Göttingen/Washington (dpa) - Ein Komet wird am Wochenende knapp am Mars vorbeirasen. Die flüchtige Begegnung soll genau erfasst werden: Mehr als ein Dutzend Raumsonden, Teleskope und Marsfahrzeuge bringt die US-Raumfahrtbehörde Nasa für das Treffen am Sonntag in Stellung.

Erstmals werde ein Komet aus so großer Nähe von so vielen Instrumenten beobachtet, sagte Markus Fränz vom Max-Planck-Institut (MPI) für Sonnensystemforschung in Göttingen. "Siding Spring" soll in 140 000 Kilometern Entfernung am Roten Planeten vorbeirasen und ihn dabei mit seinem Schweif streifen.

Der Komet stammt aus der sogenannten Oortschen Wolke, einem Bereich gewaltigen Ausmaßes, der die Sonne in großer Entfernung umgibt. Fränz schätzt, dass "Siding Spring" bislang rund 14 Milliarden Kilometer zurückgelegt hat. Am Sonntagabend passiert der Komet mit einer Geschwindigkeit von rund 56 Kilometern pro Sekunde den Mars. Die Nasa erwartet sowohl Daten über die Zusammensetzung des Kometen als auch über das Wechselspiel zwischen der Marsatmosphäre und ihrem Umfeld.

Mindestens 16 Geräte im All und auf dem Mars seien an den Analysen beteiligt, darunter der Marsrover "Curiosity" und das Weltraumteleskop "Hubble", hieß es von der Nasa. Auch die Raumsonde "Maven", die erst kürzlich den Mars erreichte, wird eingesetzt. "Das ist ein kosmisches Geschenk an die Wissenschaft", sagte kürzlich John Grunsfeld, Chef des Nasa-Wissenschaftsdirektorats. Die Geräte der Nasa seien auf vollen Empfang gestellt.

Von den Daten versprechen sich die Forscher Rückschlüsse auf die Materialien, die es bei der Bildung des Sonnensystems vor etwa 4,6 Milliarden Jahren gab. Die Oortsche Wolke, aus der der Komet stammt, ist chemisch sehr ursprünglich. "Es besteht die Möglichkeit, einzelne Atome und Ionen einzufangen", sagte Fränz. Die Göttinger Forscher sind mit dem Teilchendetektor "Aspera-3" an Bord der Esa-Raumsonde "Mars Express" an den Untersuchungen beteiligt.

Daneben erhoffen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse über den Mars selbst. Es wird erwartet, dass "Siding Spring" die Atmosphäre des Planeten beeinflusst. Diese Wechselwirkung könne Hinweise darauf liefern, warum aus der Mars-Atmosphäre immer wieder geladene Teilchen herausgerissen werden, so Fränz.© dpa