Der Schnee kommt - und mit ihm der Wintersport. Während sich Einheimische wie Touristen auf Skifahren, Rodeln und Tourengehen freuen, bricht für die heimische Umwelt die stressigste Zeit des Jahres an.

Am Wochenende ist Österreich mit dem Skiopening in Ischgl in die neue Saison gestartet. Für viele Menschen bedeutet das Leidenschaft, Bewegung und Zeitvertreib in wunderbarer Natur – für die Umwelt ist der Wintersport aber zumeist eine Katastrophe.

Allein der Bau neuer Skipisten oder Rodelbahnen belastet die Natur immens: Wälder werden gerodet, Bäume samt Wurzeln aus dem Boden gerissen und Boden planiert. Und genau hier liegt das erste Problem: Künstlich eingeebneter Boden ist nicht mehr in der Lage, genügend Wasser aufzunehmen. Dadurch steigt nicht nur die Gefahr von Überschwemmungen – Erosion, Schlamm- und Gerölllawinen sind ebenfalls die Folge. Die Rodung von Wäldern verstärkt diesen Effekt und vergrößert darüber hinaus die Lawinengefahr.

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Mitunter werden Felsen weggesprengt, weil sie der geplanten Skipiste im Weg stehen. Nicht selten werden außerdem künstliche Seen angelegt, aus denen sich die Schneekanonen speisen sollen. Angesichts des Klimawandels werden Schneekanonen gerade für tiefer gelegene Skigebiete immer wichtiger – zu Lasten des Wassers in den Bergregionen. Pro Hektar wird bei der künstlichen Beschneiung jährlich etwa eine Million Liter Wasser verbraucht - das entspricht in etwa dem Bedarf einer Großstadt wie Wien. In den Alpen führen einige Flüsse schon heute 70 Prozent weniger Wasser als vor Einführung der Schneekanonen – mit weitreichenden Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt rund um die Ski-Paradiese.

Schneekanonen machen Lärm wie eine Schnellstraße

Der Kunstschnee hat noch einen weiteren negativen Effekt für die Umwelt: Er ist wesentlich dichter als echter Schnee und dadurch weniger wasserdurchlässig - ein Problem für die Vegetation unter der Schneedecke. Und auch für die Tierwelt in den Bergen sind Schneekanonen problematisch. Sie verursachen ähnlich viel Lärm wie eine stark befahrene Straße.

Für die Tiere in alpinen Hochregionen ist das eine massive Stressbelastung. Der WWF weist darauf hin, dass viele Tiere im Winter ihren Stoffwechsel verlangsamen und auf eine ruhige Umwelt angewiesen sind, um die kalte Jahreszeit mit weniger Futter gut zu überstehen. Skifahrer, die abseits der Pisten unterwegs sind, erschrecken die Tiere oft unabsichtlich – bei ihrer Flucht verbrauchen Rehe, Hirsche und Hasen allerdings trotzdem zusätzliche Energie.

Neben der Belastung durch die Pisten an sich bringen auch immer größere Hotelanlagen in möglichst exklusiver Lage und die dafür benötigte Infrastruktur in großen Skigebieten große Umweltprobleme mit sich. Klar ist aber auch: Viele Orte sind wirtschaftlich auf den Skitourismus angewiesen – und haben in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel Geld investiert, um ihre Region zu einem attraktiven Skigebiet für Urlauber zu machen.

Ökologischen Fußabdruck klein halten

Was also können Skifahrer tun, um die verursachte Umweltbelastung möglichst gering zu halten? Der WWF empfiehlt unter anderem, nach Möglichkeit mit der Bahn statt dem Auto anzureisen und sich beim Skifahren selbst auf den ausgewiesenen Pisten zu bewegen. Außerdem weist der WWF darauf hin, dass es in allen Alpenländern Hotels gibt, die sich besonderen Umweltzielen verschrieben haben – in Österreich etwa werben viele Hotels mit dem "Österreichischen Umweltzeichen". Wer also umweltfreundlich winterurlauben will, sollte sich nach einem dieser Hotels umsehen.

Zusätzlich sollte man Skigebiete meiden, in denen exzessiv von Schneekanonen Gebrauch gemacht wird. Meist reicht ein kurzer Blick auf die Website des Skigebiets, um herauszufinden, woher der Schnee dort kommt. Mittlerweile gibt es sogar ganze Regionen, die sich

dem umweltbewussten Ski-Urlaub verschrieben haben. Dort verzichtet man zum Beispiel auf künstlich präparierte Pisten, bietet eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, nutzt erneuerbare Energien und lässt nur eine bestimmte Menge an Skifahrern auf den Berg, um eine Überfüllung zu vermeiden – was den Fahrgenuss nur verstärkt. Aktuell haben sich länderübergreifend 28 alpine Ferienorte zum Verein "Alpine Pearls" zusammengeschlossen – sie bezeichnen sich als die "Perlen" des umweltfreundlichen Skitourismus.

Fakt ist: Skifahren ist nicht besonders umweltfreundlich. Doch mit einigen Tipps und Tricks kann jeder Einzelne dafür sorgen, dass die Umwelt zumindest nicht stärker belastet wird als nötig.