Sphinx von Hattuscha an Türkei zurückgegeben
Die Löwenfigur sei am frühen Morgen im Archäologischen Museum Istanbul eingetroffen, sagte der türkische Kulturminister Ertugrul Günay am Abend. Er kündigte an, sein Land werde weltweit verschleppte Artefakte einfordern und mit einem Ausbau der Museen die Voraussetzungen zur sicheren Aufbewahrung in der Türkei schaffen. Die Sphinx solle vom 28. November an in einem Museum der Provinz Corum, in der auch Hattuscha liegt, ausgestellt werden.
"Ich bin der Meinung, die Steine haben auch eine Seele", sagte der Minister bei einer Pressekonferenz in dem Museum. "Alle Stücke sollen an die Stelle zurück, wo sie hingehören." Die Werke seien "unglücklich" in einem anderen Land. Er begrüßte die Rückgabe der Sphinx, bekräftigte aber auch das Recht seines Landes auf Rückgabe von ungenehmigt ins Ausland gebrachten Stücken.
Die Sphinx, eine Skulptur aus dem Hethiter-Reich im heutigen Anatolien, war 1915 zusammen mit einer zweiten Löwenfigur weitgehend zerstört nach Berlin gekommen, um dort restauriert zu werden. Die besser erhaltene Figur ging 1924 an Istanbul zurück, die andere - mehr Gips als Original - blieb in Berlin. Seit 1934 war sie zusammen mit einem Abguss ihres Gegenstücks im Pergamon-Museum zu sehen. 1938 forderte die Türkei erstmals die Rückgabe, seither war der Verbleib umstritten.
Nach mehreren vergeblichen Vorstößen hatte der türkische Kulturminister im Frühjahr ultimativ eine Rückgabe bis Juni gefordert. Andernfalls dürften deutsche Archäologen nicht mehr an den Ausgrabungen in Hattuscha teilnehmen, drohte er. Im Mai verständigte sich eine Expertenkommission dann auf die Rückgabe. Ursprünglich war der Rücktransport erst bis Ende November vereinbart gewesen.
Nach der Rückgabe der Sphinx von Hattuscha an die Türkei bekommt Berlin eine neue Löwenfigur. In den Werkstätten der Staatlichen Museen wird an einer Gipskopie der mehr als 3000 Jahre alten Skulptur gearbeitet, teilte Pressesprecherin Stefanie Heinlein auf dpa-Anfrage mit. Voraussichtlich im Oktober soll die Nachbildung im Pergamon-Museum aufgestellt werden.
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Auswirkungen auf die von Ägypten zurückgeforderte Nofretete soll die Rückgabe nach dem Willen der deutschen Seite nicht haben. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte bei der Einigung mit der Türkei ausdrücklich betont, die Sphinx werde als "freiwillige Geste der deutsch-türkischen Freundschaft" an die Türkei übergeben. "Beide Seiten stimmten darin überein, dass es sich bei der Sphinx um einen Einzelfall handelt, der nicht mit anderen Fällen vergleichbar ist", hieß es damals.
Im Gegenzug sagte die Türkei zu, die kulturelle Zusammenarbeit mit Deutschland zu verstärken. Der Transfer sollte der Vereinbarung zufolge bis zum 28. November erfolgen. An diesem Tag vor 25 Jahren wurde die Ausgrabungsstätte der einstigen hethitischen Hauptstadt Hattuscha in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen.
Auf deutscher Seite hatte es Befürchtungen gegeben, nach der Rückgabe der geflügelten Löwenfigur könne der Streit mit Ägypten um die weltberühmte Nofretete neu entfachen. Allerdings wurde die ägyptische Königinnenbüste, die im Neuen Museum in Berlin steht, Deutschland bei einer Fundteilung ausdrücklich zugesprochen. Die Bundesrepublik versteht sich deshalb als rechtmäßige Besitzerin. Bei der Sphinx gab es keine derartige Vereinbarung.
10 Meinungen zu "Sphinx fährt nach Hause"
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Boudica89
Donnerstag, 28.07.2011, 15:25 Uhr @ In Ihrem Oberstübchen scheint kein "Bestzeller" zu sitzen...und was Sie von sich geben ist an den Haaren herbeigezogene, ideologisch gefärbte Polemik. Haben Sie Spaß am Hetzen? -
mangostanne
Donnerstag, 28.07.2011, 13:59 Uhr schurke57 Ich bin der Meinung, daß alle Kulturgegenstände in ihr Ursprungsland gehören und nicht anderswo. *********** denke ich auch. historische kunstschätze gehören dahin, wo sie ihren ursprung haben. voraussetzugn wäre natürlich bei einer rückgabe, dass die schätze dort sicher und geschützt vor zerfall und zerstörung sind. wenn das gewährleistet ist... ab nach hause, wo sie hingehören! diese regelung wäre ja auch ziemlich vorteilhaft für deutschland. was da alles nach den weltkriegen von den siegermächten mitgenommen wurde.. -
Boudica89
Donnerstag, 28.07.2011, 12:26 Uhr UnitedStatesForever, es heißt ja eigentlich "don't feed the troll", ich werde Ihnen trotzdem wieder antworten: 1. Ich möchte nichts zensieren, ich rate Ihnen sich zu informieren. 2. Wie ich schon erwähnte, bestehen die heutigen Türken nicht nur aus angehörigen von Turkvölkern, das wüssten Sie, wenn Sie sich informierten. Es leben nach wie vor viele Griechen, Armenier und sogar Polen in der Türkei, man kann die Türkei als Vielvölkerstaat bezeichnen. 3. Bleibt die Frage, wer denn Anspruch auf diese Kulturgüter hat. 4. Empfinde ich Ihre Art zu argumentieren, von einer wirklich gefährlichen Art "Herrenmenschendenken" geprägt.
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