Klimaschutz ist en vogue, immer mehr Verbraucher achten auf effizientere Elektrogeräte, sparsame Autos und Energiesparlampen. Doch Vorsicht: Einige Produkte sind nicht so umweltfreundlich, wie die Hersteller behaupten.

Die gute Nachricht: Effiziente Kraftfahrzeugmotoren und sparsame Kühlschränke verbrauchen tatsächlich weniger Strom und leisten so einen Beitrag zum Umweltschutz. Die schlechte Nachricht: Bei den Herstellern gibt es schwarze Schafe, deren Geräte bei weitem nicht so sparsam sind, wie sie behaupten. Außerdem schaden manche Produkte der Umwelt in anderer Hinsicht mehr, als sie ihr durch die Stromeinsparung nutzen.

Energie spendender Lebensretter schont die Umwelt.

Generell können sich Verbraucher zwar auf externe Gütesiegel verlassen, erklärt Roland Gramling vom WWF. Beispiele sind der Blaue Engel oder das Bio-Gütesiegel. Auch die Energie-Effizenzklassen bei Elektrogeräten bieten seiner Ansicht nach grundsätzlich verlässliche Informationen. Aber hier muss sich der Kunde vor dem Kauf genau informieren: Wie viel Energie verbraucht das Gerät tatsächlich?

Stiftung Warentest warnt: Bei Waschmaschinen wird getrickst

Energie-Effizienzklasse A ist längst nicht mehr die beste, mittlerweile gibt es Klasse A+++. Der Unterschied ist teilweise gewaltig, erklärt Roland Gramling vom WWF: "Bei einem Geschirrspüler beispielsweise liegt der Unterschied im Stromverbrauch zwischen A+ und A+++ bei rund 30 Prozent." Das wissen auch die Verbraucher und greifen vorzugsweise zu den energiesparenden Geräten.

Doch die Stiftung Warentest warnt diesbezüglich vor Täuschungen bei Waschmaschinen: Weil die Hersteller das begehrte Label A+++ erreichen wollen, tricksen sie bei der Temperatur und wirken so energieeffizienter. "Das Wasser wird nicht, wie angegebenen, auf 60 Grad geheizt. Das spart Strom. Damit die Wäsche trotzdem sauber wird, waschen die Maschinen umso länger", erklären die Verbraucherschützer. Die Dauer des Waschgangs relativiert den geringen Energieverbrauch der Geräte also wieder, zudem wird die Wäsche oft nicht hygienisch sauber.

Vorsicht bei "Greenwashing"

Bleibt CO2-Ausstoß so hoch, wird Erderwärmung unerträglich.

Warnen möchten die Umweltschützer auch vor dem sogenannten "Greenwashing" einiger Unternehmen. Weil sie wissen, dass die Verbraucher zunehmend auf Klimaschutz und Umweltfreundlichkeit achten, hängen sich manche ein "grünes Mäntelchen" um und brüsten sich mit selbst kreierten Öko-Labels. "Das ist jedoch ein pures Marketinginstrument", weiß Roland Gramling vom WWF. "Der tatsächliche Wert für den Umweltschutz ist dann gering bis gar nicht vorhanden."

Energiesparlampen sind hochgiftig

Mit Vorsicht sind auch Energiesparlampen zu genießen. Es wird verhältnismäßig wenig CO2 eingespart, wenn Privathaushalte auf Energiesparlampen umsteigen. Diese enthalten jedoch das hochgiftige Quecksilber, das nicht nur ein Problem bei der Entsorgung darstellt. Der Inhalt einer einzigen Energiesparlampe genügt, um 3000 Liter Grundwasser zu vergiften. Zerbricht eine solche Birne, ist auch in der Wohnung höchste Vorsicht geboten, weil die Dämpfe schwere Gesundheitsschäden verursachen können. Aber auch intakte Sparlampen geben ständig giftige Dämpfe ab. Noch größer ist die toxische Belastung für die Menschen, die bei der Quecksilber-Gewinnung und bei der Produktion der Lampen beteiligt sind.

Rebound-Effekt: Der Verbraucher trägt die Verantwortung

Das Verhalten der Verbraucher ist generell ein Problem, gibt Gramling zu bedenken. Viele kaufen sich mit energieeffizienten Geräten ein gutes Gewissen – und handeln dennoch nicht klimafreundlich. Schuld ist der von Experten genannte "Rebound"-Effekt, also Rückpralleffekt. "Energieeffizienz ist nämlich nicht gleich Energiesparen", erklärt er. "Es ist nur dann gut für die Umwelt, wenn ich die gesparte Energie nicht gleich wieder ausgebe." Doch genau das tun viele Verbraucher: Weil sie beispielsweise durch Energiesparlampen weniger Strom verbrauchen, lassen sie guten Gewissens öfter mal das Licht brennen.

"Ebenso ist es bei Autos", wirft Roland Gramling ein. "Nur weil es mittlerweile effizientere Motoren gibt, heißt das nicht, dass man das Auto häufiger nutzen sollte." Es mache natürlich keinen Sinn, von den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad auf ein sparsames Auto umzusteigen. "Der Rebound-Effekt ist ein ernst zu nehmendes Problem", erklärt der Experte vom WWF und fasst zusammen: "Der beste Klimaschutz ist immer noch, keine Energie zu verwenden."