Seit 1998 kreist die Internationale Raumstation ISS um unseren Globus. In den 16 Jahren haben die beteiligten Organisationen den Erdtrabanten fortlaufend ausgebaut. Ob das Hightech-Projekt eine Zukunft hat, ist ungewiss.

Für die nächsten Jahre ist der Fortbestand des Außenpostens der Menschheit im All gesichert: Noch bis zum Jahr 2020 laufen die aktuellen Verträge der ISS-Betreiber aus den USA, Russland, Europa, Japan und Kanada. Wie es mit der Raumstation danach weitergeht, steht jedoch in den Sternen. Einzig die USA haben ihr finanzielles Engagement bereits über 2020 hinaus verlängert. Bis 2024 sollen dann pro Jahr mindestens drei Milliarden US-Dollar (2,64 Milliarden Euro) fließen. Moskau dagegen will das Projekt nicht weiterentwickeln. Im Mai 2014 sagte der russische Vizeregierungschef Dimitri Rogosin der Agentur Interfax: "Wir gehen davon aus, dass wir die ISS derzeit nur bis 2020 benötigen."

Vor zwei Jahren ging die Ära der Spaceshuttles zu Ende. Am 8. Juli 2011 startete die Atlantis zu ihrem letzten Flug zur ISS. Die Nasa plant dennoch mit einigen Nachfolge-Systemen des Shuttle-Programms bald wieder in Eigenregie die ISS zu erreichen.

ISS: Die Nasa hat ein Transportproblem

Auch nach der Zusage der USA bis 2024 ist die Zukunft ungewiss. Die amerikanische Weltraumagentur Nasa ist nach dem Ende ihres Shuttle-Programms auf die russischen Sojus-Kapseln als Verbindung zur ISS angewiesen. Projekte wie Boeings CST-100, der Dragon von SpaceX, der Dream Chaser der Sierra Nevada Corporation sowie Nasas Orion stecken in den Kinderschuhen.

Die meisten Versuchsexemplare überleben die Forschungsreisen nicht.

Während das Raumschiff des US-Luftfahrt-Konzerns Boeing, die CST-100, noch weit von einer Einsatzfähigkeit entfernt ist, sieht es bei dem Dream Chaser (erster Testflug im November 2016) und beim Dragon V2 (Prototyp im Mai 2014 vorgestellt) besser aus. Am weitesten ist aber die Entwicklung beim Raumschiff Orion vorangeschritten. Nach einem ersten unbemannten Flug um die Erde im Dezember vergangen Jahres steht im September 2018 ein erster Test mit Astronauten an Bord bevor. Trotz optimistischer Prognosen ist es jedoch keineswegs sicher, dass im Jahr 2020 eines der US-Raumschiffe die Aufgaben der Sojus-Kapseln übernehmen kann. Der Internationalen Raumstation droht dann trotz der US-Zusage das Aus.

Für die Zukunft der bemannten Raumfahrt ist die ISS heute unverzichtbar. ESA-Astronaut Alexander Gerst hatte bei seinem Aufenthalt auf der ISS etwa intensiv die medizinischen Gefahren für Astronauten erforscht. Im All leiden Raumfahrer unter Koordinationsproblemen, einem geschwächten Immunsystem, müssen Knochen- und Muskelabbau hinnehmen. Zu all dem kommt eine bis zu 300fach höhere Strahlenbelastung als auf der Erde.

Im August 2023 soll Raumschiff Orion zum Mars starten

Für medizinische Langzeit-Experimente im All gibt es zurzeit nirgendwo so gute Bedingungen wie auf der Internationalen Raumstation, was die Bedeutung des internationalen Hightech-Projekts unterstreicht. Gerade die us-amerikanische Nasa hat sich einen ambitionierten Zeitplan gesteckt. Nach der bemannten Umrundung des Mondes Anfang 2021 soll die Orion mit Astronauten an Bord im August 2023 auf ihre Reise zum Mars starten. Experten gehen von einer Reisedauer von mindestens 450 bis 500 Tagen aus.