Wie wird das Leben im Jahr 2030 aussehen? Einen Blick in die Glaskugel wagt der Nationale Geheimdienstrat der USA mit einer aktuellen Studie. Die Ergebnisse geben teilweise Anlass zu Hoffnung, verweisen aber auch auf große Herausforderungen.

In einer wahren Flut von Ergebnissen hat der "National Intelligence Council" (NIC) seine Schlussfolgerungen festgehalten. In Hinblick auf die Technik verbreitet der NIC eine positive Stimmung. Besonders in der Medizin könnte sich einiges tun. Die direkte Verbindung von Gehirn und Prothese soll etwa beschädigte Gliedmaßen vollständig ersetzen. Damit gäbe es also Mischwesen aus Mensch und Maschine, so genannte Cyborgs.

Neue Psychostimulanzen könnten dazu eingesetzt werden, länger zu arbeiten. Mögliche Nebenwirkungen dieser Medikamente sprechen die Fachleute nicht an.

Mit so genannten Exo-Skeletten werden Menschen offenbar große Lasten mit einer hohen Geschwindigkeit transportieren können. Maschinelle Gehirnerweiterungen können laut der Studie zudem die Leistung der menschlichen Rechenzentrale enorm erhöhen. Werden wir 2030 eine viel längere Lebenserwartung haben? Die Studie des NIC sieht genau das voraus.

Ungebremstes Bevölkerungswachstum

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Geheimdienstrates ist aber das rasante Bevölkerungswachstum. In 18 Jahren soll es demnach 8,3 Milliarden Menschen auf der Erde geben. Daraus ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf an Wasser von 40 Prozent, an Nahrung von 35 Prozent und an Energie von 50 Prozent.

Durch den Klimawandel werden jedoch genau diese Ressourcen knapper. Besonders im Nahen Osten, Nordafrika, Zentralasien, aber auch in Südeuropa oder dem Südwesten der USA könnte sich die Situation verschärfen - Kriege mit eingeschlossen.

China wird Weltwirtschaftsmacht

Schon in den nächsten Jahren wird nach Auffassung der NIC-Fachleute China die USA als größte Wirtschaftsmacht der Welt ablösen. Insgesamt wird der asiatische Raum mit seinen vielen aufstrebenden Staaten zum wirtschaftlichen Zentrum der Welt werden, so die Prognose. Die Kehrseite: Die USA, Japan und Europa werden als alternde Gesellschaften an Bedeutung und ökonomischer Kraft verlieren.

Doch hat die wirtschaftliche Umverteilung global betrachtet auch ihr Gutes. In Asien wird die Mittelschicht stärker, dort sinkt die Armut. Damit verbunden wären bessere Bildung und bessere Gesundheitsvorsorge. Außerdem werden offenbar immer mehr Menschen in Städten leben. 2030 soll es sehr viele Megacitys geben.

Trotz des Niedergangs der USA sieht der Nationale Geheimdienstrat das eigene Land weiter als eine weltweit führende Nation - als ein "Erster unter Gleichen". Die Vereinigten Staaten hätten eine vielschichtige Art von Macht und ein natürliches Recht auf Führung, berichtet die Studie. Die ökonomische Bedeutung Asiens würde aber trotzdem die Machtverhältnisse global verändern.

Aus den vielen Veränderungen heraus sieht der Nationale Geheimdienstrat der USA ein ganzes Bündel an Risiken auf uns zukommen. Regionale Instabilität sagen die NIC-Fachleute etwa für den Mittleren Osten und Südasien voraus. Die potenziellen Verteilungskämpfe um lebenswichtige Ressourcen bereiten den Experten ebenfalls Sorgen. Schließlich fragen sich die Mitglieder des NIC, wie es in Zukunft mit der Macht von internationalen Institutionen wie der UN oder der OSZE aussieht. Darauf gibt die Studie keine abschließende Antwort.