Der Fotograf Tim Flach stellt nach siebenjähriger Arbeit in seinem neuen Bildband "More Than Human" mit dem deutschen Titel "Ganz Nah: Porträts von Tieren" viele verschiedene Spezies vor. Er räumt darin mit Vorurteilen über die Tiere auf und zeigt Facetten, die mehr als menschlich sind.

Ein anmutiger Kauz: Die Eule "Grace" hat verblüffend menschliche Züge in ihrem anmutigen Blick. Sie gehört zu den Bartkäuzen, die über ein ausgezeichnetes Sehvermögen verfügen. Da ihre Augen nicht beweglich sind, besitzen die Tiere die außergewöhnliche Fähigkeit, den Kopf um 270 Grad zu drehen.
Der Rabe: Für viele ein Omen: Raben sind Allesfresser, gesellig und sehr intelligent: Dies sind Eigenschaften, die wir unserer eigenen Spezies gerne zuschreiben. Der Mensch verbindet mit diesem Vogel jedoch oft die dunkle Seite des Lebens und assoziiert mit ihm häufig den Tod. Hier wirft das Tier sich für das Cover der Band "Art of Dying" (Übersetzung: Die Kunst des Sterbens) in Pose.
Ein vorsichtiges Dreibinden-Gürteltier: Das Dreibinden-Gürteltier fristet sein Dasein auf Erden schon seit 60 Millionen Jahren. Dank seiner Fähigkeit, sich bei Gefahr in eine Kugel zu verwandeln, wird es vermutlich auch 2014 noch existieren. Dann wird das Kugelgürteltier Maskottchen der Fußball-WM in Brasilien sein. Die Ähnlichkeit zum Menschen erschließt sich vielleicht nicht sofort, aber seine "Schale" besteht aus einer Schlüsselkomponente der menschlichen Haut, dem Keratin.
Orang-Utans in vertrauter Gemeinschaft: Die Vertrautheit unter diesen Orang-Utans hat nichts zu tun mit mancherlei Schnappschüssen vermeintlich dickster Freunde auf sozialen Netzwerken. Obschon diese Menschenaffen tendenziell Einzelgänger sind, existieren enge Bindungen zwischen dem Muttertier und seinen Jungen.
Des Kapuzineräffchens Rechnung kann nicht stimmen: "Waaas??? Nicht möglich!" scheint es diesem verblüfften Kapuzineräffchen durch den Kopf zu gehen. Vielleicht hat es gerade ausgerechnet, dass es um Geld betrogen wurde. Diese Erklärung könnte durchaus zutreffend sein, wenn man das Ergebnis eines Experiments der Universität Yale betrachtet. Demzufolge können Kapuzineräffchen ein Bewusstsein für Preise entwickeln und sind sehr darauf erpicht, bei Tauschgeschäften keine Verluste zu machen.
Der Hybrid, den niemand braucht: Der Orang-Utan "Rajang" hat immer in Gefangenschaft gelebt. Sein Fall entflammte eine Debatte über Tierrechte: Darf der Mensch ein Tier aus seiner natürlichen Umgebung nehmen, um ein höheres Ziel zu erreichen? Mit ihm sollte die Wiederansiedlung der Orang-Utans auf Borneo vorangetrieben werden. Als man herausfand, dass er dafür als ein Hybrid zwischen den Orang-Utans aus Sumatra und Borneo nicht geeignet ist, wurde er sterilisiert.
Panda in Dreiecksbeziehung: Diesem Pandabären ist die Entschlossenheit ins Gesicht geschrieben. Männliche Artgenossen müssen diese zur Fortpflanzung auch aufbringen, denn die Weibchen sind nur 78 Stunden im Jahr bereit, sich mit ihnen zu paaren. Der Bär, der Ihnen in die Augen schaut, lebt in der chinesischen Chengdu Panda Base, einem Zentrum zur Zucht der Pandas. Dort soll künstliche Befruchtung zu einer Vermehrung der Tiere führen und ausgleichen, wozu sich die Bären von Natur aus nicht entschließen.
Der Bonobo-Kuss : Die Bonobos werden auch als "Liebesaffen" bezeichnet. Sie werfen die Frage auf, ob nicht nur der Mensch Sex von der Fortpflanzung trennt. Denn Bonobos benutzen Geschlechtsverkehr außer zum Artenerhalt auch zur Lösung von Konflikten, als Begrüßung oder als Zeichen der Zuneigung. Ihre Tendenz, mehr aufrecht zu gehen als auf allen Vieren, macht sie dem Menschen noch ähnlicher.
Das Axolotl-Babyface - ein ewiger Jungbrunnen?: Dieser Molch, der Axolotl, ist in den Süßwasserhabitaten von Mexiko-Stadt beheimatet. Es scheint den Menschheitstraum ewiger Jugend zu leben, denn er bewahrt seine jugendlichen (Larven-)Merkmale sein Leben lang. Zudem besitzt er außergewöhnliche Selbstheilungskräfte: Er kann Organe und auch Teile des Gehirns vollständig regenerieren.
Königstiger schüttelt sich : Ungleich einiger anderer Katzen nehmen Tiger gerne ein Bad. Dem Königstiger "Kanja" scheint das Abschütteln der Wassertropfen jedenfalls Spaß zu machen.
Nilflughund im Gleitflug: Beim Anblick dieses Nilflughundes sticht uns die Ähnlichkeit zum Menschen ins Auge. Die Knochenstruktur der Flügel ist fast identisch mit der des Menschen. Und ist es nicht denkbar, dass sich Da Vinci von dem Früchtefresser inspirieren ließ, bevor er seine Fluggeräte erfand?
Flughund verdeckt sein Gesicht: Wie ein Phantom tritt dieser Flughund auf. In seiner Pose erinnert er manchen Betrachter sofort an Dracula oder Batman.
Das perfekte Lebensmittel?: Die Zucht dieser federlosen Rasse hat beträchtliche ökonomische Vorteile: Dieses Huhn verbraucht keine Energie für die Produktion von Federn, sodass ein größerer Teil des Futters in Fleisch verwandelt werden kann. Außerdem muss in warmen Ländern weniger Energie für die Kühlung der Temperatur verwendet werden, weil die Tiere ohne Federn besser an ein heißes Klima angepasst sind. Wer sich beim Anblick eines nackten Huhns etwas unbehaglich fühlt, sollte sich fragen: "Wie sollte mein Tier aussehen, bevor ich es esse?"
Schimpanse "Jambo" scheint betrübt: Der Schimpanse "Jambo" schaut weg und richtet seinen Blick ins Dunkle. Er leidet an krankhaftem Haarausfall. Warum, weiß niemand. Die Ursachen seiner Krankheit sind medizinisch noch nicht geklärt.
Gorilla in Gefangenschaft: Wie würden Sie in dieser Situation dreinschauen? "Djala" ist 29 Jahre alt und gehört als Westlicher Flachlandgorilla nach Afrika. Dort würde er in freier Wildbahn Gefahr laufen, wegen seines Fleisches getötet zu werden - so sterben jährlich bis zu eine Million seiner Artgenossen. Immerhin leben vier seiner Sprösslinge inzwischen in einem natürlichem Lebensraum in Gabon, im Westen Zentralafrikas.
Schwarz-Weiß-Bild des Pandas : Schwarz-Weiß ist in dem Buch "More Than Human" des preisgekrönten Fotografen Tim Flach nur die Aufnahme des Pandabären.