht befassen muss.

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